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Berlin Hiddensee – Hiddensee Berlin

Kategorie: Reisen am Dienstag, 18. August 2009 von Brigitte Lilli SperlingKommentieren Sie diesen Eintrag als Erster
Vier Tage ohne Autos, nur Pferdefuhrwerke und Räder u. Fortbewegung per pedes.

Vier Tage ohne Autos, nur Pferdefuhrwerke und Räder und Fortbewegung per pedes.

Allmähliche Entschleunigung, ein noch stärkeres Decrescendo beim Wechsel vom Zug auf das Schiff, von Stralsund nach Hiddensee. Die Langsamkeit des Schiffes zur Ankunft erfordert meine ganze Geduld, etwas in mir möchte schneller, kein Ausweg! Vier Tage ohne Autos, nur Pferdefuhrwerke und Räder und Fortbewegung per pedes. Meer, Sand, Steine, Muscheln, Wellen, Sonne, Meeresduft, üppig blühende Naturwiesen, Vogelschwärme, Nistplätze, Seeschwalbenlochnester im oberen Steilküstenerdsand umschwirrt von unzähligen Mutterschwalben (auch Vaterschwalben?), welche die aus den Löchern schnellenden, nach Nahrung verlangenden Schnäbelchen ihrer Brut sättigend füllen, ausgebreitete Stille, Schiffshörner, Sanddornkuchen.

Auf dem Rückweg zum Festland spüre ich gelungene Anpassung, Entspannung im Langsamen, das Schiff schaukelt wieder seinen vorgegebenen Meeresweg. Was ist es, das meinen Zustand innerhalb vierer Tage verändert hat? Das ewige Meer, das stetige Kommen und Gehen der Wellen, der helle Sand, der Spuren über Spuren der Menschen aufnimmt, der Wind, der alles wieder gleich macht, wie das Wasser im darüber fließen? Was ist es noch, welches den Zustand der Gelassenheit in mir erzeugt? Das Zeitgefühl, welches sich am Sonnenstand, der Helligkeit, der Dunkelheit, am Hunger, der Müdigkeit orientiert? Zeit spielt nur noch eine geringe Rolle in diesem Naturgeschehen. Ist es die Stille, die einem das Gefühl des tatsächlichen, unaufdringlichen Alleinseins schenkt, die unglaubliche Atmosphäre eines schwerelosen Daseins, ein Traum im Wirklichen?

Ich befinde mich mit anderen Menschen auf dem Schiff zurück, alle lassen sich wiegen im Wachschlaf geborgen im Schiffsbauch, als hätte sich eine verabredete Stille kund getan. Ist es das, was einem die Insel mit auf den Weg gegeben hat?

Ich drehe mich um, vor mir taucht die historische Silhouette Stralsunds auf. Angekommen?

Berlin – erste Einstellung – Klappe

Kategorie: Gesellschaft am Donnerstag, 23. Juli 2009 von Brigitte Lilli SperlingKommentieren Sie diesen Eintrag als Erster
Hier in Berlin ist das „Große“  normal und das „Kleine“ selbstverständlich.

Hier in Berlin ist das „Große“ normal und das „Kleine“ selbstverständlich.

Wie wird man ein/e Berliner/in? Man nehme seine Neugier, ein Pfund Mut plus Toleranz, schüttele allesamt kräftig durcheinander und begebe sich sofort auf den Weg.

Berlin ist mehr als eine Reise wert, Berlin ist unglaublich grün. In Berlin fühlen sich sogar Naturmenschen wohl. In Berlin lernt man voller Überzeugung teilen, die Plätze in den Lieblingscafes, das Begehen der Wege entlang der Kanäle, durch eines der unzähligen Parkgelände rund um die innerstädtischen Seen, es gibt so viel von allem für alle. In den Stadtteilen sind die gemütlichsten, quirligsten, abwechlungsreichsten Quartiere (Kieze) zu erleben, kleinste Galerien, ungewöhnlichste Geschäftsideen in Läden zu erkunden. Das „Große“ ist normal und das „Kleine“ selbstverständlich, beides findet seinen Ausdruck und ist stärker in den Menschen und ihrer Umgebung vermischt als anderswo.

Berlin, du riesengroße Stadt, wie fürchtete ich mich vor dir, nun kenn ich deinen Zauber, finde durch dich hindurch, in dich hinein und aus dir heraus, habe dein Antlitz von vielen Seiten betrachtet, mich ergötzt, mal erschreckt und immer weiter eröffnest du mir neue Anblicke und Einblicke.

Der Atem des Lebens

Kategorie: Gesellschaft am Mittwoch, 17. Juni 2009 von Brigitte Lilli SperlingKommentieren Sie diesen Eintrag als Erster

Der langjährige Yogalehrer pflegte zu sagen, das Leben ist ein Auf und Ab, wie Ebbe und Flut, während unsere Mutter anmerkte, auf Regen folge Sonnenschein. Nun bin ich Großmutter und beobachte mein neugeborenes Enkelkind mit seinen jungen Eltern, wie sie sich aneinander gewöhnen und eben in diesem Phänomen des häufigen Wechsels von Wohl und Unwohl, von Frieden und Unruhe versuchen, sich einzupendeln. Im Zentrum allen beginnenden Erdenseins erweckt das Neugeborene, das Verletzlichste aller Wesen, den Drang nach zärtlicher Fürsorge, welche im Klang der Stimmen der Umsorgenden, ihrem warmen Schmelz, deutlich wahrzunehmen ist. Eine Schutzhülle von sicherem Gehalten werden, Gestreichelt sein, gestillt und gesäubert, getröstet werden, umgibt diesen kleinen Menschen, dessen Anblick in seinen Eltern im Moment seiner Geburt ein unermüdliches Rädchen der Empathie antreibt. Als Großmutter vernehme ich in Erinnerung das Gefühl an die einschießende Milch, damals, als ich mein Kind säugte, während ich mich am Anblick meiner stillenden Tochter leise erfreue. Eine erweiternde Bewegung ist in Gang gekommen, die ihre Wellen schlägt.


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