Reisen

Bücher der Erinnerung

Kategorie: Gelesen, Gesellschaft, Kultur, Reisen am Sonntag, 14. Februar 2010 von Simone Pipek1 Kommentar
Selbst verziert: Mein Gästebuch - Poesie-Album für "Große"

Selbst verziert: Mein Gästebuch - Poesie-Album für "Große"

Wir kennen sie alle, die Poesie-Alben unserer Kindheit. Fröhlich, bunt, mit leichten, positiven Sprüchlein und Glanzbildchen bestückt. Für mich eine Erinnerung, die sich nicht mit Gold aufwiegen lässt. Die Sprüche wiederholen sich beizeiten, und ich bin mir sicher, dass ich die gleichen auch in den Alben meiner FreundInnen wiederfinden würde, zum Beispiel:

“In allen vier Ecken soll Liebe d’rin stecken” ca. 8-mal

“Zwei Täubchen die sich küssen/Und nichts von Falschheit wissen
So liebevoll und rein/Soll unsre Freundschaft sein” ca. 3-mal

“Marmor, Stein und Eisen bricht,/aber unsere Freundschaft nicht.” ca. 6-mal

In den Augen eines Erwachsenen nicht immer auf dem höchsten Stand literarischen Ausdrucks, erzählen diese Sprüche doch die Geschichte einer unbschwerten Kindheit, aufgeschlagener Knie, Hausaufgaben und Versteck-Spielen mit Freunden. Eine Zeit, in der wir uns über Politik, das Ozonloch oder den Job noch keine Gedanken machen mussten.

Geteilte Erinnerungen

Wenn ich mein grelles, geblümtes (echt 70er Jahre) und mittlerweile recht abgegriffenes Poesie-Album zur Hand nehme, drängen sich mir mit jeder umgeschlagenen Seite, und damit mit dem jeweiligen Kindergartenfreund oder Schulkameraden, der sich hier verewigt hat, Bilder auf, die nicht gefilmt oder fotografiert sind, sondern “nur” in meinem Kopf, meiner Erinnerung und meinem Herzen bestehen. Und das Schöne daran: Es gehören immer mindestens zwei Menschen dazu, denn diese Erinnerungen sind geteilte Erinnerungen, und ich weiß, dass irgendwo auf dieser Welt jemand ist, der dabei war, als wir diese Erinnerungen tatsächlich gelebt haben. Viele dieser alten Freunde sind nicht mehr Teil meines heutigen Lebens, nehmen aber doch einen großen Platz ein, wenn ich gelegentlich eine Reise Richtung Memory Lane antrete.

Mein Gästebuch

Eine schöne Erinnerung

Eine schöne Erinnerung

Im gestandenen Alter von 39 Jahren laufe ich nun natürlich nicht mehr mit einem Poesie-Album herum, das wäre ja peinlich, oder?! Ich habe mir aber, dadurch, dass ich Zimmer in New York vermiete und damit mit so vielen verschiedenen, lieben, aufgeregten und enthusiastischen Menschen in Berührung komme, etwas ähnlich Schönes aufbauen können. Mein Gästebuch.

Darin darf/kann/mag sich jeder verewigen, den seine Urlaubseise durch meine schönen vier Wände führt, und wie auch beim Poesie-Album werden hier Erinnerungen zu Papier gebracht, die mich für immer mit diesen Menschen verbinden. Ich helfe ihnen ein Stück weit, den Aufenthalt in dieser schönen Stadt zu einem besonderen Erlebnis zu machen. Im Gegenzug dazu darf ich einen kleinen Einblick in deren Leben nehmen – und was könnte spannender und bereichernder sein? Es gibt keinen Maßtab, manchmal findet sich hier ein simples “Dankeschön”, ein andermal ein Kunstwerk, immer in echter Handschrift – eine Seltenheit in unserer Zeit, die von E-Mails und Textnachrichten geprägt ist. Einfach schön.

