Wie eine Wolke unser Leben verändert

Christine Reichmann am Montag, 19. April 2010 in der Kategorie Gesellschaft, Gute Nachrichten, Reisen
Ein herrlich entspannter Nachmittag im Garten

Urlaub im eigenen Garten

Es ist kurz nach fünf als wir am Flughafen ankommen, um in den Urlaub zu fliegen. Aber statt einer Schlange an den Check-in-Schaltern, stehen Menschenmassen mit ihren Koffern an den Info-Countern der einzelnen Fluggesellschaften. Denn eine Vulkanstaubwolke aus Island hat sich über Europa eingenistet und legt den gesamten Flugverkehr lahm.

Statt uns in eine der Schlangen einzureihen und unseren annullierten Flug umzubuchen, packen mein Mann und ich unsere Koffer einfach wieder ins Auto, fahren nach Hause und legen uns erst einmal hin, um uns auszuschlafen. Dabei wundere ich mich über meine Ruhe und Gelassenheit. So kenne ich mich sonst gar nicht und entdecke eine ganz neue Seite an mir, die mir sehr gefällt.

Alle sind freundlich und hilfsbereit.

Später rufe bei der Fluggesellschaft an, um unsere Flüge umzubuchen und erwarte, so lange in der Warteschleife zu stecken, bis ich die Wartemelodie rückwärts mitsingen kann. Aber … es tutet ein paar mal und schon meldet sich die freundliche Stimme der Hotline-Dame. Sie bucht unsere Flüge sofort um. Der erste Schritt ist getan. Auch das Umbuchen des Mietwagens ist kein Problem. Und die Besitzer des Hauses, das wir am Urlaubsort gemietet haben sind auch sehr hilfsbereit. Glücklicherweise ist das Haus im Anschluss noch ein paar Tage frei, bis neue Gäste kommen. Und unsere Vormieter sind glücklich, dass Sie im Haus bleiben können, denn sie kommen ja nun auch erst einmal nicht nach Hause.

Via Radar verfolgen wir gespannt jede Bewegung der Wolke.

Über den Tag und Abends verfolgen wir mit Spannung jede Bewegung der Wolke. Und schnell werden wir zu Profis. Denn auf einer Internetseite können wir über einen Radar die Wolke perfekt beobachten. Und nicht nur das. Wir können sogar sämtliche Flugzeuge in Echtzeit verfolgen, die sich am Wolkenrand tummeln.

Auch unser nächster Flug wird annuliert und wir buchen ein weiteres Mal um. Kaum umgebucht, klingelt das Telefon und unsere Freundin – die in der Nähe unseres Urlaubsortes wohnt – ruft an, um zu fragen, wann wir denn nun endlich kämen. Ich sage ihr, dass wir das aufgrund der Flugwetterlage nicht genau wissen. Aber dass es wohl noch ein paar Tage dauern wird. „Gut“, sagt sie, „seit gestern ist es hier sowieso kühl und bewölkt. Aber in den nächsten Tagen soll es wieder schön werden.“ Perfektes Timing also.

Alles kein Problem!

Mit der Dame der Mietwagenstation an unserem Zielflughafen ist mein Mann auch mittlerweile per „du“. Sie heißt Susanne und hat meinem Mann gesagt, er solle sich keine Gedanken machen. „Alles kein Problem”, sagt sie. “Egal, wann Sie kommen, wir halten Ihren Mietwagen für Sie bereit. Und wenn irgendetwas ist, rufen Sie mich einfach an.“

In den „Brennpunkten“ im Fernsehen wird mittlerweile auch nicht mehr nur über die negativen Seiten „der Wolke“ gesprochen. Und so sehen wir einen freundlich lächelnden Rentner aus Frankfurt, der mit einem Gläschen Äppelwoi bei strahlendem Sonnenschein in seinem Garten sitzt und sichtlich die ungewohnt himmlische Ruhe genießt. „Ich wohne in der Einflugschneise des Frankfurter Flughafens. Und jetzt hören Sie mal … Man hört einfach gar nichts. Ich freue mich auf herrlich ruhige Nachmittage in meinem Garten.“

Das Leben einfach fließen lassen.

Und die Dame, bei der ich heute unsere Flüge umgebucht habe sagt, nachdem ich ihr meine Bewunderung für ihre entspannte Freundlichkeit ausspreche: „Wissen Sie. Ich mag diese Situation. Sie zeigt mir, wie klein wir doch eigentlich sind. Das wir nicht alles beeinflussen können. Und das ist auch gut so.“

Genau, denke ich, genau das ist es. In unserem durchorganisierten Leben lassen wir kaum noch Platz für das Leben selbst. Wir sind oft so unbewusst, das wir Vieles um uns herum nicht mehr wahrnehmen. Ich freue mich jedenfalls, dass alles ist, so wie es ist und genieße es, neben meiner Schwester im sonnigen Garten zu liegen und zu faulenzen. Und sie sagt gerade zu mir: „Wie schön, dass du da bist!“

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