Einträge mit dem Schlagwort ‘Freunde’

Meine kleine Freundin, das “Äffchen”

Kategorie: Gesellschaft am Mittwoch, 12. Mai 2010 von Christina Maria GraweKommentieren Sie diesen Eintrag als Erster
Nach einiger Zeit traute sie sich schon alleine ins Wasser.

Nach einiger Zeit traute sich Nan schon alleine ins Wasser.

Bangkok, 11. Mai 2010

Wenn die kleine Nan lachte, sah sie wirklich ein bisschen aus wie ein kleines Äffchen. Ihr mageres kleines braunes Gesicht zeigte dann ihre kaputten Zähnchen und wenn sie lief, erschienen auch ihre Arme manchmal irgendwie ein bisschen zu lang und ungelenk. Zu viele Wochen ihres Lebens hatte sie schon im Krankenhaus verbracht, zu viele Wochen, um richtig rennen und toben zu lernen wie andere Kinder. Mitleid aber kennen Kinder nur bedingt und so wurde Nan oft einfach nur “Äffchen” gerufen.

Nan war eine Kämpferin.

Das störte sie aber wenig. Nan war eine Kämpferin. Von Geburt an kämpfte sie gegen den HIV-Virus. Der Virus, an dem ihre Mutter starb. Nan wuchs im Kinderheim auf. Als ich sie vor 6 Jahren kennen lernte, war sie gerade mal wieder krank und schwach. Ohne Sauerstoffschlauch durch die Nase schaffte sie es damals nicht, das Bett zu verlassen. Aber sie kämpfte. Und hatte Glück, dass auch in Thailand neue Medikamente auf den Markt kamen. Sie wollte leben und sie wollte lernen. Wann immer sie konnte, schleppte sie sich auf die andere Straßenseite, dort hat das Mercycentre eine Sonderschule für Kinder wie Nan eingerichtet. Kinder, die durch Krankheit oder andere Umstände nicht dem normalen Schulalltag folgen können.

So behalte ich sie in Erinnerung.

So behalte ich sie in Erinnerung.

Ihr Lächeln überstrahlte alles.

Ein Jahr nach unserem Kennenlernen durfte sie zum erstenmal mit ihren Freundinnen übers Wochenende zu uns kommen. Klein, mager und fleckig lief sie durch unseren Garten. Im Badeanzug ein erschreckender Anblick zuerst, aber ihr Lächeln überstrahlte alles. Sie lernte, die Angst vorm Wasser zu verlieren. Ich erinnere mich, wie sie das erste Mal, festgeklammert um meinen Hals, mit 2 Schwimmärmchen und einem Reifen, mit panischer Angst in den Augen, gemeinsam mit mir in den Pool kletterte. Die anderen Kinder tobten durchs Wasser, sie blieb fest an mich geklammert. Aber am Ende des Tages planschte sie zumindest mit dem Fuß.

Ausgelassen tanzte sie durch die Küche.

Im vergangenen Dezember war sie das letzte Mal bei uns zuhause. Kaum größer, immer noch ungelenk und mager, aber jetzt traute sie sich schon, alleine ins Wasser zu springen. Zwar mit Schwimmärmchen, aber das machte ja nichts. Wir haben Weihnachtsplätzchen gebacken (im Badeanzug) und sie tanzte zu Jingle Bells ausgelassen durch die Küche. Ich habe sogar ein Video davon.

Aber dann, wieder ein Wunder!

Eine Woche später hatte der Virus ihr Hirn erreicht. Die anderen Kinder haben es mir so erklärt, die genaue medizinische Definition – was macht es für einen Unterschied?! Sie hatte von einem Tag zum anderen ihr Gedächtnis verloren. Aber dann, wieder ein Wunder! Wochen später wurde sie wieder aus dem Krankenhaus entlassen und was kein Arzt erklären konnte, sie erinnerte sich nach und nach. Nicht an das Lesen und Schreiben und an die Zahlen, aber an die Menschen, die sie liebten. Ich war gerührt, als sie auch mich erkennend umarmte. Irgendwann bald darauf aber war ihr kleiner Körper einfach zu schwach, brach zusammen. Wochenlang lag sie auf der Intensivstation im Koma.

Insgeheim wusste ich, dass ich sie das letzte Mal sah.