Vielleicht ist dieser Artikel ein kleiner Anreiz für Sie, liebe Leserin, auch einmal wieder das alte Poesie-Album herauszukramen und darin zu schmökern. Darin findet sich vieles, was uns zu der Person gemacht hat, die wir heute sind, und der immer währende Einfluss der Vergangenheit hilft, den Blick nach vorne, in die Zukunft gerichtet zu halten und zu reflektieren.

In diesem Sinne: “Lebe heiter, lebe froh, wie der Mops im Haferstroh!”

Ihre Simone

Reise nach Thailand

Kategorie: Gelesen, Kultur, Reisen am Sonntag, 10. Januar 2010 von Christine ReichmannKommentieren Sie diesen Eintrag als Erster

Der Blick hinter die Kulissen ...

Der Blick hinter die Kulissen ...

Geschichten fürs Handgepäck

Was für eine schöne Idee – die Geschichten fürs Handgepäck, Reiseführer der anderen und ganz besonderen Art. Für meine Thailand-Reise im Dezember habe ich mir dann auch gleich den Thailand-Band ins Handgepäck gesteckt und ihn auf dem Hinflug gelesen. Darin schreiben zeitgenössische thailändische Autoren – einige von ihnen preisgekrönt – über ihr Land. Und so geht es hier nicht um herkömmliche Touristenattraktionen, die perfekt durchgeplant abgehakt werden können. Die Autoren gewähren uns vielmehr den ungleich tieferen Blick hinter die Kulissen ihres Landes. In Geschichten über Bergdörfer, Touristenzentren und das Leben in Bangkok begegnen wir in “Reise nach Thailand” Fischerfamilien, Großstädtern und buddhistischen Mönchen.

Den Stau sinnvoll nutzen …

Meine Lieblingsgeschichte ist gleich die erste in diesem Band. In ihr lerne ich ein junges bangkoker Paar kennen, das sich in seinem gut ausgestatteten Mittelklassewagen häuslich eingerichtet hat. Inklusive Kühlbox für erfrischende Getränke, jeder Menge köstlicher Snacks und der Möglichkeit, unterwegs zumindest die Blase zu erleichtern. Warum das alles? Weil es in Bangkok zu jeder Tages- und Nachtzeit sehr wahrscheinlich ist, früher oder später im Stau zu stecken. Eher früher als später und eher länger als kürzer. In diesen Fällen lernt man besser gleich, die Ruhe zu bewahren. Denn man steckt unweigerlich fest und es ist sinnvoll, sich darauf vorzubereiten, um diese Zeit “genießen” zu können. Dies macht erfinderisch und so lernen wir in ebendieser ersten Geschichte einen weiteren bangkoker Stauprofi kennen. Er denkt nicht nur an sein leibliches Wohl und Komfort, sondern auch an die Umwelt. So hat er  immer ein paar Bananensetzlinge an Bord. Und wenn er im Stau steht, steigt er eben aus und pflanzt neben der Straße seine Bananenstauden – für mehr Grün und ein besseres Klima in der quirligen Millionenmetropole.

Unglaublich, aber wahr!

Für jemanden, der noch nie in Bangkok war, mag schon die erste Geschichte völlig absurd erscheinen. Aber glauben Sie mir, diese Geschichte kann wirklich wahr sein. Auch ich hätte mir bei mancher Auto”fahrt” durch Bangkok ein kühles Getränk, etwas Leckeres zu essen und eine Toilette gewünscht. Aber zumindest war ich bisher immer in bester Gesellschaft und habe mich auch im Stau stets prächtig unterhalten. Wenn Sie nach Thailand (oder auch woanders hin reisen), stecken Sie sich die entsprechenden Geschichten fürs Handgepäck ein. Sie gibt es für die unterschiedlichsten Reiseziele und öffnen Ihnen die Augen für das jeweilige Land auf ungewöhnliche Art und Weise. Schönes Fernweh!

