Bienchen, Bienchen gib mir Honig!
Endlich wird es wärmer und Bäume und Blumen blühen. Jetzt kommt die Zeit, in der die Honigbienen wieder zu ihren Sammelflügen ausschwärmen. Dabei sind es in diesem Frühjahr deutlich weniger als in den Jahren zuvor. Der lange, kalte Winter hat den Bienen ganz schön zugsetzt. Viele von ihnen haben nicht überlebt. Neben einer speziellen Milbe macht den Bienen die Intensivierung der Landwirtschaft zu schaffen. Denn durch Monokulturen geht die für Bienen lebensnotwendige Blütenvielfalt verloren. Wiesen werden allzu häufig schon vor der Blüte gemäht, blühende – so genannte – Unkräuter bekämpft. Insektizide und Pestizide tun ihr Übriges, um den Bienen zu schaden.
Blühende Landschaften
Im schwäbischen Rosenfeld hat der Imker Thomas Radetzki schon Ende der 80 Jahre “Mellifera” gegründet – eine Vereinigung, die sich für eine artgerechte Imkerei einsetzt. Dazu gehört, das Schwarmverhalten der Bienenvölker nicht zu unterdrücken. Denn Königinnen werden oft die Flügel beschnitten, damit ihre Völker nicht ausschwärmen.
Zum Ausgleich der Monokulturen und um den häufig hungernden Bienen mehr anzubieten, hat “Mellifera” gemeinsam mit dem Deutschen Imkerbund und Naturschutzverbänden das Netzwerk “Blühende Landschaften” ins Leben gerufen. Das Netzwerk fördert verschiedene Projekte, damit die Sommer wieder bunter werden. Dazu haben die Mitarbeiter des Netzwerks eine Saatgutmischung entwickelt. Sie sorgt dafür, dass die Bienen bei ihren Ausflügen wertvolle Pollen- und Nektarspender wie Rosmarin, Astern, Borretsch, Kornblume oder Wicken finden können.
Ein wahres Paradies für Bienen
Radetzki bietet in der Rosenfelder “Mellifera”-Versuchs- und Lehrimkerei “Fischermühle” Bienenpatenschaften und Seminare für Nachwuchsimker an. Von diesem Seminar inspiriert, hat der Hamburger Erhard Maria Klein eine “Bienenkiste” konstruiert. Einen natürlichen Nistplatz, der sich perfekt für Freizeitimker eignet. 200 Interessenten haben diese Kiste bereits aufgestellt und beobachten staunend, wie nun der Honig fließt.
Die Bienenkisten sind auch für Stadtimker mit Balkon, Garten oder Hinterhof geeignet. Denn Linden und blühende Pflanzen bieten den Bienen oft bessere Bedingungen als das Umland. Großstädte werden so mehr und mehr zu einem wahren Paradies für Bienen.
Bis zu 300 Blüten besucht eine Biene am Tag. Neben Rindern und Schweinen sind Bienen damit die volkswirtschaftlich gesehen wichtigsten Haustiere. Sie produzieren nicht nur Honig, sondern bestäuben auch die Blüten. Von dieser unverzichtbaren Leistung hängt ein Drittel unserer Lebensmittelproduktion ab.
Jeder kann seinen ganz eigenen Beitrag dazu leisten, um Bienen zu schützen und ihnen vielfältige Nahrung zu bieten: den Rasen zu blühenden Wiesen wachsen lassen, Wiesenblüten säen oder sogar eine Bienenkiste aufstellen, um demnächst den eigenen Honig auf dem knusprigen Frühstücksbrötchen zu genießen.
(Inspiriert von DIE WELT, 24. April 2010)