Am vergangenen Freitag entließ man sie nach Hause, ins Mercycentre – zum Sterben. Ich sah sie am Sonntag Nachmittag das letzte Mal. Sie dämmerte vor sich hin, zuckte komisch rhythmisch. Ein dürres armseliges Menschlein, der Körper zerschunden von der Krankheit und den Einstichen. Luftröhrenschnitt, künstliche Ernährung durch die Nase. Sie hatte 39 Grad Fieber, glühte. Insgeheim wusste ich, dass ich sie das letzte Mal sah und um nicht zu weinen dachte ich daran, wie sie durch unseren Garten tanzte.

Ich habe viel gelernt über das Leben und den Tod.

Heute Nacht um 5 Uhr dann ist meine kleine Freundin Nan, das süße “Äffchen” gestorben. Sie wäre am Freitag 13 Jahre alt geworden.

Das ist sicher keine fröhliche Geschichte, keine frohe Botschaft auf den ersten Blick. Aber durch Nan und ihre kleinen Freunde, die alle HIV positiv sind, habe ich viel gelernt in den vergangenen Jahren. Über das Leben und den Tod. Über den Umgang mit Krankheit und Tod, immer allgegenwärtig.

Sie ist jetzt glücklich bei ihrer Mutter im Himmel.

Die Kinder werden heute bei der Beerdigung sicher nicht weinen. Das tun sie nie bei Beerdigungen und sie haben schon andere kleine Freunde verabschieden müssen. “Nan hatte doch Schmerzen” sagen sie. “Und jetzt ist sie glücklich bei ihrer Mutter im Himmel.” Sie sprechen vom Himmel, obwohl Nan buddhistisch beerdigt wird. Aber das spielt keine Rolle. Die Kinder haben gelernt, dass Tod zum Leben gehört und sie haben keine Angst vorm Tod. Für sie ist es der Übergang in eine andere hoffentlich schmerzfreie Welt. Ob das nun der christliche Himmel ist oder die folgende buddhistische Wiedergeburt, für sie ist wichtig: Das “Äffchen” wird nun keine Schmerzen mehr haben!

Und die frohe Botschaft an dieser Geschichte ist: dass es Orte wie das Mercycentre in Bangkok gibt, dass Nan nach dem Tod ihrer Mutter ein neues liebevolles Zuhause fand. Sie sprach nie von Kinderheim oder Waisenhaus, sie sagte immer “Zuhause” und nannte ihre Betreuerinnen “Mae” (Mama).

Tschüss, kleines Äffchen!

Die Eleganz der Madame Michel

Kategorie: Gesehen, Kultur am Sonntag, 9. Mai 2010 von Christine ReichmannKommentieren Sie diesen Eintrag als Erster

Ein Film, der uns hinter die Fassade blicken lässt:

Madame Michel ist Concierge in einem eleganten Pariser Wohnhaus. Und auf den ersten Blick scheint sie alle für eine Concierge typischen Wesensmerkmale in sich zu vereinen: Sie ist mürrisch, ungepflegt und unscheinbar. Sie hat sich zurückgezogen in ihre eigene Welt, die sie nur mit ihrem Kater teilt. Eine Tür in ihrer kleinen Wohnung ist nicht nur die Tür in ihre Welt der Bücher, sondern sie ist auch die Tür zu Madame Michels wahrem Wesen, das zunächst jedoch unentdeckt bleiben will. Sie liest in jeder freien Minute anspruchsvolle Literatur und entflieht auf diese Weise vor sich selbst, den Menschen, der Welt.

“Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich; jede unglückliche Familie jedoch ist auf ihre besondere Weise unglücklich.”*

Im selben Haus wohnt die hochbegabte 11jährige Paloma. Auch sie lebt in ihrer eigenen Welt. Sie hat mit ihren elf Jahren längst durchschaut, wie ärmlich ein Leben im Luxus sein kann. Sie sucht sich immer wieder neue Verstecke und selbst wenn sie sich nicht versteckt, wird sie von ihren Eltern und ihrer älteren Schwester nicht gesehen. Palomas beste Freundin ist ihre Videokamera. Ihr Medium, mit dem sie die äußere Welt beobachtet, kommentiert, entlarvt. Für sie ist jetzt schon klar, dass sie nicht das Leben ihrer Eltern führen möchte und beschließt, sich am Tag ihres 12ten Geburtstages das Leben zu nehmen, sollte sie nicht etwas entdecken, was das Leben lebenswert macht.

