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Mein erstes Mal – The big M

Kategorie: Gesellschaft, Gesundheit am Sonntag, 17. Januar 2010 von Simone PipekKommentieren Sie diesen Eintrag als Erster
Die pinkfarbene Schleife - offizielles Zeichen im Kampf gegen den Brustkrebs

Die pinkfarbene Schleife - offizielles Zeichen im Kampf gegen den Brustkrebs

Ach wie schön, selbst im hohen Alter von (fast) 40 gibt es immer noch Situationen, die ein erstes Mal darstellen. Dazu könnte gehören, dass man das erste Mal australischen Boden betritt, das erste Mal am Steuer eines Porsche 411 sitzt oder das erste Mal seit 25 Jahren das Zuhause verlässt, ohne Lippenstift aufzutragen. Alles nicht so schlimm – oder sogar sehr schön. In meinem Fall kam mein kürzlich erlebtes “erstes Mal” völlig unerwartet. Da bin ich ohne böse Hintergedanken bei meiner Frauenärztin, die Untersuchung ist vorbei, und sie fragt so nebenbei: “Haben Sie ‘mal über eine Mammografie nachgedacht?”

Bums, da ist ein erstes Mal. Habe ich darüber nachgedacht? Jaaa schon, aber nie ernsthaft, ich bin doch noch so jung, oder?! Und Brustkrebs haben wir nicht in der Familie. Da ich aber keine Spielverderberin sein will, mache ich brav einen Termin in dem Labor, das die Mammografien durchführt, und diese Untersuchung war auch wirklich nicht mehr als ein Spaziergang im Park.  Davon abgesehen natürlich, dass beide Brüste bis zur Unkenntlichkeit plattgedrückt werden, bis sie einem kleinen Pfannkuchen gleichen, passiert nicht sehr viel. Alles Routine. Das Ergebnis kommt dann mit der Post. Klar, kein Problem.

In der linken Brust wurde ein Schatten gesehen.

Oder doch? Die Resultate kommen vier Tage später, mit der Nachricht, dass in der linken Brust Schatten gesehen wurden, die weiterer Untersuchungen bedürfen. Das war unerwartet, aber immer noch ganz zuversichtlich google ich mein Ergebnis und erfahre, dass 80 % der Zusatzuntersuchungen ergeben, dass dies lediglich harmlose Verdickungen sind. Na zum Glück. Ein bischen nervös bin ich natürlich schon, als ich zum Sonogramm acht Tage später wieder im Labor bin. Ich habe keine Ahnung, was mich erwartet, bin aber ganz ergeben und mache alles, was von mir erwartet wird.

Und während ich also halbnackt auf der Liege im abgedunkelten, kalten, und wirklich nicht freundlichen Raum liege, die medizinisch-technische Assistentin mit dem Sensor auf meiner linken Brust herumfährt, packt sie mich dann doch, die Angst.

Was, wenn doch …?

Die ganze Untersuchung dauert nur eine halbe Stunde, aber mir kommt sie vor wie eine kleine Ewigkeit.

Ich versuche, mich zu beruhigen, atme tief ein und aus, konzentriere mich auf hübsche Dinge: Blumen, Sonne, Neuschnee … Aber so richtig hilft es nicht. Was, wenn doch etwas nicht stimmt? Der Gedanke schnürt mir den Hals zu, ich habe Schwierigkeiten, zu atmen und mir kullern unerwarteterweise ein paar dicke Tränen die Wangen hinunter, die die MTA entweder nicht sieht oder nicht sehen will. Auf meine Frage hin, was denn hier passiert, was sie (und auch ich, denn der Bildschirm ist mir zugewandt) auf dem Bildschirm sieht, bekomme ich die lakonische Antwort, dass sie nicht berechtigt ist, mir Auskunft zu geben. Das muss der Arzt machen. Nicht gerade beruhigend, besonders, da ich viele schwarze Flecken sehe, die sie ausmisst, die Daten aufschreibt und dabei keinerlei Gemütsbewegung zeigt.

Die ganze Untersuchung dauert nur eine halbe Stunde, aber mir kommt sie vor wie eine kleine Ewigkeit. Und die ganze Zeit wollen die Gedanken nicht stehen bleiben, sie drehen sich wie wild im Kopf herum, schneller und schneller, bis die MTA endlich die erlösenden Worte sagt, “We are done!”. Auch hier muss ich auf das Ergebnis per Post warten, was mir sehr unmenschlich vorkommt, aber so ist das eben. Auf meine Frage hin erklärt sie mir, dass ich spätestens am Ende der Woche das Ergebnis haben sollte, und heute ist Montag!  Fünf Tage Ungewissheit?

