Gesehen

Das Labyrinth der Wörter

Kategorie: Gesehen, Kultur am Montag, 10. Januar 2011 von Christine ReichmannKommentieren Sie diesen Eintrag als Erster

Seit heute habe ich einen neuen Lieblingsfilm: “Das Labyrinth der Wörter”. Eine zauberhafte Romanverfilmung mit Gérard Depardieu (als Germain) und Gisèle Casadesus (als Margueritte) in den Hauptrollen.

Germain ist ein Bär von Mann und nicht der Schlauste. Als er im Park eine reizende alte Dame kennenlernt, wird sein Leben auf den Kopf gestellt. Denn die feinsinnige Margueritte beschließt, den ungebildeten Hünen für die Welt der Bücher zu gewinnen.

Germain stand bisher nicht auf der Sonnenseite des Lebens. Von der alleinerziehenden Mutter vernachlässigt, in der Schule gescheitert, haust er nun in einem Wohnwagen, züchtet Gemüse und bestreitet mit Gelegenheitsjobs seinen Lebensunterhalt. Neben dem Schnitzen von Holzfiguren gilt sein Interesse vor allem den Tauben im Park. Eines Tages trifft er dort eine zierliche alte Dame. Das scheinbar ungleiche Paar freundet sich an. Als sie anfängt, ihm Romane vorzulesen, öffnet sich für Germain eine völlig neue Welt.

Es ist ein Film der leisen Töne, der gerade dadurch seine fulminante Wirkungskraft erhält. Ich habe den Roman zwar noch nicht gelesen (was ich jetzt aber schleunigst nachholen werde), aber ich bin begeistert, wie der Regisseur Jean Becker die Welt der Worte und der Wörter mit  soviel Fingerspitzengefühl in einem Film umzusetzen weiß. Der Film ist traurig, lustig, nachdenklich und sprüht zugleich voller Lebensfreude. Für mich ein wahres, sehenswertes Kleinod, das ich mir bestimmt noch viele weitere Male anschauen werde.

Das Konzert

Kategorie: Gesehen, Kultur am Sonntag, 26. September 2010 von Christine ReichmannKommentieren Sie diesen Eintrag als Erster

Den Film wollte ich mir schon seit Wochen anschauen und bin leider nicht dazu gekommen. Und gestern habe ich ihn tatsächlich noch im Programm eines winzigen Kölner Kinos gefunden. Also schnell eine halbe Stunde vor Filmbeginn ins Auto gesprungen, losgebraust und den vorletzten Platz im Mini-Kino ergattert.

Es hat sich so gelohnt. Ein gigantisch guter Film, den ich nur jedem empfehlen kann. Entweder noch in einem Mini-Kino oder demnächst – hoffentlich ganz bald – auf DVD.

Die Story: Andreï Filipov war einst gefeierter  Dirigent des legendären Bolschoi-Orchesters. 30 Jahre später – er ist jetzt 50 Jahre alt – arbeitet er immer noch am selben Haus, aber mittlerweile als Putzmann. Denn seine Weigerung während des kommunistischen Regimes in der Sowjetunion jüdische Mitmusiker seines Ensembles zu entlassen, hatte ihn den Posten gekostet – wie auch seinen besten Freund, den Cellisten Sacha Grossman, der sich nun als Krankenwagenfahrer verdingt.

Andreï greift die Gelegenheit beim Schopf.

Wie es der Zufall will, fällt Andreï eines Tages – während er das Büro des Direktors reinigt – ein Fax des Pariser Théâtre du Châtalet in die Hände. Der dortige Direktor sucht händeringend Ersatz für die indisponierten Philharmoniker aus Los Angeles. Kurz entschlossen steckt Andreï das Fax ein und löscht die dazugehörige Mail. Es ist seine Chance: Er will das Orchester in seiner alten Besetzung wieder aufleben lassen, um anstelle des jetzigen in der französischen Metropole aufzutreten. Er schafft es, seine in alle Winde zerstreuten Ex-Kollegen aufzutreiben. Sie arbeiten inzwischen als Möbelpacker, Taxifahrer, Straßenmusiker, Handyverkäufer und Flohmarkthändler.

Währenddessen bereitet man sich an der Seine darauf vor, das legendäre Orchester zu empfangen. Dazu gehört, die französische Star-Violinistin Anne-Marie Jacquet als Solistin zu verpflichten. Denn Andreï hat ihre Teilnahme zur Bedingung für den Auftritt seine Orchesters gemacht. Derweil startet  die wilde Truppe von Moskau in den Westen. Ein turbulentes Unterfangen, welches an Irrungen und Wirrungen kaum zu überbieten ist. In Paris angekommen, offenbart sich nach und nach ein besonderes Geheimnis, das sich um die junge Violinistin dreht. Die Offenbarung dieses Geheimnisses und die Frage, ob und wie das chaotische Orchester in Paris überhaupt auftritt, ist spannend, urkomisch und traurig zugleich. Der absolute Höhepunkt des Films ist natürlich der Auftritt des Orchesters mitsamt seiner hübschen Solistin.

