Gelesen

Der alte König in seinem Exil

Kategorie: Gelesen, Kultur am Montag, 7. März 2011 von Christine ReichmannKommentieren Sie diesen Eintrag als Erster
"Das Glück, das mit der Nähe zum Tod eine besondere Dichte erhält."

"Das Glück, das mit der Nähe zum Tod eine besondere Dichte erhält."

Gerade habe ich das Buch “Der alte König in seinem Exil” von Arno Geiger zu Ende gelesen. Ein zauberhaftes Buch – auch wenn der ein oder andere jetzt  denken mag, dass ein Buch, das ein Sohn über die Beziehung zu seinem demenzkranken Vater schreibt, nicht zauberhaft sein kann. Es kann! Denn liebevoll erzählt Geiger von seinem Vater, dem die Erinnerungen langsam abhanden kommen, dessen Orientierung in der Gegenwart sich allmählich auflöst: “Da mein Vater nicht mehr über die Brücke in meine Welt gelangen kann, muss ich hinüber zu ihm.” Und so nutzt Arno Geiger die Krankheit seines Vaters als Chance, ihn noch einmal völlig neu kennenzuerlernen. Die beiden verbringen über die Jahre sehr viel Zeit miteinander. Der Sohn geht in Gedanken zurück in seine eigene und die Kindheit seines Vaters, spürt noch einmal nach. Mich hat es sehr berührt, wie Geiger mit seinem Vater umgeht. Wie er sich mehr und mehr auf seinen Vater und dessen “entrückte” Welt einlässt, bis er ein Teil von ihr ist. Das Buch ist nicht traurig, wie man vielleicht ob des Themas vermuten würde. Nein, ganz im Gegenteil – für mich ist es ein Buch, das hoffnungsvoll stimmt. Uns auf das, was auf uns zu kommt, offenherzig einzulassen und die Schönheit in jeder Begebenheit zu sehen. Mehr möchte ich an dieser Stelle über das Buch gar nicht sagen. Nur soviel: Lassen Sie sich ein, lesen Sie dieses Buch und Sie werden etwas Neues entdecken.

“Eine tiefgründige, charaktervolle und zeitlos gültige Auseinandersetzung mit dem, was jeden angeht: Alter und Krankheit, Heimat und Familie … die wertvollste Lektüre des Frühjahrs.” Felicitas Lovenberg in der F.A.Z.

“Ein Autor, der uns das Verstehen ins Herz schreibt.” BRIGITTE

“Lebenswichtige Literatur.” Peter Pisa im KURIER

“Ein starkes, ein erwachsenes, neugieriges, auf berührende Weise beglückendes Buch.” Elmar Krekeler in DIE WELT

World Food Café

Kategorie: Gelesen, Genuss, Gesundheit, Kultur, Reisen am Freitag, 28. Januar 2011 von Christine ReichmannKommentieren Sie diesen Eintrag als Erster
Köstliche vegetarische Gerichte aus aller Welt

Köstliche vegetarische Gerichte aus aller Welt

Nachdem ich selbst nur Gutes über das vegetarische Kochbuch “World Food Café” gelesen hatte, habe ich es mir gleich bestellt und war natürlich sehr gespannt. Als es bei mir eintraf, habe ich sofort darin geblättert und geschmökert. Das erste Gericht, das ich daraus gekocht habe, war unglaublich lecker: eine marokkanische Harira-Suppe. Neben fein aufeinander abgestimmten Gewürzen wie Ingwer, Kurkuma und Koriander besteht diese köstliche Suppe aus Kartoffeln, Karotten, Selleriestangen, grünen Linsen, Tomaten und Kichererbsen. Nachdem das erste Gericht ein absoluter Volltreffer war, habe ich ein paar Tage später gleich das nächste gekocht: ein feines Tabbouleh nebst Fallafel und selbst gemachtem Hummus. Ein Traum! Wer auf der Suche nach neuen vegetarischen Geschmackserlebnissen ist, wird in diesem Kochbuch von Carolyn & Chris Caldicott sicher fündig. Die beiden sind viele Jahre um die Welt gereist, um Bilder, Geschichten und Rezepte zu sammeln. Und so finden sich in ihrem Buch neben Bildern und kleinen Geschichten, exotische Gerichte aus Afrika, dem Nahen Osten, Indien, Asien, Mittel- und Südamerika. Die Zutaten sind leicht erhältlich und die Gerichte einfach nachzukochen. Damit beweisen die beiden, dass vegetarische Kost nicht nur lecker und abwechslungsreich, sondern wirklich aufregend sein kann. Guten Appetit!

Den Fischen zuliebe

Kategorie: Gelesen, Genuss, Gesellschaft, Gesundheit, Kultur, Mensch & Tier am Sonntag, 31. Oktober 2010 von Christine Reichmann1 Kommentar
Geschichten übers Essen sind Geschichten über uns – über unsere Geschichte und unsere Werte.