Vielleicht ist ja alles ganz harmlos …

Ich erzählte nur zwei Menschen von dem ersten Ergebnis, da ich niemanden unnötig beunruhigen mochte, und auch jetzt dachte ich “Warten wir erst einmal ab, was das Untersuchungsergebnis zeigen wird” . Ein Teil von mir weiß, dass ich diese Information unter Verschluss halte, weil ich mich schützen will, denn wenn ich die Worte zu häufig ausspreche, wird alles zu schnell zu plötzlich real, denke ich in meinem verwirrten Zustand. Vielleicht ist ja alles ganz harmlos? Trotzdem bin ich am Boden zerstört, und fühle mich plötzlich ganz krank, habe Schmerzen in der Brust, und male mir die schlimmsten Szenarien aus.

Was wäre, wenn …?

Meine Freundinnen Bettina und Martina sind genauso geschockt wie ich, leiden mit mir, und mir kommt der abgedroschene Satz in den Sinn “Geteiltes Leid ist halbes Leid”. Natürlich können sie mir die Angst nicht nehmen, aber es ist doch schön, Vertraute zu haben.

Tränen der Erleichterung

Nach einer schlaflosen Nacht gehe ich am nächsten Tag ins Büro, funktioniere mehr auf Auto-Pilot als alles andere, konfuse Gedanken finden immer ihren Weg in mein Bewusstsein. Und als ich emotional ermüdet von der Arbeit nach Hause komme, habe ich einen Brief vom Labor in meinem Briefkasten. Das ging schnell. Ist das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen? Ich wiege den Brief in meinen Händen, halte ihn gegen das Licht, ohne etwas zu erkennen und brauche doch gute zwei Stunden, bis ich den Mut aufbringe, ihn zu öffnen. So, wie man ein Pflaster von der empfindlichen Stelle in der Armbeuge abreisst, öffne ich den Brief und lese nur den ersten Satz: “We are pleased to inform you that your recent digital mammogram is normal” (“Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass die Werte Ihrer letzten Mammografie sich als normal herausgestellt haben). Danach verwischen die Buchstaben, da sich Tränen der Erleichterung aus meinen Augen stehlen.

Warum schildere ich dieses Erlebnis so ausführlich?

Zum einen, weil dies das erste Mal in meinem Leben war, dass ich – wenn auch nur kurz – wirklich Angst um mein Leben hatte, und ich jedem ans Herz legen möchte, sich in solch dunklen Stunden an gute Freunde oder Familie zu wenden und das Gespräch zu suchen. Zum anderen, weil ich denke, dass Brustkrebs kein Tabuthema sein darf, dass offen darüber geredet werden muss, über die Angst und die Folgen. Egal, was meine persönliche Untersuchung ergeben hätte, fühle ich den Drang, diese kleine Episode mitzuteilen.

Brustkrebs darf kein Tabuthema sein.

Viele Leserinnen haben vielleicht dieselben Erfahrungen mit ähnlichem oder ernsthafterem Ausgang gemacht und können gut nachfühlen, was ich empfunden habe, und andere, jüngere Leserinnen, die irgendwann auf diese Untersuchung zusteuern, sollten sich gewahr sein, dass sie nicht alleine sind. Es war sicherlich ein traumatisches Erlebnis, was schlussendlich ein gutes Ende genommen hat, aber für viele andere Frauen ist dies nicht der Fall.

In meiner langjährigen journalistischen Tätigkeit in den USA bin ich häufiger mit der Susan G. Komen Gesellschaft in Kontakt gekommen, die hervorragende Aufklärungsarbeit betreibt und Hilfestellungen gibt. Bei Interesse und Fragen rund um das Thema Brustkrebs kann man sich bei http://ww5.komen.org/ informieren.

Der Busen hat einen besonderen Stellenwert für uns Frauen. Er ist Zeichen der weiblichen Sexualitaet, aber viele Frauen (auch ich) hadern mit ihren Brüsten – zu groß, zu klein, zu ungleich, das Bindegewebe zu schwach etc. Trotzdem oder gerade deshalb fühle ich mich heute sehr weiblich, und bin stolz auf meine vermeintliche Oberweite. Brust raus, Bauch rein.

Gesundheit ist ein Gut, für das wir täglich dankbar sein sollten.

