Reisen

Manchester: Trinkwasser umsonst

Kategorie: Genuss, Gute Nachrichten, Reisen am Mittwoch, 21. Juli 2010 von Christine ReichmannKommentieren Sie diesen Eintrag als Erster

Ob in Manchester, New York oder in San Fransisco: Wer eine Flasche mitbringt, bekommt in bestimmten Restaurants und Cafés Leitungswasser gratis. Und wo’s das Gratiswasser gibt, lässt sich online auf Stadtplänen ganz einfach mit einem Klick herausfinden. Eine absolut nachahmenswerte Idee finde ich. Denn sie spart nicht nur Geld, sondern auch Unmengen von Plastikflaschen.

www.givemetap.co.uk
www.tapitwater.com

Wie eine Wolke unser Leben verändert

Kategorie: Gesellschaft, Gute Nachrichten, Reisen am Montag, 19. April 2010 von Christine ReichmannKommentieren Sie diesen Eintrag als Erster
Ein herrlich entspannter Nachmittag im Garten

Urlaub im eigenen Garten

Es ist kurz nach fünf als wir am Flughafen ankommen, um in den Urlaub zu fliegen. Aber statt einer Schlange an den Check-in-Schaltern, stehen Menschenmassen mit ihren Koffern an den Info-Countern der einzelnen Fluggesellschaften. Denn eine Vulkanstaubwolke aus Island hat sich über Europa eingenistet und legt den gesamten Flugverkehr lahm.

Statt uns in eine der Schlangen einzureihen und unseren annullierten Flug umzubuchen, packen mein Mann und ich unsere Koffer einfach wieder ins Auto, fahren nach Hause und legen uns erst einmal hin, um uns auszuschlafen. Dabei wundere ich mich über meine Ruhe und Gelassenheit. So kenne ich mich sonst gar nicht und entdecke eine ganz neue Seite an mir, die mir sehr gefällt.

Alle sind freundlich und hilfsbereit.

Später rufe bei der Fluggesellschaft an, um unsere Flüge umzubuchen und erwarte, so lange in der Warteschleife zu stecken, bis ich die Wartemelodie rückwärts mitsingen kann. Aber … es tutet ein paar mal und schon meldet sich die freundliche Stimme der Hotline-Dame. Sie bucht unsere Flüge sofort um. Der erste Schritt ist getan. Auch das Umbuchen des Mietwagens ist kein Problem. Und die Besitzer des Hauses, das wir am Urlaubsort gemietet haben sind auch sehr hilfsbereit. Glücklicherweise ist das Haus im Anschluss noch ein paar Tage frei, bis neue Gäste kommen. Und unsere Vormieter sind glücklich, dass Sie im Haus bleiben können, denn sie kommen ja nun auch erst einmal nicht nach Hause.

Via Radar verfolgen wir gespannt jede Bewegung der Wolke.

Über den Tag und Abends verfolgen wir mit Spannung jede Bewegung der Wolke. Und schnell werden wir zu Profis. Denn auf einer Internetseite können wir über einen Radar die Wolke perfekt beobachten. Und nicht nur das. Wir können sogar sämtliche Flugzeuge in Echtzeit verfolgen, die sich am Wolkenrand tummeln.

Auch unser nächster Flug wird annuliert und wir buchen ein weiteres Mal um. Kaum umgebucht, klingelt das Telefon und unsere Freundin – die in der Nähe unseres Urlaubsortes wohnt – ruft an, um zu fragen, wann wir denn nun endlich kämen. Ich sage ihr, dass wir das aufgrund der Flugwetterlage nicht genau wissen. Aber dass es wohl noch ein paar Tage dauern wird. „Gut“, sagt sie, „seit gestern ist es hier sowieso kühl und bewölkt. Aber in den nächsten Tagen soll es wieder schön werden.“ Perfektes Timing also.

Alles kein Problem!

