Die Spätzünder

Christine Reichmann am Mittwoch, 3. Februar 2010 in der Kategorie Gesehen, Gesellschaft, Kultur

Wie oft kommt es vor, dass man sich einen Film im Fernsehen ansieht, dessen Geschichte berührend, witzig, traurig und schön zugleich ist? Nicht so häufig, oder? Aber eben kam ein solcher Film im Fernsehen: “Die Spätzünder”. Eine tolle Story über den ziemlich erfolglosen Rockmusiker und Lebenskünstler Rochus Siwak – genannt Rocco (wundervoll gespielt von Jan Josef Liefers) – der gleich ein komplettes Seniorenheim rockt. Wie das? Es verschlägt ihn in ebendieses Heim, in dem er eine Haftstrafe als sozialen Dienst ableisten soll. Und es kommt, wie es kommen muss: Er rasselt nicht nur mit der Heimleitung, sondern auch mit dem Pflegepersonal heftig aneinander. Auch die resolute, attraktive Schwester Marina ist nicht bereit, sich von Schlitzohr Rocco auf der Nase herumtanzen zu lassen. (Später wird aber aus ihnen doch noch ein Liebespaar …) Rocco jedoch entdeckt in den “Alten”, was keiner sonst mehr wahrnimmt: den Wunsch nach Leben.

Rocco und die Herzschrittmacher

Und so bringt Rocco mit vermeintlichen Kleinigkeiten längst vergessene Seiten in den Heimbewohnern zum Klingen. Sie tanzen, singen und musizieren. Sie entdecken auf ihre alten Tage ihre Lebensfreude neu. Aber auch sie wecken ihrerseits die Lebensgeister des deprimierten Rocco. À la “Deutschland sucht den Superstar” castet Rocco mit seiner Jury – bestehend aus Degenhard (Joachim Fuchsberger), Sissi (Bibiana Zeller), Josefine (Libgart Schwarz) und Herrn Klüger (Hans Michael Rehberg) – seine Band “Rocco und die Herzschrittmacher”, mit der er an einem Bandwettbewerb teilnimmt.

Live is Life

Herrlich, wie die “Alten” sich nachts heimlich im Keller des Heims treffen, um mit Profi-Equipment für ihren Auftritt zu proben. Und mit der Cover-Version des Songs “Live is Life” schlägt die Rentnerband alle Rekorde … Eine inspirierende, berührende Geschichte, über alte und junge Menschen, die ihre Chancen nutzen, um das zu tun, wofür ihr Herz schlägt. Daran sollten wir uns ein Beispiel nehmen, finde ich. Und wer mag, findet den Film sicher in der Mediathek der ARD, um ihn sich im Netz anzuschauen. Bestimmt wird er aber auch in nächster Zeit in einem der dritten Programme wiederholt.

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