Paloma lüftet das wohl gehütete Geheimnis.

Paloma fühlt sich von dem Mysterium der Madame Michele angezogen. Mit ihrer Kamera lüftet sie das wohl gehütete Geheimnis der Concierge und es gelingt Paloma, die Tür zu Madame Micheles Herz wenigstens um einen Spalt breit zu öffnen. Hier in der “kleinen” Welt der Concierge fühlt sich Paloma das erste Mal geborgen.

Ozu weckt Madame Michele aus ihrem Winterschlaf.

Sowohl das Schicksal von Madame Michel als auch das von Paloma wandelt sich mit dem Einzug des geheimnisvollen Japaners Kakuro Ozu. Und schon bald bahnt sich zwischen ihm und der Concierge eine zarte Liebesgeschichte an. Denn auch Monsieur Ozu ahnt, dass sich hinter Madame Michels mürrischer Fassade ein liebenswertes Geheimnis verbirgt und lockt, so sanft wie beharrlich, die barsche Concierge aus ihrem Winterschlaf.

Ein Zitat aus dem großen Buch des Lebens …

Den Protagonisten scheinen die Rollen auf den Leib geschrieben. Mit unglaublichem Fingerspitzengefühl erzählt die Kamera die Geschichte um Madame Michel. Liebevolle Details wie zum Leben erweckte Tuschezeichnungen machen diesen Film zu einem besonderen Kleinod. Er ist in seiner Gesamtheit ein tragisches und zugleich bezauberndes Zitat aus dem großen Buch des Lebens. Mein Tipp: Unbedingt anschauen!

*aus “Anna Karenina” von Leo Tolstoi

Bangkok alaaf oder vom grenzübergreifenden Bützen

Kategorie: Gesellschaft am Montag, 15. Februar 2010 von Christina Maria Grawe2 Kommentare
"Jeck - we can!"

"Jeck - we can!"

Es ist Montag, Rosenmontag. Ich stehe aber nicht in Köln vorm Spiegel und schminke mich für den Karnevalszug. Ich sitze – trotz Klimaanlage schwitzend – im Büro in Bangkok. Und seufze leise! Radio Köln Webradio läuft. Die Höhner bringen Heimweh übers Internet nach Thailand. Die Wettervorhersage aber auch ein kleines bisschen Ernüchterung: “Sollte die Strecke zu verschneit sein, können keine Pferde eingesetzt werden … Zum Kamelle-fangen empfehlen wir dieses Jahr Handschuhe, maximal 1 Grad wird erwartet!” erzählt die Radiosprecherin gerade. Brrr! Plötzlich erinnere ich mich auch wieder an die kalten Füße, während man stundenlang am Straßenrand zitterte, um auf den Zooch zu warten. Ich denke ans Schwitzen in der Kneipe, gefolgt von der sicheren Kombination: “nass geschwitzt rauskommen und höllisch erkälten”. Und irgendwie hatte ich ja auch immer Halsentzündungen im Februar.

Free Flow Currywurst war auch angekündigt.

Man müsste doch Kölner Karneval und thailändische Temperaturen irgendwie kombinieren! Dieses Jahr gab es tatsächlich den ersten Versuch, denn offenbar bin ich nicht die einzige Deutsche in Bangkok mit Köln-Sehnsucht:

Mein Freund Stefan von Airberlin gemeinsam mit deutschen Networking-Partymachern hatte eine Party organisiert in der Disco “Glow”. Motto “Jeck – we can!”. Da zu diesen Networking-Events, die monatlich einmal stattfinden, auch immer viele Thais kommen, versuchten die Organisatoren im Vorfeld auf der Einladung schon die fünfte Jahreszeit konkret zu erklären. Wobei natürlich nicht bedacht wurde, dass die Thais nicht mal 4 Jahreszeiten hier kennen, aber egal. Auch mit den weiteren auf englisch verfassten Anweisungen konnten Nicht-Kölner sicher zunächst kaum etwas anfangen: “Women will be in power, Ties will be cut off, relationships have only limited relevance, kiss whoever stands next to you, repeatedly …” Free Flow Currywurst war auch angekündigt. Doch zum Bützen später.