Berührend und wunderschön, dass der Film sich Zeit lässt und wir als Zuschauer und Zuhörer minutenlang dem Violinkonzert Opus 35 von Tschaikowski lauschen können, während im Hintergrund eine Bildcollage die Puzzlestücke der Geschichte zusammenfügt und in einem fulminanten, gefühlvollen Finale enden lässt. Am Schluss des Films bin ich zu Tränen gerührt und habe einen richtig dicken Klos im Hals. Ein unglaublicher, wundervoller Film, den ich mir bestimmt noch viele Male anschauen werde.

Die Elefantenführer von Bangkok

Kategorie: Gesehen, Kultur, Mensch & Tier, Reisen am Mittwoch, 1. September 2010 von Christine ReichmannKommentieren Sie diesen Eintrag als Erster

Gestern habe ich im WDR Fernsehen eine tolle Reportage gesehen: “Thailands schweres Erbe: Die Elefantenführer von Bangkok”. Noch vor 15 Jahren arbeiteten mehr als 4.000 Elefanten und ihre Führer – die sogenannten Mahouts – in den Wäldern Thailands. Doch seitdem die thailändische Regierung den Kahlschlag der Wälder gestoppt hat, sind Elefanten und ihre Mahouts arbeitslos. So wie der 36jährige Elefantenführer Vicha Vilaithonqcam und seine Elefantendame Dern Pen. Beide zog es – wie viele andere von ihnen – in die großen Städte wie Bangkok. Hier verdingen sie sich als Touristenattraktion und verkaufen Bananen als Elefantenfutter oder bieten Ritte auf den Elefanten an.

Doch in Bangkok sind die Dickhäuter ein großes Sicherheitsrisiko im Straßenverkehr. Zudem monieren Tierschützer, dass Abgase und der zum Teil glühend heiße Asphalt die Gesundheit der Elefanten stark beeinträchtigen. Ein neues Gesetz verbannt nun diese Mahouts und ihre Arbeitselefanten aus Bangkok. Wer trotzdem bleibt und erwischt wird, hat hohe Geldstrafen zu zahlen. Darüber hinaus droht die Zwangsdeportation der Dickhäuter in ein staatliches Elefantenlager im hohen Norden des Landes.

Das “Mahout and Elephant Project”

Mahout Vicha und sein Kollege Mon haben andere Pläne. Sie haben von dem “Mahout and Elephant Project” – einem privaten Elefantencamp in Pattaya gehört. Hier können zahlende Volontäre den Elefantenführerschein machen. Ein nachahmenswertes Projekt, das den Mahouts und ihren Elefanten eine gute Alternative zum Straßenleben bietet.

Ein Kamerateam des WDR begleitet die beiden Mahouts Vicha und Mon mit ihrer Elefantendame Dern Pen auf ihrem abenteuerlichen Weg von Bangkok in die Touristenmetropole Pattaya, in der die letzten Elefantenführer von Bangkok eine neue Heimat finden …

Der Beitrag ist absolut sehenswert und wird am Montag, 06. September 2010 zwischen 14.30 und 15.00 Uhr im WDR Fernsehen wiederholt.

Die Eleganz der Madame Michel

Kategorie: Gesehen, Kultur am Sonntag, 9. Mai 2010 von Christine ReichmannKommentieren Sie diesen Eintrag als Erster

Ein Film, der uns hinter die Fassade blicken lässt:

Madame Michel ist Concierge in einem eleganten Pariser Wohnhaus. Und auf den ersten Blick scheint sie alle für eine Concierge typischen Wesensmerkmale in sich zu vereinen: Sie ist mürrisch, ungepflegt und unscheinbar. Sie hat sich zurückgezogen in ihre eigene Welt, die sie nur mit ihrem Kater teilt. Eine Tür in ihrer kleinen Wohnung ist nicht nur die Tür in ihre Welt der Bücher, sondern sie ist auch die Tür zu Madame Michels wahrem Wesen, das zunächst jedoch unentdeckt bleiben will. Sie liest in jeder freien Minute anspruchsvolle Literatur und entflieht auf diese Weise vor sich selbst, den Menschen, der Welt.

“Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich; jede unglückliche Familie jedoch ist auf ihre besondere Weise unglücklich.”*

Im selben Haus wohnt die hochbegabte 11jährige Paloma. Auch sie lebt in ihrer eigenen Welt. Sie hat mit ihren elf Jahren längst durchschaut, wie ärmlich ein Leben im Luxus sein kann. Sie sucht sich immer wieder neue Verstecke und selbst wenn sie sich nicht versteckt, wird sie von ihren Eltern und ihrer älteren Schwester nicht gesehen. Palomas beste Freundin ist ihre Videokamera. Ihr Medium, mit dem sie die äußere Welt beobachtet, kommentiert, entlarvt. Für sie ist jetzt schon klar, dass sie nicht das Leben ihrer Eltern führen möchte und beschließt, sich am Tag ihres 12ten Geburtstages das Leben zu nehmen, sollte sie nicht etwas entdecken, was das Leben lebenswert macht.

Paloma lüftet das wohl gehütete Geheimnis.

Paloma fühlt sich von dem Mysterium der Madame Michele angezogen. Mit ihrer Kamera lüftet sie das wohl gehütete Geheimnis der Concierge und es gelingt Paloma, die Tür zu Madame Micheles Herz wenigstens um einen Spalt breit zu öffnen. Hier in der “kleinen” Welt der Concierge fühlt sich Paloma das erste Mal geborgen.

Ozu weckt Madame Michele aus ihrem Winterschlaf.

Sowohl das Schicksal von Madame Michel als auch das von Paloma wandelt sich mit dem Einzug des geheimnisvollen Japaners Kakuro Ozu. Und schon bald bahnt sich zwischen ihm und der Concierge eine zarte Liebesgeschichte an. Denn auch Monsieur Ozu ahnt, dass sich hinter Madame Michels mürrischer Fassade ein liebenswertes Geheimnis verbirgt und lockt, so sanft wie beharrlich, die barsche Concierge aus ihrem Winterschlaf.

Ein Zitat aus dem großen Buch des Lebens …

Den Protagonisten scheinen die Rollen auf den Leib geschrieben. Mit unglaublichem Fingerspitzengefühl erzählt die Kamera die Geschichte um Madame Michel. Liebevolle Details wie zum Leben erweckte Tuschezeichnungen machen diesen Film zu einem besonderen Kleinod. Er ist in seiner Gesamtheit ein tragisches und zugleich bezauberndes Zitat aus dem großen Buch des Lebens. Mein Tipp: Unbedingt anschauen!

*aus “Anna Karenina” von Leo Tolstoi

The Blind Side – oder: Alles ist möglich!

Kategorie: Gesehen, Gesellschaft, Kultur am Dienstag, 6. April 2010 von Christine ReichmannKommentieren Sie diesen Eintrag als Erster

Am vergangenen Wochenende habe ich einen wundervollen Film im Kino gesehen, der mich sehr inspiriert hat: “The Blind Side” mit Sandra Bullock in der Hauptrolle. Worum es geht? Michael Oher (Quinton Aaron) weiß wenig über Familie. Und noch weniger über Football. Aber was der obdachlose, schwarze Jugendliche von fulminanter Statur kennt, ist das Leben auf den Straßen von Memphis. Auf der anderen Seite weiß Leigh Anne Tuohy (Sandra bullock) wenig über diese, seine Welt. Sie trifft auf Michael in einer kühlen Herbstnacht, während er nur mit einem dünnen T-Shirt bekleidet, fröstelnd durch die Straßen zieht. Sie bietet ihm an, die Nacht bei ihr und ihrer Familie im Haus zu verbringen. Der Anfang einer liebevollen Familiengeschichte. Denn Michael bleibt bei den Tuohys und findet hier die Familie und das Zuhause, das er nie gehabt hat. Aber auch die Tuohys finden etwas, das ihr Leben verändert: einen geliebten Sohn und Bruder. Diese wahre Geschichte über eine Familie und über Michaels Entwicklung zu einem gefeierten Football-Star brilliert durch ihre Darsteller – und vor allen Dingen Sandra Bullock, die für diese Leistung sogar einen Oscar als beste Darstellerin erhalten hat –, ihre Herzenswärme und ihre sensationellen Dialoge. Eine unglaubliche Mischung aus umwerfender Schlagfertigkeit und genialem Wortwitz. Was der Film mir persönlich auf eindrucksvolle Art und Weise gezeigt hat: Wenn du jemanden an deiner Seite hast, der dich liebt, der dir bedingungslos vertraut, an dich glaubt und dich unterstützt, dann macht er dich damit so stark, dass du alles erreichen kannst.


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