Ansonsten habe ich für mich wieder einmal festgestellt, dass sich der Fels ums Herz herum gelöst hat, die Brocken nach und nach gefallen sind und ich mich leichter fühle, und ich die Welt, und alles, was sie zu bieten hat, noch stärker erleben möchte. Und ich bin froh, dass ich den Schritt Richtung Mammografie gemacht habe. Ein Reality-Check, der nun fast surreal anmutet, der mich gelehrt hat, dass Gesundheit ein Gut ist, für das wir täglich dankbar sein sollten.

Ein toughes erstes Mal.

With Healthy Wishes aus New York,
Ihre Simone

Liebe auf den ersten Blick

Kategorie: Gesellschaft, Mode & Lifestyle am Dienstag, 5. Januar 2010 von Simone Pipek1 Kommentar
Ein wunderschöner Lichtblick erstrahlt in neuem Glanz ...

So schön, dass ich mich gar nicht an ihm satt sehen kann ...

Manchmal passiert’s, ohne dass man daran denkt. Es packt einen, alles fühlt sich richtig an, und man kann den Blick nicht abwenden. Dem einen geht es so bei dem perfekten Paar Manolos im Ausverkauf, dem anderen bei der perfekten Jeans, in der das “Derriere” einfach super-sexy aussieht; mir passiert dies gern und (leider) häufig bei allem, was Inneneinrichtung betrifft. Ich schlendere mit Wonne über Trödelmärkte, durch Einrichtungshäuser, Antiquitätenläden und Accessoire-Geschäfte. Mein Atem verlangsamt sich, mein Blick wird glasig, meine Ohren rauschen. Wie auf Autopilot gestellt, schlendere ich durch die Reihen, fasse alles an, fühle das Material, atme die Geschichte des jeweiligen Objekts der Begierde ein und meine Fantasie macht sich selbständig.

Der perfekte Kristallleuchter

An welcher Wand war dieser Bilderrahmen mit dem Hochzeitsfoto aus den 60er Jahren aufgehängt, wer hat auf diesem Eames-Stuhl gesessen, welche Geschichten hat dieser Beistelltisch  gehört, wie kommt dieser Teekessel aus Russland nach New York? Und dann treffe ich ihn … Den perfekten Kristallleuchter. Allein, rot-dreckig-staubig, mit abgeknickten Drähten und reichlich vernachlässigt in der Ecke liegend. Keiner schaut ihn an, erkennt seine Schönheit – außer mir natürlich. Ich knie nieder, um ihn besser zu begutachten, er hat Federn (Farbe) lassen müssen in seinem Leben, aber seine Schönheit ist in meinen Augen unverkennbar. Als alter Hase im Trödelmarktgeschaft gebe ich natürlich nicht zu erkennen, dass wir (er und ich) bereits beschlossen haben, dass wir zusammengehören. Scheinbar ohne große Begeisterung frage ich, was dieses “alte Ding” wohl kosten solle. Und zu meiner großen (unterdrückten) Freude ist der Betrag geringer, als ich gedacht hatte. Ich handle gar nicht weiter, denn nun möchte ich nichts weiter, als dieses Schmuckstück nach Hause zu bringen.

Gesagt getan, folgt diesem schönen, sonnigen Nachmittag im Oktober auf meinem Lieblings-Trödelmarkt im Schatten einer griechisch-orthodoxen Kirche auf der 25th Street die Grundreinigung im Hause Simone. Alles auseinander nehmen, sorgfältig putzen (wobei noch mehr Farbe verloren geht, aber das passt zu meinem Shabby-Chic). Und mit Freude stelle ich fest, dass der Lüster aus Vollglas besteht und kein Stück Plastik dieses edle Stück veschandelt. Wer hätte das gedacht?

Meine neue Liebe erstrahlt in alter-neuer Schönheit

Etwas später rufe ich meinen Freund James an, den ich dazu auserkoren habe, die Installation zu übernehmen. Gut, an diesem Wochenende war erst einmal keine Zeit, und in der Woche bin ich selbst sehr beschäftigt, aber danach das Wochenende, oder?! So vergeht Woche um Woche, und der Lüster sitzt, zwar sauber, aber genauspo traurig, weiterhin auf meinem Wohnzimmerboden, wird ab und zu angestubst, beizeiten sogar getreten, aber nicht aufgehängt. Bis endlich letztes Wochenende das Wunder geschah: Nach zwei langen Monaten haben wir die nötigen Ersatzteile im Baumarkt gekauft, die Leiter herausgekramt und installiert, was das Zeug hielt. Nun hängt meine neue Liebe in alter-neuer Schönheit über meinem Esszimmertisch, und ich kann mich garnicht satt sehen. Das Warten hat sich gelohnt. Ich freue mich schon auf die Geschichten, die er dann seinem nächsten Besitzer erzählen wird.