Mit der Dame der Mietwagenstation an unserem Zielflughafen ist mein Mann auch mittlerweile per „du“. Sie heißt Susanne und hat meinem Mann gesagt, er solle sich keine Gedanken machen. „Alles kein Problem”, sagt sie. “Egal, wann Sie kommen, wir halten Ihren Mietwagen für Sie bereit. Und wenn irgendetwas ist, rufen Sie mich einfach an.“

In den „Brennpunkten“ im Fernsehen wird mittlerweile auch nicht mehr nur über die negativen Seiten „der Wolke“ gesprochen. Und so sehen wir einen freundlich lächelnden Rentner aus Frankfurt, der mit einem Gläschen Äppelwoi bei strahlendem Sonnenschein in seinem Garten sitzt und sichtlich die ungewohnt himmlische Ruhe genießt. „Ich wohne in der Einflugschneise des Frankfurter Flughafens. Und jetzt hören Sie mal … Man hört einfach gar nichts. Ich freue mich auf herrlich ruhige Nachmittage in meinem Garten.“

Das Leben einfach fließen lassen.

Und die Dame, bei der ich heute unsere Flüge umgebucht habe sagt, nachdem ich ihr meine Bewunderung für ihre entspannte Freundlichkeit ausspreche: „Wissen Sie. Ich mag diese Situation. Sie zeigt mir, wie klein wir doch eigentlich sind. Das wir nicht alles beeinflussen können. Und das ist auch gut so.“

Genau, denke ich, genau das ist es. In unserem durchorganisierten Leben lassen wir kaum noch Platz für das Leben selbst. Wir sind oft so unbewusst, das wir Vieles um uns herum nicht mehr wahrnehmen. Ich freue mich jedenfalls, dass alles ist, so wie es ist und genieße es, neben meiner Schwester im sonnigen Garten zu liegen und zu faulenzen. Und sie sagt gerade zu mir: „Wie schön, dass du da bist!“

Osterhase verzweifelt gesucht!

Kategorie: Gesellschaft, Mensch & Tier, Reisen am Freitag, 2. April 2010 von Christina Maria GraweKommentieren Sie diesen Eintrag als Erster
So eine Art asiatischer Osterhase

So eine Art asiatischer Osterhase

In zwei Tagen ist Ostern. Hallo – Ostern! Easter?! Schon mal gehört? „Nein!“, werden wahrscheinlich die meisten befragten Thailänder verblüfft antworten. Vielleicht kennen sie den Namen des Festes, aber bei den folgenden Begriffen werden sie dann mit ziemlicher Sicherheit den Kopf schütteln: Osterei, Osterhase, Osterfeuer, Osterlamm, Osterkerze – christliches Brauchtum, das in Thailand gänzlich unbekannt zu sein scheint. Ostern ist das höchste Fest der Christen und davon gibt es doch immerhin über 2 Milliarden weltweit.

Thailänder lieben eigentlich alle Feste.

Die Thailänder lieben ja eigentlich alle Feste und sie lieben vor allem die dazugehörige kitschige Dekoration: An Weihnachten zum Beispiel explodiert Bangkok beinahe vor glitzernden Lichterketten, „Hohoho“-brummenden Weihnachtsmännern und mit bunten Kugeln schwer beladenen Christbäumen. Dazu „Jingle Bells“ und „Rudolph, the rednoised rendeer“ in der 24 Stunden Dauerberieselung! Und das alles, obwohl nur 4 Prozent der Bevölkerung Thailands ja überhaupt christlich sind. D. h. das alles, obwohl 96 % aller Thailänder Weihnachten als eigentliches Fest gar nicht feiern!!

Absurd, aber angenehm für den westeuropäischen Auswanderer. Adventskalender, Stollen oder Mistelzweige – ich habe nichts vermisst. Dass die Christbäume aus Plastik sind und die heißen Temperaturen Glühweinabende unmöglich machen – nun gut, schließlich sind wir ja in Asien, dann schaltet man eben die Klimaanlage an.

Nur Echsen im Garten, kein Osterhase weit und breit!

Nur Echsen im Garten, kein Osterhase weit und breit!

Es musste doch Osterhasen in Bangkok geben!

