
Forras & ich
von Bernadette Busse
Ein Jahr ist es nun her, seit meine Hündin Forras – eine Kuvaszdame – gestorben ist. Und sicherlich ist es sehr ungewöhnlich, dass sie auf natürliche Weise sterben durfte …
Bis Forras Sterbeprozess begann, hatte ich noch nie einen sterbenden Menschen oder ein sterbendes Tier begleiten dürfen. Viele Fragen waren offen. In Würde sterben zu dürfen, wie es die alten Naturvölker praktizieren, wie es in buddhistischen Lehren beschrieben wird, schien mir damals zunächst nicht mit unserer Kultur vereinbar zu sein.
Als Forras mit 8 Jahren zu mir kam, waren wir sofort ein Herz und eine Seele. Auf einem wunderschönen Abendspaziergang teilte sie mir auf telepathischem Wege plötzlich mit, dass sie mir den Sterbeprozess zeigen würde. Jeder Tierbesitzer kann sicher nachfühlen, dass ich ziemlich schockiert war, denn verlieren wollte ich sie auf gar keinen Fall.
Ich liebe Forras über alles.
Ein Jahr später sollte sie 13 Jahre alt werden, ein hohes Alter für einen großen Hund mit ihrer Vorgeschichte. Aber ich konnte beobachten, dass sie Gewicht verlor, der Appetit nachließ, sie nur noch kleine Spaziergänge machen wollte. Nur ihre Augen waren klar, liebevoll und wissend. Mein Herz war traurig bei dem bevorstehenden Abschied.
Ich begleitete sie mit Homöopathie und Farblicht und staunte, wie gelassen sie wirkte. Eine große Unterstützung erfuhr Forras durch ihren Kater Smilli, der sich immer in ihrer Nähe aufhielt. 4 Tage vor Forras Tod, legte Smilli sich auf ihre Seite und schnurrte, um sie zu beruhigen und ihr die Kraft zum Loslassen zu geben.
Die letzten Stunden lag Forras in meinen Armen. Ich redete ihr gut zu, dass sie den Weg ins Licht gehen sollte. Viele Tränen begleiteten mich, aber intuitiv wusste ich, dass sie es sich so gewünscht hatte.
Smilli stand plötzlich auf und ließ einen Schrei los – der mir durch Mark und Bein ging – und verließ das Zimmer. Dann atmete Forras ein letztes Mal. Unendliche Liebe erfüllte den Raum, tiefe Freude war in meinem Herzen: Sie hatt es geschafft, sie hatte es geschafft.
Ich zündete viele Kerzen an und nahm Abschied.
Viele Wochen lang fühlte ich Forras noch neben mir laufen, wie sie auf meinem Bett lag (was sie sonst nie getan hatte) und wie sie mich begleitetete. Ich habe mich seitdem oft gefragt, warum ich danach nicht um Forras geweint habe, aber ich glaube, dass es mir sehr geholfen hat, sie in Würde sterben zu lassen. Sie ist für mich ein wunderbarer Lehrer gewesen. Und dafür bin ich ihr sehr dankbar.
Inzwischen habe ich Menschen und Tiere in ihren letzten Tagen begleiten dürfen und weiß, wir sind alle individuell, jedes Sterben ist anders und hat zudem auch eine ganz große heilende Kraft. Ein Satz von Ken Wilber ist tief in mir verankert: Erst wenn du den Tod akzeptierst, kannst du das Leben akzeptieren.
Weltenseele
Alte Seele, weine nicht
Fürchte nicht dein Angesicht
Abschied von der Welt Gesang
Stehst du in deinem licht’ Gewand
Trübe Augen, klarer Blick
Schaust du ganz gern zurück
Flügel wachsen dir ganz sacht
Dein Herz nun lacht, es ist vollbracht
Ja, ich bin
Ich bin
Bernadette Busse, 15.08.2010
Bernadette Busse ist Heilpraktikerin und Tierheilpraktikerin mit eigener Praxis in Neuss. Das Thema Sterben und Tod beschäftigt sie schon lange. Bücher über dieses Thema sind ihre ständigen Begleiter. Hospizliche Mitarbeit füllt die Lücken. Telepathische Kommunikation mit Tieren rundet das Wissen über das unliebsame Tabuthema ab.