Geschichten übers Essen sind Geschichten über uns – über unsere Geschichte und unsere Werte.

Bei mir kommen seit Anfang des Jahres weder Fleisch noch Fisch auf den Tisch. Aber alle, die auf Fisch nicht verzichten wollen, sollten meiner Meinung nach darauf achten, welchen Fisch sie essen, um Rücksicht auf das ökologische Gleichgewicht zu nehmen. Und das bedeutet, keine Fische zu essen, die durch Überfischung fast ausgestorben sind.

In einem Vergleich von handelsüblichen Fischarten haben 29 Sorten als bedenklich abgeschnitten. Das teilte die Umweltorganisation WWF mit. Zu den Sorten, die “empfehlenswert” sind, gehören laut WWF Hering, Seelachs aus dem Nordatlantik, Dorsch aus der Ostsee sowie Lachs und Forelle aus Bio-Zucht.

Rotbarsch, Dorade aus dem Mittelmeer, Pangasius und tropische Garnelen gehören nicht auf den Teller.

Denn vier Fünftel aller wirtschaftlich genutzten Fischbestände weltweit gelten zur Zeit als überfischt oder bis an die ökologisch vertretbare Grenze befischt.

Und wer mag und sich kundig machen will, verzichtet lieber ganz auf Fisch und sucht sich leckere pflanzliche Alternativen, mit denen man ebenfalls sehr gut und tatsächlich unbedenklich alle lebensnotwendigen Nährstoffe zu sich nehmen kann. Eine hilfreiche Lektüre zu diesem Thema ist der Titel “Vegetarische Ernährung” von Claus Leitzmann und Markus Keller.

Allen, denen unsere Tiere und unsere Umwelt am Herzen liegen, möchte ich an dieser Stelle auch noch einmal das phantastische und erhellende Buch “Tiere essen” von Jonathan Safran Foer, empfehlen. Eine Rezension zu diesem Titel finden Sie hier auf der Frohen Botschafterin.

(Inspiriert von Kölner Stadt-Anzeiger Nr. 254)

Einfach zauberhaft!

Kategorie: Gelesen, Kultur am Mittwoch, 20. Oktober 2010 von Christine ReichmannKommentieren Sie diesen Eintrag als Erster
Das perfekte Buch für den Herbst!

Das perfekte Buch für den Herbst

“Daß jemand mit siebzig anfängt, ein Tagebuch zu führen, mag ungewöhnlich sein, aber ich fange heute damit an. Der Sommer neigt sich seinem Ende zu, ähnlich wie mein Leben.”*

Erika Pluhar erzählt in ihrem Roman “Spätes Tagebuch” die berührende Geschichte von Paulina Neblo, die im Alter von 70 Jahren beschließt, zur Chronistin ihrer Gegenwart zu werden, Alltäglichkeiten zu notieren und sich der vermeintlichen Zukunftslosigkeit des Alters zu stellen.

Paulina blickt auf ein bewegtes Leben zurück: Als Choreografin gründete sie eine erfolgreiche Tanz-Company, hatte zahlreiche Affären, eine Tochter, die sie über alles liebte, und endlich, als bereits reife Frau, eine erfüllte Ehe. Doch nach einer Reihe von Schicksalsschlägen und Verlusten zieht Paulina sich aus dem aktiven Leben zurück. Aber ihr Umfeld lässt diese selbstgewählte Einsamkeit nicht zu. Zunächst ist es nur Paulinas liebenswerte portugiesische Haushaltshilfe Hortensia, die sich nicht nur um das Haus kümmert, sondern stets auch ein fürsorgliches Auge auf Paulina hat. Hinzu kommt später der deutlich jüngere Zahnarzt Vincent Keel, der es schafft, – obwohl sich Paulina mit Herz, Händen und Füßen dagegen wehrt – in Paulinas Leben einzutreten. Ihm gelingt es auch, Paulina ins Leben zurückzuholen.

Erika Pluhar schreibt auf ebenso sensible wie schonungslose Weise über das Alter, Sehnsüchte und Ängste. Poetisch, lebensnah und intensiv. Ihre zarte, subtile Sprache, die von ihr gewählten Bilder haben mich tief berührt. Sie haben mich in Paulinas Herz blicken und vieles verstehen lassen. Ein “kleines” Buch mit großer Wirkung. Mein Tipp: Sich mit dem “Späten Tagebuch” in die Herbstsonne setzen und lesen, lesen, lesen …

*Erika Pluhar: “Spätes Tagebuch”, Residenz Verlag, Salzburg 2010

Wie wollen wir sterben?