“Reise nach Thailand. Geschichten fürs Handgepäck”, Unionsverlag, Schweiz

Adam und Evelyn

Kategorie: Gelesen, Kultur, Reisen am Montag, 23. November 2009 von Christine ReichmannKommentieren Sie diesen Eintrag als Erster
Alle lieben Adam.

Alle lieben Adam.

DDR im August 1989: Die Frauen lieben Adam, weil er ihnen Kleider schneidert, die sie schön und begehrenswert machen. Und Adam liebt schöne Frauen – UND seine Freundin Evelyn. Die erwischt ihn in flagranti mit einer seiner Kundinnen. Und so fährt Evelyn statt wie geplant mit Adam mit ihrer Freundin Mona und deren Cousin Michael aus dem Westen an den Balaton nach Ungarn. Dies hält Adam jedoch nicht davon ab, nebst Zelt und Schildkröte Elfi den Dreien hinterher zu reisen.

So geht es für alle auf unterschiedlichen Wegen bis an den Plattensee. Hier trifft sich das Quartett bei Familie Angyal und verbringt dort – von liebevoller Gastfreundschaft umsorgt – ungewollt seinen „Urlaub“ miteinander. Überschattet wird die „gemeinsame“ Zeit von den politischen Umbrüchen in der DDR sowie in Osteuropa. Ungarn will seine Grenze Richtung Westen öffnen. Und auf diese Weise wird plötzlich für Adam, Evelyn, Mona und Michael die verbotene Frucht des Westens zum Greifen nah und jeder steht für sich vor einer schwierigen Entscheidung. In dieser besonderen Situation rückt der Autor Ingo Schulze das menschliche Urdrama von Verbot und Verführung, von Liebe und Erkenntnis und nicht zuletzt die ungestillte Sehnsucht nach dem Paradies in den Mittelpunkt seiner Geschichte. Doch wo ist dieses Paradies zu finden? In den Verlockungen des Westens? In der Unbeschwertheit eines Feriensommers am Plattensee? Oder doch im eigenen, lieb gewonnenen Garten?

Wo ist das Paradies?

In diesem faszinierenden Spiel mit der Geschichte von Adam und Eva kreiert Ingo Schulze eine beeindruckend spannende Tragikkömodie über Verbot und Erkenntnis und die Suche nach dem wahren Paradies. Einem Paradies, das doch für jeden letztlich ein ganz anderes sein kann …

Mir sind während des Lesens ganz besonders Adam, Frau Angyal und die Schildkröte Elfi ans Herz gewachsen. Ingo Schulze skizziert wunderbare Charaktere und erzählt diese Geschichte so eindrücklich, dass ich das Gefühl hatte, bei Angyals mit am Tisch zu sitzen. Die aufregende Atmosphäre des Umbruchs hat mich gefangen genommen und „Adam und Evelyn“ für mich zum Page-Turner werden lassen. Bis tief in die Nacht konnte ich nicht aufhören zu lesen, weil ich wissen wollte, wie die Geschichte weitergeht … Ein tolles, spannendes Buch, das ich wirklich nur weiterempfehlen kann.

Ingo Schulze: “Adam und Evelyn”, Berlin Verlag, Berlin 2008

Für süße Bienen in New York

Kategorie: Genuss, Mensch & Tier, Reisen am Mittwoch, 21. Oktober 2009 von Christine ReichmannKommentieren Sie diesen Eintrag als Erster
Lust auf was Süßes, Honey?

Fliegen Sie auch auf Honig?