Jetzt aber Ostern. Ich denke mit Schrecken an das erste Ostern in Thailand: Damals schaute ich mich schon Wochen zuvor intensiv um nach vertrauter Hasendeko und buntem Eierwahn in den Geschäften. Vergeblich! In den Zeitungen inserierten einige große internationale Hotels mit österlichen Lammbuffets, aber man musste schon wirklich danach suchen. Kein einziger Osterhase weit und breit, einige Supermärkte hatten in diesen Wochen den italienischen Osterkuchen Panettone im Angebot – sonstige Osterdekoration: Fehlanzeige!

Ich träumte von bunten Eiern und Schokoladen.

Ich konnte und wollte es einfach nicht glauben: Es musste doch Osterhasen geben in Bangkok! In der Nacht zum Ostersonntag träumte ich von kuscheligen großen Osterhasen mit großen Körben voller bunter Eier und Schokoladen. Von Blätterkrokantfüllungen, lila Nougateiern, Gelee-Eiern, rasselnden Smarties-Osterhasen, dem extragroßen Oster-Kinderüberraschungsei, von After-Eight-Hasen, Marzipan in Zartbitter-Eiern und von den Aldi-Waffeleiern (das beste an Ostern in Deutschland überhaupt!). Ich träumte von weiß-gelben klebrigen Zuckereierhälfen, von zartschmelzenden Vollmilchschoko-Küken und von den berühmten goldumhüllten Hasen aus massiver Lindtschokolade mit Glöckchen … schmatzend wachte ich auf. Noch halb im Traum inspizierte ich verstohlen das ganze Haus und den Garten. Was ich fand, war ein toter Gecko im Briefkasten, meine schläfrige Katze im Schatten des Bougainvillea-Busches und 2 blöde Frösche. Keine Spur von langen Ohren oder Eiern!

Die einzigen gefärbten Eier in Thailand sind die ekligen fermentierten 100jährigen Eier.

Die einzigen gefärbten Eier in Thailand sind die ekligen fermentierten 100jährigen Eier.

In Thailand legen Hühner die Eier, nicht die Hasen!

In einem Anfall von Heimweh versuchte ich unserer thailändischen Putzfrau den Zauber eines deutschen Osterfestes zu vermitteln. „You know, Ostern, Easter, same same Christmas, but different!“ Thailändische Worte gibt es ja für keins der Feste, und sie schaute mich verständnislos an. Schokolade in der Sonne draußen? Nein, in Deutschland ist es doch kalt! Und Eier?? Die legen in Thailand die Hühner, nicht die Hasen! Ja, ich weiß, aber dennoch, nur an Ostern eben bringt der Hase die Eier! Mit einem mitleidigen Lächeln und einem anteilnehmenden „Chok dii kha!“ (Alles Gute!) flüchtete sie wieder an die Arbeit! Mein Mann war beruflich unterwegs, die Rettung schien in Person meiner Freundin Ute zu nahen: auch sie Deutsche in Bangkok. „Was machst du? Wollen wir mit Luka in den Zoo gehen?“ Luka ist ihr damals zweieinhalbjähriger Sohn. Sie hatte in einem ähnlichen Sehnsuchtsgefühl die Osterstimmung hervorrufen wollen, aber die Eier im Garten lockten nur die Schlangen heran und überhaupt, das Färben war trotz echt deutscher Eierfarbe gründlich schiefgelaufen … vielleicht braucht man einfach deutschen Essig dafür, mutmaßte sie. Nagut, Ablenkung – Zoo!

Zur Begrüßung bekam ich ein selbst gefärbtes Ei.

