Der Atem des Lebens
Der langjährige Yogalehrer pflegte zu sagen, das Leben ist ein Auf und Ab, wie Ebbe und Flut, während unsere Mutter anmerkte, auf Regen folge Sonnenschein. Nun bin ich Großmutter und beobachte mein neugeborenes Enkelkind mit seinen jungen Eltern, wie sie sich aneinander gewöhnen und eben in diesem Phänomen des häufigen Wechsels von Wohl und Unwohl, von Frieden und Unruhe versuchen, sich einzupendeln. Im Zentrum allen beginnenden Erdenseins erweckt das Neugeborene, das Verletzlichste aller Wesen, den Drang nach zärtlicher Fürsorge, welche im Klang der Stimmen der Umsorgenden, ihrem warmen Schmelz, deutlich wahrzunehmen ist. Eine Schutzhülle von sicherem Gehalten werden, Gestreichelt sein, gestillt und gesäubert, getröstet werden, umgibt diesen kleinen Menschen, dessen Anblick in seinen Eltern im Moment seiner Geburt ein unermüdliches Rädchen der Empathie antreibt. Als Großmutter vernehme ich in Erinnerung das Gefühl an die einschießende Milch, damals, als ich mein Kind säugte, während ich mich am Anblick meiner stillenden Tochter leise erfreue. Eine erweiternde Bewegung ist in Gang gekommen, die ihre Wellen schlägt.