Be- und erleuchtete Grüße aus New York sendet Ihnen,
Ihre Simone

Der Zahn der Zeit und eine Ode an die Eltern

Kategorie: Gesellschaft am Donnerstag, 19. November 2009 von Simone Pipek2 Kommentare
Schmerzverzerrt-lächelnd Ende September 2009

Schmerzverzerrt-lächelnd Ende September 2009

Zahnweh ist schrecklich. Und unangenehm. Und tut weh. Und nebelt das Gehirn ein. Und macht müde. Ich könnte stundenlang so fortfahren, aber ich will natürlich auch niemanden langweilen … Auauauauaaaaa! Aber eine schöne Seite gibt es doch: Jeder, dem ich von meinem Schmerz erzähle, ist extrem mitleidend, kann den Schmerz nachempfinden, und  war schon einmal “da”.

Und besonders frustrierend ist es, in einem Land zu leben, in dem der Zahnarzt nicht unbedingt zur Krankenversicherung dazugehört, will meinen, jegliche Arbeit an den Zähnen wird voll aus der eigenen Tasche bezahlt. Das hat mich bisher nie gestört, da ich noch nie in meinem Leben  Zahnschmerzen hatte. Bis vor zwei Monaten. Agonie!

Au Backe!

Au Backe, im wahrsten Sinne des Wortes. Schlimme Entzündung, und natürlich lasse ich meine Umwelt gern daran teilhaben. Alle, die sich nicht schnell genug verstecken, bekommen ‘was mit. Vier lange Wochen lang. Und besonders meine armen Eltern. Meine größten Fans, die liebsten,  selbstlosesten und mitleidensten Menschen, die ich je kennengelernt habe, müssen sich mein Gejammer anhören. Und ich fühle mich beizeiten doch schlecht, weil “das Kind” (also ich, die Tochter) so weit weg ist und sie mir nicht wirklich helfen können. Und alles, was sie tun können, ist mir ein Ohr (oder zwei) zu leihen, will heißen, sich anzuhören, was der Zahnarzt getan oder nicht getan hat, dass der Schmerz wandert, von oben nach unten, von rechts nach links, dass keiner wirklich weiß, was mit meiner “Mundflora” los ist etc pepe. Sicherlich nicht einfach.

Alles wird wieder gut.

Und doch sind es diese eher einseitigen Gespräche (ich jammere, sie hören zu), die mich gesunden lassen, die mir die Sicherheit geben, dass der Schmerz irgendwann wieder weggehen wird, die mir Kraft geben. Die Gewissheit meiner Eltern, die mit Lebensjahren und Lebensweisheit kommt, dass alles wieder gut wird, die Erlaubnis, auch einmal schwach (krank) sein zu dürfen, ohne das Gesicht zu verlieren – ein wunderschönes Gefühl. Sich fallenlassen zu können und sich dem dem Schmerz voll und ganz hinzugeben, sogar ein paar Tränen aus Selbstmitleid zu verdrücken – während dieser Gespräche darf ich das. Ich bin dann wieder ganz “Kind”, obwohl ich eigentlich immer großen Wert darauf lege, groß und stark zu sein.

Du sollst Vater und Mutter ehren.

Ich bin nicht sehr religiös, ganz zum Leidwesen meiner Mutter, aber meine Familie stand und steht immer an erster Stelle. Wir haben nicht die amerikanische Attitüde adoptiert, in der nach jedem Telefonat ein “I love you” in den Hörer gehaucht wird. Dies ist meiner Meinung nach eher oberflächlich und verliert an Stärke, je häufiger man diese Phrase verwendet. Es sind viel eher die Taten, die zählen, kleine und größere Gesten, die mir zeigen, dass ich geliebt und vermisst werde.

Dafür haben sie einen kleinen-herzgroßen Orden verdient.