Zur Begrüßung überreichte Klein-Luka mir eins der selbst gefärbten Eier. Es war in der Tat misslungen, bräunlich-grünlich … ehrlich gesagt: hässlich! Aber meine Stimmung stieg etwas. Und dann sahen wir es: das Schild „Children´s zoo“, das Streichelgehege für Kinder! Darauf abgebildet ein niedlicher kleiner Hase, den die Kinder dort offenbar anfassen dürfen! Und wir vielleicht auch? Ein Hase!!! Endlich, ein echter Osterhase! Schnurstracks schoben wir ab Richtung Streichelgehege! Luka protestierte heftig, er wollte eigentlich erstmal lieber zu den „Trööröös“, den Elefanten, aber Mama Ute und Tante Tina kannten kein Pardon. „Luka, wir gehen zum Osterhasen! Der echte Osterhase!“ Angesichts der wilden Entschlossenheit und des Wahnsinns in unseren Augen verstummte der Kleine augenblicklich. Aber dann die herbe Enttäuschung: wegen Renovierung geschlossen!! Kein Streichelzoo heute!! 3 stinkende Ziegen grasten nebenan, das war´s! „Come back next month!“ riet uns die nette Angestellte. Aber nein, HEUTE ist doch Ostern! Keine einziges Karnickel weit und breit im ganzen Zoo!

Eine echte Osterdepression …

Missmutig glotzten wir noch ein paar Giraffen und Bären in jämmerlich kleinen Gehegen an. Luka interessierte sich dann doch eher für die Kirmeskarussels. Und während er wenigstens selig im Polizeiauto hin- und herwackelte, brach es aus Ute heraus – die Frage, die unseren Osterfrust bündelte: „Denkst du eigentlich manchmal daran, wieder nach Deutschland zurückzugehen?“ Erschrocken blickten wir uns an! So tief hatte uns die Osterdepression schon runtergezogen: Da stellten wir unser paradiesisches Leben hier in Frage wegen eines Osterhasens! Bzw. wegen keines Osterhasens! Frustriert knabberten wir Lukas Kinderkekse in Tierform, pickten natürlich nur die Hasen heraus!

Dann gibt’s eben Eiersalat.

Auf dem Nachhauseweg stoppte ich im Emporium Einkaufszentrum. Im Luxusgeschäft Oriental Shop sah ich einen kleinen Tisch mit Hasen und Eiern: Oh, erleichtert wollte ich gerade zugreifen, dann sah ich die Preise. Das kleinste Schokoei für 8 Euro! Frechheit! Ich kaufte schließlich einen Eiersalat im Supermarkt und machte mich auf den Weg nach Hause. Am Fuße der Treppe des Skytrains versperrte mir ein Baby-Elefant den Weg. Sein Begleiter wedelte mir mit Gurken und Bohnen im Gesicht herum „Want to feed Elephant?!“ Ich fauchte den ahnungslosen Mann auf deutsch an: „Mann, heute ist Ostern! Da will ich keinen Elefanten!“ Erschrocken zog er den kleinen Dickhäuter zur Seite und machte mir den Weg frei.

Ein Prost auf den Osterhasen!

Zuhause aß ich frustriert meinen Eiersalat und trank ein Glas Wein dazu. Ein Prost auf den Osterhasen! Hach, wer hätte gedacht, dass man den alten Freund aus Kindertagen in der Ferne so sehr vermissen wird! Das war vor 4 Jahren, aber Ostern wird auch dieses Jahr immer noch nicht gefeiert in Thailand. Nur ich bin mittlerweile viel besser vorbereitet. Noch einmal wird mich die Osterdepression nicht kalt erwischen: Längst habe ich einen beachtlichen Vorrat an Eierfarben aus Deutschland angesammelt, beim nächsten Thailand-Besucher habe ich schon lila Krokanteier bestellt und meine Mutter hat mir vor wenigen Tagen herrlich kitschige Handtücher mit bunten Hasen geschickt. Und vielleicht schaue ich in den nächsten Tagen auch mal wieder im Zoo vorbei, der Streichelpark sei wieder offen, heisst es.