Sebastian hatte sich sogar rote Pumps in Männergröße besorgen können.

Wir hatten unseren Mitarbeitern (Halb-Thais und Spanier, alles Karnevals-Nichtkenner) strenge Kostümierungsbefehle erteilt und waren baff: Spanier Francisco kam als Matador im kompletten Outfit. Nicht nur Glitzerjacket und rotes Tuch, auch passende Hose, Schwert, Hut … (Naja, und sogar für die berühmten “cochones” hatte er sich ein Paar Socken in die Hose gestopft! Was ihm später dann peinlich wurde beim Engtanz …). Halb-Thai Sebastian kam als Schulmädchen, hatte sich sogar rote Pumps in Männergröße besorgen können. Und Michael (auch Halb-Thai) hatte sich sogar für sein Rastaman-Kostüm extra echte Rastazöpfe anflechten lassen in einer zweistündigen Prozedur. Und mangels schwarzer Karnevalskörperfarbe hatte er sich mit Eyeliner komplett schwarz angemalt!

Ob rosa Hasenkostüm oder Engelsflügel – in Bangkok gibt’s alles.

Mein Mann und ich wollten als thailändische Parkplatzwächter gehen. Zur Erklärung: Das sind die Typen in Phantasie-Uniform, die an jeder Strassenecke in Bangkok winken und pfeifen wie die Wahnsinnigen. Die Typen, auf die man sich beim Abbiegen oder Einparken auf gar keinen Fall verlassen sollte. Die Typen, die – ganz ehrlich –  allen deutschen Autofahrern in Bangkok höllisch auf die Nerven gehen! Beim Suchen nach so einer Uniform stießen wir auf “PR-Fancy” – Kostümverleih! Unglaublicherweise gibt es mitten in Bangkok in einer kleinen Seitenstraße einen Kostümverleih. Ein winziger Laden auf den ersten Blick, der beim zweiten Hinschauen unfassbare Tiefen offenbart. Da gibt es unzählige proppenvoll gestopfte Hinterzimmer. Man findet rosa Hasenkostüme, sexy Thaitänzerkleidchen, wilde Indianeroutfits, prunkvolle Engelsflügel, Aircrew-Uniformen. Und – tatsächlich auch Parkplatzwächter-Hemden. Mit Pfeife, Schlagstock, Mütze – alles stilecht. Fand auch keiner absurd dort, als wir danach fragten. Todernstes Geschäft. Bizarrerweise war es ziemlich voll dort – auch viele Thailänder probierten gerade Pandakostüme an, suchten nach Supermananzügen. Warum und wofür? Keine Ahnung! Karneval jedenfalls kennt man hier nicht.

Thais mit vor Staunen geöffneten Mündern starrten uns an.

Am Abend also machten wir uns zu viert kostümiert auf den Weg: Vier Deutsche mit Schlagstöcken, Taschenlampen und Pfeifen, Wachmann-Mützen und gleichem Hemd. Der Taxifahrer hob nur kurz verwirrt die Augenbrauen, aber alle anderen Thailänder, die uns unterwegs sahen, starrten uns mit offenem Mund an.

Im “Glow” angekommen, empfing uns Jubel. Clowns, Funkenmariechen, Matrosen und Mafiabosse sprangen schon wild zu “Echte Fründe” durch die Disco. Heimatgefühle! Die Currywurst schmeckte auch fast wie an der Ecke Friesenstraße. Kein Kölsch, aber Bier ist Bier, da konnte man drüber hinwegsehen!

Im Toilettenvorraum traf ich später am Abend auf zwei Thailänderinnen im schicken Abendoutfit. Wir kamen ins Gespräch. Die beiden Bankberaterinnen hatten die Anweisungen auf der Party-Einladung natürlich gar nicht verstanden, dachten also, sie gingen – wie jeden Monat – zu einem relativ ernsthaften Business-Networking-Event. Und waren nun angesichts der wilden Deutschen in merkwürdigen Kostümen völlig verwirrt. Ich erklärte ihnen also in Kurzform Sinn und Verhaltensformen beim Karneval. “And today“ erklärte ich „heute ist der Frauentag.” “Da dürfen Frauen eigentlich jeden Mann küssen, wenn sie wollen.” endete ich. “Wow!” die beiden Thailänderinnen waren sprachlos und begeistert. “Wirklich?? Jeden Mann?” “Naja, zumindest jeden Deutschen hier im Club.” schränkte ich besser mal ein. Sie dankten mir überschwänglich und trauten sich nun zuversichtlich ins Partygetümmel.