Meine in Köln lebende, liebe Freundin Sonja hat mich kürzlich in New York besucht, und meine Eltern haben ihr einen Umschlag für mich mitgegegben … Meine Eltern schicken mir keine Päckchen zum Geburtstag oder Weihnachten (Hmpf!) – und vergessen manchmal sogar, mich anzurufen, aber in Krisensituationen sind sie für mich da. In dem dem Umschlag befand  sich ein großer Teil des Geldes, den ich für meine Zahnbehandlung benötige. Ich habe es nicht erwartet oder erfragt, es war für sie eine natürliche Reaktion, genauso wie auch ich nicht zögern würde, mein letztes Hemd zu geben, wenn sie jegliche monetäre oder emotionale Hilfe benotigen würden. Der Betrag ist gar nicht wichtig, der Gedanke zählt tausendmal mehr. Diesen kleinen Umschlag in meiner Hand zu halten, lässt mein Herz schneller schlagen, nicht wegen des zu erwartenden Geldregens, sondern wegen der Gedanken, die diesen Umschlag begleitet haben. Wie kann man sich dafür bedanken? Für bedingungslose Liebe und Hilfe? The beauty of it – man muss es nicht. Das ist mit dem kleinen Wörtchen “bedingungslos” abgetan. Und doch finde ich, sie haben einen kleinen-herzgroßen Orden verdient! Und ich kann es nicht erwarten, sie bald einmal wieder in meine Arme zu schließen – ob in New York oder in Köln.

Eine Ode an die Eltern.

Schmonzetten oder die Seichtigkeit des Seins

Kategorie: Gelesen, Gesellschaft, Kultur am Montag, 5. Oktober 2009 von Simone PipekKommentieren Sie diesen Eintrag als Erster
Kunterbunt und froh – der seichte Teil meiner  “Heim-Bibliothek”

Kunterbunt und froh – der seichte Teil meiner “Heim-Bibliothek”

Der Winter, oder zumindest der Herbst hält nun doch Einzug in New York, und jedes Mal erwischt er mich mit voller Wucht, ohne jegliche Vorbereitung oder Warnung. Ich habe das Gefühl, dass ich abends in der Hitze ins Bett gehe und morgens fröstelnd aufwache, weil ich das Fenster aufgelassen und mich nur mit meinem leichten Sommerdeckchen zugedeckt habe. Mein erster Impuls ist wie jedes Jahr die Faust gen Himmel zu erheben – wie einst Scarlett O’Hara – und Petrus für die unangenehme Kälte bitterlich zu beschimpfen, wenn ich dann mit nackten Füßen und Gänsehaut am ganzen Körper ins Badezimmer tapse. Nach diesem ersten Schock stellt sich aber ein anderes Gefühl ein, die Vorfreude auf die Jahreszeit voller Kerzenlicht, Roibush-Tee, meiner kuscheligen Sofadecke und natürlich meiner Schmonzetten. Die heißen so, weil Reich-Ranicki diese Bücher wahrscheinlich nie besprechen würde, außer, um sie des Literatur-Mordes zu bezichtigen. Und trotzdem, hier vor aller Leser Augen, gebe ich es zu, ich mag sie. Neben harter Arbeit, ständiger Konzentration und versuchtem, wenn auch leider erfolglosem Perfektionismus in meinem Leben erlaube ich mir ein Stück Banalität.

Von humorvollen Verstrickungen und an den Haaren herbeigezogenen Missverständnissen …

Das geht zum Beispiel so: Sie ist Anwältin, erfährt an einem einzigen Tag, dass a) ihr Mann sie betrügt (oh, wie kann er nur), und b) dass ihr Arbeitsvertrag nicht mehr verlängert wird, das heisst, dass sie mittellos und allein mit eingezogenem Kopf zurück in das elterliche Haus zurückkehren muss, das gespickt ist mit neurotischen (und deshalb lustigen) Charakteren. Sie beschließt, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen, allein nach Kuba zu reisen, und siehe da … Dort trifft sie einen alten Schulfreund wieder, für den sie damals in der achten Klasse sogar einmal geschwärmt hatte (ohne dass er je davon erfuhr), und wie sich an weinseligen Abenden in der kubanischen Dämmerung , umhüllt von der Musik, der Farbenpracht Havannas und der Wärme auf der leicht gebräunten Haut herausstellt, hat auch er, der Prinz, immer schon ein Auge auf sie geworfen. Wer hätte das gedacht? Natürlich wird all dies mit vielen humorvollen Verstrickungen und geradezu an den Haaren herbeigezogenen Missverständnissen erzählt, die sich dann aber, nach und nach, (Puh, zum Glück) in Wohlgefallen auflösen. Den Rest kann man sich denken – oder auch nicht.