Meine Freundin Ute lebt übrigens wieder in Deutschland. Nicht ausschließlich wegen des Osterhasens übrigens. Aber sie, sie vermisst jetzt die Elefanten und die Geckos …

Emanzipation in Buddhas Namen – Thailands erste Frau in Mönchsrobe

Kategorie: Gesellschaft, Reisen am Dienstag, 30. März 2010 von Christina Maria GraweKommentieren Sie diesen Eintrag als Erster
Dhammananda Bhikkuni – Thailands erster weiblicher Mönch

Dhammananda Bhikkuni – Thailands erster weiblicher Mönch

Sie hat die Haare kurz geschoren wie ein Mann, sie ist nicht geschminkt, sie trägt keinen Schmuck und keine teure Kleidung. Aber dennoch ist ihr Gewand für Dr. Chatsumarn Kabilsingh das Wertvollste der Welt. Sie hat es hart erkämpft. Es ist das orange-gelbe Mönchsgewand, das Gewand, das traditionell den geweihten männlichen Mönchen zusteht, das Gewand, das Frauen in Thailand eigentlich nicht einmal berühren dürfen. Sie aber darf es sogar am Leibe tragen, denn sie ist Thailands erster „weiblicher Mönch“. Bikkhuni ist der Fachbegriff dafür. Nicht zu verwechseln mit einer buddhistischen Nonne. Davon gibt es viele.

Buddhistische Mönche ziehen jeden Morgen in Thailand von Haus zu Haus und sammeln von den Gläubigen Gaben und in der Regel geben diese reichlich. Als Ven Dhammananda Bhikkuni, so ist ihr Name jetzt, das erste Mal ihre morgendliche Runde machte, gab es nur ein paar Schälchen Reis. Eine Frau im Mönchsgewand? Das kannten die Thailänder noch nicht.

„Die Leute waren am Anfang schon skeptisch.“ gibt sie zu. „Das merkte ich daran, dass ich nur wenig Essen in meine Schale bekam.“ Inzwischen, fast neun Jahre später, muss sie einen Handkarren mitziehen, so viel wird ihr gegeben.

Bikkhuni – Was ist das?

Eine Bikkhuni ist etwas anderes als die Mae Ji, die buddhistischen Nonnen, die man gelegentlich mit geschorenen Köpfen und in weißen Gewändern sieht – momentan gibt es etwa zehntausend solcher Nonnen in Thailand. Sie sind nicht ordiniert. Dr. Chatsumarn aber eben schon. Sie ist die erste Bikkhuni Thailands und damit etwa so außergewöhnlich wie eine katholische Priesterin.
 Um ‚weiblicher Mönch’ zu werden, musste sie extra nach Sri Lanka reisen. Denn um ordiniert zu werden, muss man zunächst bei fünf Bikkhunis ‚in die Lehre gehen’. In Thailand gab es keine ‚weiblichen Mönche’ und auch heute ist das in Thailand noch nicht möglich. Zwar gibt es hierzulande inzwischen vierzig Bikkhunis, aber nur fünf sind ordiniert, die restlichen sind noch Novizen. Außerdem dürfen Bikkhunis erst nach zwölf Jahren die Ordination weitergeben. Dr. Chatsumarn ist 2001 voll ordiniert worden.

So außergewöhnlich wie eine katholische Priesterin

So außergewöhnlich wie eine katholische Priesterin

Erst TV-Moderatorin jetzt Geistliche

Ich besuche Dr. Chatsumarn in ihrem Kloster in Nakhom Pathom. Im Eingang grüßt die Figur des lachendes Buddhas den Besucher, fast sinnbildlich für den friedlichen Kampf, den sie jahrelang gefochten hat. Ein Kampf gegen Vorurteile und Falsch-Informationen, ein Kampf auch gegen eine Männerwelt. Die männlichen Mönche in Thailand reagieren auf sie nicht immer positiv. Ihr ginge es nur um „name & fame“ – um Berühmtheit – wurde sie kritisiert. „Die brauche ich nicht mehr!“ erklärt sie „ich habe sieben Jahre lang als Moderatorin im Thailändischen Fernsehen gearbeitet. Ich kenne die Highsociety schon. Damals hatte ich lange lackierte Fingernägel, Make-up und frisierte Haare. Ich war verrückt. Eines Morgens schaute ich in den Spiegel und sah eine fremde Person.“

Dann ging alles sehr schnell. Als die Söhne aus dem Haus waren, trennte sie sich von ihrem Mann. Für Buddha. Sie ließ sich in Sri Lanka von einem Theravada-Orden ordinieren. Dort ist das erlaubt. Als sie im gelben Mönchsgewand nach Thailand zurückkehrte, bedeutete das eine Revolution. Bis heute kämpft sie für ihre Gleichberechtigung und Frauenrechte allgemein. Von der UN wurde sie für ihre Leistungen ausgezeichnet. 2005 war sie für den Friedensnobelpreis nominiert. Aber darüber spricht sie nicht. „Was sind schon Preise!?“ lacht sie, als ich danach frage.