Unglaublich, aber wahr: David Graves ist 58 Jahre alt und Manhattans einziger Profi-Imker. Wer hätte gedacht, dass ein Imker aus Massachusetts der Stadt, die niemals schläft mit Honig eines ihrer süßesten Geheimnisse entlockt? Schon in Massachusetts standen Davids Bienenstöcke immer auf Dächern, um sie vor den Bären dort in Sicherheit zu bringen. In New York gibt’s zwar keine Bären, aber viele Menschen, die vor Bienen Angst haben. Deshalb sind die Bienenstöcke auf Davids Dachterasse bestens platziert. Dabei sind seine Millionen Bienchen absolut sanftmütig und lieb. Und wie schmeckt der Honig aus Big Apple? Echt süß und blumig mit einem Hauch Karamell. Wer nun Bedenken hat, dass in einer Großstadt wie New York der Honig vielleicht nicht gerade der Reinste sein könnte, der sei an dieser Stelle beruhigt: Denn durch die Nähe zum Wasser ist die Luft in New York sogar besser als in manch anderen Städten. Zudem wird dort auch nicht gespritzt und der Nektar sitzt ohnehin so tief in der Blüte, dass er vor Verunreinigungen bestens geschützt ist. Lust das süße Geheimnis zu lüften? Dann ab nach New York, Honey!

Inspiriert von Maxi, Oktober 2009.

Siska: Das süße Geheimnis der Waffeln mit Herz

Kategorie: Genuss, Reisen am Mittwoch, 30. September 2009 von Christine ReichmannKommentieren Sie diesen Eintrag als Erster
Waffelglück!

Einfach herzig diese Waffeln!

Einige von Ihnen wissen es vielleicht schon: Ich liebe Waffeln! Im Juli gab es an dieser Stelle bereits meine Hommage an Dinkelwaffeln mit Erdbeeren und Schlagsahne inklusive des entsprechenden Glücksrezepts. Heute möchte ich Ihnen etwas Neues erzählen. Etwas, das ich auch erst seit ein paar Tagen weiß: Die klassischen Herzchen-Waffeln heißen Siska-Waffeln. Dabei stehen die fünf Herzchen für höchsten Genuss und einen Geschmack für den manche sogar in die Heimat der Siska-Waffeln reisen: Nach Knocke-Heist in Flandern. Denn hier – es war im Sommer 1882 – wurde sie erfunden, die Siska-Waffel mit ihren 5-Herzen. Und zwar von Francisca, die von ihren 15 Kindern stets „Moeder Siska“ genannt wurde. Bis heute wird das original Rezept der Siska-Waffel –verständlicher Weise – gehütet wie ein kostbarer Schatz.

Knokke-Heist, der Geburtsort der herzigen Siska-Waffel

Schon damals pilgerten nicht nur die Einwohner von Knokke-Heist zu der selbst wohlgenährten Bäckerin – sie wog mindestens 135 Kilogramm! –, sondern waffelsüchtige Belgier von der ganzen Küste und sogar aus dem Binnenland machten sich auf zur herzigen Francisca. Ihre Kinder stellten Stühle und Tische auf die Wiese rund ums Haus, während Siska in der Küche mit einer langen Reihe von Waffeleisen, die in einen Ofen eingefasst waren, unermüdlich ihre knusprigen Herzchen backte. Später eröffneten die Kinder und Enkelkinder weitere Waffelbäckereien. Und heute nascht selbst das belgische Königshaus bei Siska. Das Stammhaus in Knokke-Heist heißt heute „Marie Siska“ – nach einer der Töchter Franciscas, und wird in der vierten Generation geführt. Dabei ist das Geheimrezept der Siska-Waffel bis heute unverändert geblieben.

Nach Herzenslust knuspern

Und wer so schnell nicht nach Flandern kommt, dem lege ich mein Lieblingswaffelrezept erneut ans Herz. Die Waffeln schmecken nicht nur im Sommer mit Erdbeeren, sondern auch im Spätsommer mit selbst gemachtem Zimt-Pflaumenkompott ganz schön lecker oder einfach klassisch mit Kirschen und Schlagsahne. Oder wie mögen Sie Ihre Waffeln am liebsten?


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