Kategorie: Gelesen, Gesellschaft, Kultur am Mittwoch, 6. Oktober 2010 von Christine ReichmannKommentieren Sie diesen Eintrag als Erster
Ein ärztliches Plädoyer für eine neue Sterbekultur

Ein ärztliches Plädoyer für eine neue Sterbekultur

Der medizinische Fortschritt hilft zahllosen Patienten, verschafft Heilung oder Linderung, rettet und verlängert Leben. Zugleich hat unsere heutige Hochleistungsmedizin aber auch ihre Schattenseiten. Michael de Ridder – seit über drei Jahrzehnten in Hamburg und Berlin als Internist, Rettungs- und Intensivmediziner tätig – plädiert dafür, Sterben als Teil des Lebens anzuerkennen. Damit richtet er sich nicht zuletzt an seine eigene Zunft. Denn Vielfach verstehen sich Ärzte in einer medizinisch-technischen Krankenhauswelt, in der alles möglich erscheint, ausschließlich als Heilende. Und wenn es nichts mehr zu heilen gibt? Statt Todkranke um jeden Preis am Leben zu erhalten, sollten Mediziner seiner Ansicht nach lernen, in aussichtslosen Situationen ein friedliches Sterben zu ermöglichen. Gerade hier, so de Ridder, sind Ärzte einer humanen und zivilen Gesellschaft gefragt, als Begleiter und als Fürsorger. Denn die Würde des Menschen, sein Recht auf Selbstbestimmung muss auch und gerade bei unheilbar kranken und alten Menschen respektiert und gewahrt bleiben. Viel zu oft allerdings setzen sich Ärzte über den Willen ihrer Patienten hinweg, tun alles, was medizinisch und technisch möglich ist, und tragen so eher zur qualvollen Sterbeverzögerung als zur sinnvollen Lebensverlängerung bei.

In der Palliativmedizin schlummert das Potenzial, in unserer Medizin einen Kulturwandel zu bewirken.

“Jeder Kranke – und besonders der, dessen Leben zu Ende geht – ist, wie auch jeder Gesunde, ein Kosmos aus Gedanken, Gefühlen, Wünschen, Verzweiflung, Ängsten und Schmerzen. Diesem Kosmos öffnet sich die Palliativmedizin und versucht, ihn mit dem Sterbenden so zu gestalten, dass er sein Leben friedlich … lassen kann. … In der Palliativmedizin schlummert das Pozential, in unserer Medizin einen Kulturwandel zu bewirken …: Weg von einer Medizin, in deren Mittelpunkt die Krankheit und nicht der von ihr erfasste Mensch steht! … Weg von einer Ärzteschaft, die dem irrigen Gedanken aufsitzt, dass ein sterbender Patient gleichzusetzen sei mit einer Niederlage ärztlichen Könnens! … Stattdessen hin zu einer Medizin …, in deren Mittelpunkt der kranke Mensch und nicht das kranke Organ steht! Hin zu einer Medizin, die zwischen sinnvoller Lebensverlängerung und qualvoller Sterbeverzögerung zu unterscheiden vermag! … Hin zu Ärzten, die berührbar sind!”*

Nehmen wir die Verantwortung an.

Nachdem ich das Buch “Wie wollen wir sterben?” von Michael de Ridder gelesen habe, wird mir ein weiteres Mal klar, wieviel Glück meine Mutter damals hatte, als sie im Krankenhaus im Sterben lag. Hier haben sowohl Ärzte als auch Pflegepersonal  stets den Dialog mit meiner Mutter, meiner Schwester und mir gesucht. Und als meine Mutter nicht mehr ansprechbar war, haben sich alle bisher behandelnden Ärzte zusammengesetzt, um gemeinsam zu entscheiden, was das Beste für meine Mutter ist. Sie haben sie dann von den Maschinen abgenommen und ihr die Schmerzen genommen, so dass sie entspannt und friedlich im Beisein von meiner Schwester und mir einschlafen konnte. Ich werde den Satz des diensthabenden Stationsarztes nie vergessen: “Ich habe die Entscheidung für Ihre Mutter so getroffen, wie ich es für meine eigene Mutter getan hätte.”

Damit jeder die Chance auf ein friedvolles Sterben hat, ist es wichtig, sich mit dem Thema Sterben auseinanderzusetzen. Dieses Buch ist dazu hervorragend geeignet, da es viele wichtige Fragen beantwortet. Man bekommt einen tiefen Einblick in den heutigen Klinikalltag und die heutige Sterbekultur. Es wird klar, wie wichtig es für jeden von uns ist, für sich selbst zu sorgen bzw. vorzusorgen. Denn für jeden von uns wird es früher oder später heißen, Abschied von dieser Welt zu nehmen. Jeder Einzelne hat sein Schicksal ein Stück weit selbst in seinen Händen. Nehmen wir diese Verantwortung an. Das ist mein Fazit, nach der Lektüre dieses Buches.

Don’t try to live for ever
You will not succeed.
G. B. Shaw

*Michael de Ridder: “Wie wollen wir sterben?”, Deutsche Verlags-Anstalt, München 2010, S. 220 f


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