Von ihrem täglichen Leben erzählt sie aber gerne. Sehr simpel, aber sie gewöhnte sich schnell daran, sagt sie. Von ihrem alten Leben vermisst sie nichts mehr. „Außer vielleicht Tea Time. Ich liebe Blaubeer-Käsekuchen!“

Der Dalai Lama ist heute ein enger Freund und begrüßt sie mit Handschlag – nicht gerade üblich für einen buddhistischen Mönch.

Das Geheimnis des Glücks

Sie spricht über Erleuchtung und Glück, und sie spricht so natürlich, als würde man sich mit einer lieben Nachbarin über Kuchenrezepte unterhalten. Sie lacht viel, ihre Augen strahlen. Den Lärm der nahe gelegenen mehrspurigen Straße scheint sie nicht zu hören. Und auch ich höre ihn nicht mehr, als die Bikkhuni zu erzählen beginnt. Denn was sie mir verrät, ist ihr Rezept zum Glücklichsein: Respekt!

„Respekt erhöht die Lebensqualität. Respektiere Dich selbst, liebe Dich selbst! Wir vergleichen uns immer nur mit den Schöneren und Reicheren, statt zu sehen was an unserem eigenen Leben gut ist. Habe Respekt vor Dir selbst, dann respektierst Du auch andere!“ sagt sie. Im Buddhismus gibt es das Dhamma, den christlichen zehn Geboten übrigens sehr ähnlich, allerdings anders formuliert. Darin steht unter anderem: ‚Wir lügen nicht’ – ‚Wir stehlen nicht’ und so weiter. „Diese Gebote braucht man nicht, wenn man Respekt hat. Ich weiß dann von mir selbst, wie wichtig mir mein Eigentum ist oder wie ungern ich angelogen werde und dass es den anderen ganz genauso geht. Die menschlichen Werte müssen wieder in die Gesellschaft zurück.“

Wenn man die göttlich-religiöse Seite nicht in sich hat, verpasst man doch viel, meint sie fröhlich seufzend. Dabei will sie gar nicht missionieren. „Wir alle besteigen einen Berg. Wir Buddhisten von der einen Seite, Ihr Christen von einer anderen Seite, Moslems, Hindus, etc. – wir alle gehen einen anderen Weg. Aber am Gipfel treffen wir uns alle. Deshalb bleibt in Eurer Religion. Ich bedaure Menschen, die konvertieren immer sehr. Auf viele westlichen Menschen übt der Buddhismus ja eine große Faszination aus, weil er vordergründig die Gläubigen nicht so kommandiert wie andere Religionen, aber deshalb ist er nicht die einfachere Religion. Ganz im Gegenteil.”

Wer Dr. Chatsumarn in Thailand einmal persönlich kennenlernen will, hat dazu jeden Sonntag die Gelegenheit. In ihrem Tempel am Petkasem Highway, ca. 1,5 Kilometer vor Nakorn Pathom, gibt es dort immer um 11.30 Uhr ein Mittagessen, zu dem jedermann herzlich eingeladen ist. Männer und Frauen.