Ende gut, alles gut.

Mich als Leserin freut es auf jeden Fall, dass die beiden sich “bekommen” haben. Ende gut, alles gut. Was will ich damit sagen? Dass es, egal wie unmenschlich oder unschön eine Lebenssituation erscheinen mag, doch ein kleiner Hoffnungsfunke besteht, und wenn dieser mir durch einen Schundroman vor Augen geführt wird, bin ich auch dafür dankbar. Dabei geht es nicht unbedingt um das jeweilige Thema des Romans, sondern mehr um die grundsätzliche Möglichkeit, dass Morgen die Sonne im Herzen wieder lacht, und man/frau sich froh und leicht fühlt.

Schundromane, vereinigt euch!

Nietzsche, Hegel und Kant mögen mir verzeihen. Sie können das bestimmt auch, das Mut-machen und neue Wege aufzeigen, jedoch fehlt mir bei diesen Herren das Humor-Gen, und ich greife zurück auf meine vorwiegend britischen Autorinnen. Schundromane, vereinigt euch! So, der Tee ist fertig und das Sofa wartet, und ich wünsche Ihnen viel Spass beim winterlichen Schmökern!

Anm. Der Autorin: Die in diesem Artikel erzählte Geschichte entsprang natürlich komplett meiner Fantasie. Wirklich!

Kölle ade. Welcome New York.

Kategorie: Gesellschaft, Reisen am Mittwoch, 16. September 2009 von Simone PipekKommentieren Sie diesen Eintrag als Erster
Ein Teil meiner Köln-Paraphernalia in meiner New Yorker Wohnung

Ein Teil meiner Köln-Paraphernalia in meiner New Yorker Wohnung

Gerade komme ich nach fast zwei Wochen aus Deutschland wieder, und fühle mich umhüllt und eingebettet in die Liebe und Vertrautheit meiner Familie und Freunde, die in Deutschland immer auf mich warten, die geduldsam meine Launen ertragen und mich MICH sein lassen, ohne zu kritisieren. Ich sehe den wunderschönen Kölner Dom und fühle mich zu Hause. Was ist zu Hause? Zu Hause ist da, wo du dich am wohlsten fühlst, du Sicherheit verspürst und niemandem Rechenschaft schuldig bist (bis zu einem bestimmten Grad) für  deine Taten und Gedanken. Froh –  traurig – schön – denn in unserem Zeitalter können wir selten alles haben. Froh, weil wir mit den Menschen Zeit verbringen können, die uns am Herzen liegen, und die wir, den Umständen entsprechend, nur selten in die Arme nehmen können, traurig, weil der Abschied immer wie das Damokles-Schwert über uns hängt. Und schön, weil wir wissen, dass es dort – wo auch immer “dort” ist –  Menschen gibt, die an uns denken und uns vermissen.

New York gibt mir Kraft und Mut.

Ich messe den Grad der Liebe nicht an der Zahl der Anrufe oder der E-Mails, sondern an dem Gefühl, das ich habe, wenn ich an meine Lieben denke. Gerade wiedergekommen zu sein aus der “Heimat”, dem Ort, an dem ich geboren und aufgewachsen bin, ist immer schwer, und ich hadere mit meiner Entscheidung, den Schritt getan, mir ein Leben im Ausland, in New York, aufgebaut zu haben. Und dann wiederum fängt mich “meine” Stadt auf: New York gibt mir Kraft und Mut.

Du bist deines Glückes Schmied.

Gestern war September 11, der Tag, an dem sich so viel auf einen Schlag veränderte, der Tag, der so viel Trauer und Traurigkeit gebracht, aber auch so viel Mut und Überlebenswillen gezeigt hat in den darauf folgenden Jahren. Und ein Lebensmotto stärker denn je drängt sich in mein Bewusstsein, und hier muss ich meine Freundin Alex zitieren: “Mund abwischen und weitermachen”. Eine Lebensweisheit, die ich gern in solchen Lebenssituationen verinnerliche. Trauern ist richtig und wichtig, solange man den Blick nach vorne nicht verliert. Es geht immer weiter, ob ohne dich oder mit dir, du hältst die Zügel in der Hand, und bist “deines Glückes Schmied”, will heißen, du entscheidest, ob du lebst oder leben lässt.

Ich entscheide mich für Leben, denn dies ist die weitaus spannendere und erfüllendere Variante.

Eine spannende Woche wünscht Ihnen,
Ihre Simone


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