Can I kiss you please?

Eine Stunde später sah ich eine von beiden wild diskutierend mit dem Vorsitzenden einer deutschen Firma: “Can I kiss you please? Ja, wirklich, deutsche Männer müssen sich küssen lassen, das habe ich eben gelernt!” Dass der Mann seine böse blickende Ehefrau neben sich hatte, schien meine thailändische Bekannte kaum zu stören. Die andere war erfolgreicher und lag bereits in den Armen eines glücklichen Siemens-Praktikanten. “Great Festival – your Kiss-Festival” rief sie mir zu.

Wie enttäuscht wird sie sein im nächsten Monat beim nächsten Networking-Treffen! Hoffentlich kommt sie dann nicht im Clownskostüm! Denn eins hatte ich bei meiner Karnevals-Kultur-Aufklärung vergessen, den Thailändern zu erklären: Am Aschermittwoch ist alles vorbei!

Snacken und Trinken in Köln

Kategorie: Genuss am Montag, 25. Januar 2010 von Christine ReichmannKommentieren Sie diesen Eintrag als Erster

Perfekt für alle, die gern gut und gesund essen ...

Da schmeckt's ...

Lecker, gesund & bio!

Nach einem ausgiebigen Stadtbummel in der Kölner City gelüstet es meine Schwester und mich nach einem großen Stärkungskaffee. Natürlich am liebsten mit einem Stück Kuchen. Aber da wir eigen sind und nur Vollwert und Bio mögen, sind wir selbstverständlich auch “nur” mit einem köstlichen Kaffee zufrieden und machen uns auf den Weg ins Delix auf der Apostelnstraße. Doch Überraschung: Das Delix gibt’s nicht mehr. Stattdessen kehren wir an selbem Ort und selber Stelle ins stylishe “Souppresso” ein: “BioEssen für Freunde”. Herrlich, jetzt gibt’s also zum Bio-Kaffee auch noch ein Stück köstlichen Apfel-Käsekuchen in Bio-Qualität. Und während wir genießen, lesen wir in der Karte und bestaunen in der Auslage viele weitere Köstlichkeiten: Von veganen Gerichten, über unterschiedlichste Suppen bis hin zu verschiedensten Quiches (Wie wär’s denn mal mit Hokkaido-Quiche?) und traumhaften Kuchen (auch glutenfrei!) gibt’s hier vieles, was das vollwertige Bio-Herz begehrt. Jetzt wissen wir, wo anspruchsvolle Kaffeetanten in Köln auch auf ihr lecker-gesundes Stück Kuchen nicht verzichten müssen. Und wem der Sinn nach einer herzhaften Pause steht? Der ist bei Souppresso natürlich ebenfalls an der richtigen Adresse.

Souppresso – BioEssen für Freunde
Apostelnstraße 19, 50667 Köln

Telefon 0221 – 99878954

BioRestaurant – BioFeinkost – BioWein – BioEvents – BioKochkurse – BioSeminare

Mein erstes Mal – The big M

Kategorie: Gesellschaft, Gesundheit am Sonntag, 17. Januar 2010 von Simone PipekKommentieren Sie diesen Eintrag als Erster
Die pinkfarbene Schleife - offizielles Zeichen im Kampf gegen den Brustkrebs

Die pinkfarbene Schleife - offizielles Zeichen im Kampf gegen den Brustkrebs

Ach wie schön, selbst im hohen Alter von (fast) 40 gibt es immer noch Situationen, die ein erstes Mal darstellen. Dazu könnte gehören, dass man das erste Mal australischen Boden betritt, das erste Mal am Steuer eines Porsche 411 sitzt oder das erste Mal seit 25 Jahren das Zuhause verlässt, ohne Lippenstift aufzutragen. Alles nicht so schlimm – oder sogar sehr schön. In meinem Fall kam mein kürzlich erlebtes “erstes Mal” völlig unerwartet. Da bin ich ohne böse Hintergedanken bei meiner Frauenärztin, die Untersuchung ist vorbei, und sie fragt so nebenbei: “Haben Sie ‘mal über eine Mammografie nachgedacht?”