Mehr Informationen:

http://www.thaibhikkhunis.org/eng/

Bücher der Erinnerung

Kategorie: Gelesen, Gesellschaft, Kultur, Reisen am Sonntag, 14. Februar 2010 von Simone Pipek1 Kommentar
Selbst verziert: Mein Gästebuch - Poesie-Album für "Große"

Selbst verziert: Mein Gästebuch - Poesie-Album für "Große"

Wir kennen sie alle, die Poesie-Alben unserer Kindheit. Fröhlich, bunt, mit leichten, positiven Sprüchlein und Glanzbildchen bestückt. Für mich eine Erinnerung, die sich nicht mit Gold aufwiegen lässt. Die Sprüche wiederholen sich beizeiten, und ich bin mir sicher, dass ich die gleichen auch in den Alben meiner FreundInnen wiederfinden würde, zum Beispiel:

“In allen vier Ecken soll Liebe d’rin stecken” ca. 8-mal

“Zwei Täubchen die sich küssen/Und nichts von Falschheit wissen
So liebevoll und rein/Soll unsre Freundschaft sein” ca. 3-mal

“Marmor, Stein und Eisen bricht,/aber unsere Freundschaft nicht.” ca. 6-mal

In den Augen eines Erwachsenen nicht immer auf dem höchsten Stand literarischen Ausdrucks, erzählen diese Sprüche doch die Geschichte einer unbschwerten Kindheit, aufgeschlagener Knie, Hausaufgaben und Versteck-Spielen mit Freunden. Eine Zeit, in der wir uns über Politik, das Ozonloch oder den Job noch keine Gedanken machen mussten.

Geteilte Erinnerungen

Wenn ich mein grelles, geblümtes (echt 70er Jahre) und mittlerweile recht abgegriffenes Poesie-Album zur Hand nehme, drängen sich mir mit jeder umgeschlagenen Seite, und damit mit dem jeweiligen Kindergartenfreund oder Schulkameraden, der sich hier verewigt hat, Bilder auf, die nicht gefilmt oder fotografiert sind, sondern “nur” in meinem Kopf, meiner Erinnerung und meinem Herzen bestehen. Und das Schöne daran: Es gehören immer mindestens zwei Menschen dazu, denn diese Erinnerungen sind geteilte Erinnerungen, und ich weiß, dass irgendwo auf dieser Welt jemand ist, der dabei war, als wir diese Erinnerungen tatsächlich gelebt haben. Viele dieser alten Freunde sind nicht mehr Teil meines heutigen Lebens, nehmen aber doch einen großen Platz ein, wenn ich gelegentlich eine Reise Richtung Memory Lane antrete.

Mein Gästebuch

Eine schöne Erinnerung

Eine schöne Erinnerung

Im gestandenen Alter von 39 Jahren laufe ich nun natürlich nicht mehr mit einem Poesie-Album herum, das wäre ja peinlich, oder?! Ich habe mir aber, dadurch, dass ich Zimmer in New York vermiete und damit mit so vielen verschiedenen, lieben, aufgeregten und enthusiastischen Menschen in Berührung komme, etwas ähnlich Schönes aufbauen können. Mein Gästebuch.

Darin darf/kann/mag sich jeder verewigen, den seine Urlaubseise durch meine schönen vier Wände führt, und wie auch beim Poesie-Album werden hier Erinnerungen zu Papier gebracht, die mich für immer mit diesen Menschen verbinden. Ich helfe ihnen ein Stück weit, den Aufenthalt in dieser schönen Stadt zu einem besonderen Erlebnis zu machen. Im Gegenzug dazu darf ich einen kleinen Einblick in deren Leben nehmen – und was könnte spannender und bereichernder sein? Es gibt keinen Maßtab, manchmal findet sich hier ein simples “Dankeschön”, ein andermal ein Kunstwerk, immer in echter Handschrift – eine Seltenheit in unserer Zeit, die von E-Mails und Textnachrichten geprägt ist. Einfach schön.

Vielleicht ist dieser Artikel ein kleiner Anreiz für Sie, liebe Leserin, auch einmal wieder das alte Poesie-Album herauszukramen und darin zu schmökern. Darin findet sich vieles, was uns zu der Person gemacht hat, die wir heute sind, und der immer währende Einfluss der Vergangenheit hilft, den Blick nach vorne, in die Zukunft gerichtet zu halten und zu reflektieren.

In diesem Sinne: “Lebe heiter, lebe froh, wie der Mops im Haferstroh!”

Ihre Simone


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