Bums, da ist ein erstes Mal. Habe ich darüber nachgedacht? Jaaa schon, aber nie ernsthaft, ich bin doch noch so jung, oder?! Und Brustkrebs haben wir nicht in der Familie. Da ich aber keine Spielverderberin sein will, mache ich brav einen Termin in dem Labor, das die Mammografien durchführt, und diese Untersuchung war auch wirklich nicht mehr als ein Spaziergang im Park.  Davon abgesehen natürlich, dass beide Brüste bis zur Unkenntlichkeit plattgedrückt werden, bis sie einem kleinen Pfannkuchen gleichen, passiert nicht sehr viel. Alles Routine. Das Ergebnis kommt dann mit der Post. Klar, kein Problem.

In der linken Brust wurde ein Schatten gesehen.

Oder doch? Die Resultate kommen vier Tage später, mit der Nachricht, dass in der linken Brust Schatten gesehen wurden, die weiterer Untersuchungen bedürfen. Das war unerwartet, aber immer noch ganz zuversichtlich google ich mein Ergebnis und erfahre, dass 80 % der Zusatzuntersuchungen ergeben, dass dies lediglich harmlose Verdickungen sind. Na zum Glück. Ein bischen nervös bin ich natürlich schon, als ich zum Sonogramm acht Tage später wieder im Labor bin. Ich habe keine Ahnung, was mich erwartet, bin aber ganz ergeben und mache alles, was von mir erwartet wird.

Und während ich also halbnackt auf der Liege im abgedunkelten, kalten, und wirklich nicht freundlichen Raum liege, die medizinisch-technische Assistentin mit dem Sensor auf meiner linken Brust herumfährt, packt sie mich dann doch, die Angst.

Was, wenn doch …?

Die ganze Untersuchung dauert nur eine halbe Stunde, aber mir kommt sie vor wie eine kleine Ewigkeit.

Ich versuche, mich zu beruhigen, atme tief ein und aus, konzentriere mich auf hübsche Dinge: Blumen, Sonne, Neuschnee … Aber so richtig hilft es nicht. Was, wenn doch etwas nicht stimmt? Der Gedanke schnürt mir den Hals zu, ich habe Schwierigkeiten, zu atmen und mir kullern unerwarteterweise ein paar dicke Tränen die Wangen hinunter, die die MTA entweder nicht sieht oder nicht sehen will. Auf meine Frage hin, was denn hier passiert, was sie (und auch ich, denn der Bildschirm ist mir zugewandt) auf dem Bildschirm sieht, bekomme ich die lakonische Antwort, dass sie nicht berechtigt ist, mir Auskunft zu geben. Das muss der Arzt machen. Nicht gerade beruhigend, besonders, da ich viele schwarze Flecken sehe, die sie ausmisst, die Daten aufschreibt und dabei keinerlei Gemütsbewegung zeigt.

Die ganze Untersuchung dauert nur eine halbe Stunde, aber mir kommt sie vor wie eine kleine Ewigkeit. Und die ganze Zeit wollen die Gedanken nicht stehen bleiben, sie drehen sich wie wild im Kopf herum, schneller und schneller, bis die MTA endlich die erlösenden Worte sagt, “We are done!”. Auch hier muss ich auf das Ergebnis per Post warten, was mir sehr unmenschlich vorkommt, aber so ist das eben. Auf meine Frage hin erklärt sie mir, dass ich spätestens am Ende der Woche das Ergebnis haben sollte, und heute ist Montag!  Fünf Tage Ungewissheit?

Vielleicht ist ja alles ganz harmlos …

Ich erzählte nur zwei Menschen von dem ersten Ergebnis, da ich niemanden unnötig beunruhigen mochte, und auch jetzt dachte ich “Warten wir erst einmal ab, was das Untersuchungsergebnis zeigen wird” . Ein Teil von mir weiß, dass ich diese Information unter Verschluss halte, weil ich mich schützen will, denn wenn ich die Worte zu häufig ausspreche, wird alles zu schnell zu plötzlich real, denke ich in meinem verwirrten Zustand. Vielleicht ist ja alles ganz harmlos? Trotzdem bin ich am Boden zerstört, und fühle mich plötzlich ganz krank, habe Schmerzen in der Brust, und male mir die schlimmsten Szenarien aus.

Was wäre, wenn …?

Meine Freundinnen Bettina und Martina sind genauso geschockt wie ich, leiden mit mir, und mir kommt der abgedroschene Satz in den Sinn “Geteiltes Leid ist halbes Leid”. Natürlich können sie mir die Angst nicht nehmen, aber es ist doch schön, Vertraute zu haben.

Tränen der Erleichterung

Nach einer schlaflosen Nacht gehe ich am nächsten Tag ins Büro, funktioniere mehr auf Auto-Pilot als alles andere, konfuse Gedanken finden immer ihren Weg in mein Bewusstsein. Und als ich emotional ermüdet von der Arbeit nach Hause komme, habe ich einen Brief vom Labor in meinem Briefkasten. Das ging schnell. Ist das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen? Ich wiege den Brief in meinen Händen, halte ihn gegen das Licht, ohne etwas zu erkennen und brauche doch gute zwei Stunden, bis ich den Mut aufbringe, ihn zu öffnen. So, wie man ein Pflaster von der empfindlichen Stelle in der Armbeuge abreisst, öffne ich den Brief und lese nur den ersten Satz: “We are pleased to inform you that your recent digital mammogram is normal” (“Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass die Werte Ihrer letzten Mammografie sich als normal herausgestellt haben). Danach verwischen die Buchstaben, da sich Tränen der Erleichterung aus meinen Augen stehlen.

Warum schildere ich dieses Erlebnis so ausführlich?

Zum einen, weil dies das erste Mal in meinem Leben war, dass ich – wenn auch nur kurz – wirklich Angst um mein Leben hatte, und ich jedem ans Herz legen möchte, sich in solch dunklen Stunden an gute Freunde oder Familie zu wenden und das Gespräch zu suchen. Zum anderen, weil ich denke, dass Brustkrebs kein Tabuthema sein darf, dass offen darüber geredet werden muss, über die Angst und die Folgen. Egal, was meine persönliche Untersuchung ergeben hätte, fühle ich den Drang, diese kleine Episode mitzuteilen.

Brustkrebs darf kein Tabuthema sein.

Viele Leserinnen haben vielleicht dieselben Erfahrungen mit ähnlichem oder ernsthafterem Ausgang gemacht und können gut nachfühlen, was ich empfunden habe, und andere, jüngere Leserinnen, die irgendwann auf diese Untersuchung zusteuern, sollten sich gewahr sein, dass sie nicht alleine sind. Es war sicherlich ein traumatisches Erlebnis, was schlussendlich ein gutes Ende genommen hat, aber für viele andere Frauen ist dies nicht der Fall.

In meiner langjährigen journalistischen Tätigkeit in den USA bin ich häufiger mit der Susan G. Komen Gesellschaft in Kontakt gekommen, die hervorragende Aufklärungsarbeit betreibt und Hilfestellungen gibt. Bei Interesse und Fragen rund um das Thema Brustkrebs kann man sich bei http://ww5.komen.org/ informieren.

Der Busen hat einen besonderen Stellenwert für uns Frauen. Er ist Zeichen der weiblichen Sexualitaet, aber viele Frauen (auch ich) hadern mit ihren Brüsten – zu groß, zu klein, zu ungleich, das Bindegewebe zu schwach etc. Trotzdem oder gerade deshalb fühle ich mich heute sehr weiblich, und bin stolz auf meine vermeintliche Oberweite. Brust raus, Bauch rein.

Gesundheit ist ein Gut, für das wir täglich dankbar sein sollten.

Ansonsten habe ich für mich wieder einmal festgestellt, dass sich der Fels ums Herz herum gelöst hat, die Brocken nach und nach gefallen sind und ich mich leichter fühle, und ich die Welt, und alles, was sie zu bieten hat, noch stärker erleben möchte. Und ich bin froh, dass ich den Schritt Richtung Mammografie gemacht habe. Ein Reality-Check, der nun fast surreal anmutet, der mich gelehrt hat, dass Gesundheit ein Gut ist, für das wir täglich dankbar sein sollten.

Ein toughes erstes Mal.

With Healthy Wishes aus New York,
Ihre Simone


schliessen
E-mail an...