Einträge mit dem Schlagwort ‘Freunde’

Snacken und Trinken in Köln

Kategorie: Genuss am Montag, 25. Januar 2010 von Christine ReichmannKommentieren Sie diesen Eintrag als Erster

Perfekt für alle, die gern gut und gesund essen ...

Da schmeckt's ...

Lecker, gesund & bio!

Nach einem ausgiebigen Stadtbummel in der Kölner City gelüstet es meine Schwester und mich nach einem großen Stärkungskaffee. Natürlich am liebsten mit einem Stück Kuchen. Aber da wir eigen sind und nur Vollwert und Bio mögen, sind wir selbstverständlich auch “nur” mit einem köstlichen Kaffee zufrieden und machen uns auf den Weg ins Delix auf der Apostelnstraße. Doch Überraschung: Das Delix gibt’s nicht mehr. Stattdessen kehren wir an selbem Ort und selber Stelle ins stylishe “Souppresso” ein: “BioEssen für Freunde”. Herrlich, jetzt gibt’s also zum Bio-Kaffee auch noch ein Stück köstlichen Apfel-Käsekuchen in Bio-Qualität. Und während wir genießen, lesen wir in der Karte und bestaunen in der Auslage viele weitere Köstlichkeiten: Von veganen Gerichten, über unterschiedlichste Suppen bis hin zu verschiedensten Quiches (Wie wär’s denn mal mit Hokkaido-Quiche?) und traumhaften Kuchen (auch glutenfrei!) gibt’s hier vieles, was das vollwertige Bio-Herz begehrt. Jetzt wissen wir, wo anspruchsvolle Kaffeetanten in Köln auch auf ihr lecker-gesundes Stück Kuchen nicht verzichten müssen. Und wem der Sinn nach einer herzhaften Pause steht? Der ist bei Souppresso natürlich ebenfalls an der richtigen Adresse.

Souppresso – BioEssen für Freunde
Apostelnstraße 19, 50667 Köln

Telefon 0221 – 99878954

BioRestaurant – BioFeinkost – BioWein – BioEvents – BioKochkurse – BioSeminare

Mein erstes Mal – The big M

Kategorie: Gesellschaft, Gesundheit am Sonntag, 17. Januar 2010 von Simone PipekKommentieren Sie diesen Eintrag als Erster
Die pinkfarbene Schleife - offizielles Zeichen im Kampf gegen den Brustkrebs

Die pinkfarbene Schleife - offizielles Zeichen im Kampf gegen den Brustkrebs

Ach wie schön, selbst im hohen Alter von (fast) 40 gibt es immer noch Situationen, die ein erstes Mal darstellen. Dazu könnte gehören, dass man das erste Mal australischen Boden betritt, das erste Mal am Steuer eines Porsche 411 sitzt oder das erste Mal seit 25 Jahren das Zuhause verlässt, ohne Lippenstift aufzutragen. Alles nicht so schlimm – oder sogar sehr schön. In meinem Fall kam mein kürzlich erlebtes “erstes Mal” völlig unerwartet. Da bin ich ohne böse Hintergedanken bei meiner Frauenärztin, die Untersuchung ist vorbei, und sie fragt so nebenbei: “Haben Sie ‘mal über eine Mammografie nachgedacht?”

Bums, da ist ein erstes Mal. Habe ich darüber nachgedacht? Jaaa schon, aber nie ernsthaft, ich bin doch noch so jung, oder?! Und Brustkrebs haben wir nicht in der Familie. Da ich aber keine Spielverderberin sein will, mache ich brav einen Termin in dem Labor, das die Mammografien durchführt, und diese Untersuchung war auch wirklich nicht mehr als ein Spaziergang im Park.  Davon abgesehen natürlich, dass beide Brüste bis zur Unkenntlichkeit plattgedrückt werden, bis sie einem kleinen Pfannkuchen gleichen, passiert nicht sehr viel. Alles Routine. Das Ergebnis kommt dann mit der Post. Klar, kein Problem.

In der linken Brust wurde ein Schatten gesehen.

Oder doch? Die Resultate kommen vier Tage später, mit der Nachricht, dass in der linken Brust Schatten gesehen wurden, die weiterer Untersuchungen bedürfen. Das war unerwartet, aber immer noch ganz zuversichtlich google ich mein Ergebnis und erfahre, dass 80 % der Zusatzuntersuchungen ergeben, dass dies lediglich harmlose Verdickungen sind. Na zum Glück. Ein bischen nervös bin ich natürlich schon, als ich zum Sonogramm acht Tage später wieder im Labor bin. Ich habe keine Ahnung, was mich erwartet, bin aber ganz ergeben und mache alles, was von mir erwartet wird.

Und während ich also halbnackt auf der Liege im abgedunkelten, kalten, und wirklich nicht freundlichen Raum liege, die medizinisch-technische Assistentin mit dem Sensor auf meiner linken Brust herumfährt, packt sie mich dann doch, die Angst.

Was, wenn doch …?

Die ganze Untersuchung dauert nur eine halbe Stunde, aber mir kommt sie vor wie eine kleine Ewigkeit.

Ich versuche, mich zu beruhigen, atme tief ein und aus, konzentriere mich auf hübsche Dinge: Blumen, Sonne, Neuschnee … Aber so richtig hilft es nicht. Was, wenn doch etwas nicht stimmt? Der Gedanke schnürt mir den Hals zu, ich habe Schwierigkeiten, zu atmen und mir kullern unerwarteterweise ein paar dicke Tränen die Wangen hinunter, die die MTA entweder nicht sieht oder nicht sehen will. Auf meine Frage hin, was denn hier passiert, was sie (und auch ich, denn der Bildschirm ist mir zugewandt) auf dem Bildschirm sieht, bekomme ich die lakonische Antwort, dass sie nicht berechtigt ist, mir Auskunft zu geben. Das muss der Arzt machen. Nicht gerade beruhigend, besonders, da ich viele schwarze Flecken sehe, die sie ausmisst, die Daten aufschreibt und dabei keinerlei Gemütsbewegung zeigt.

Die ganze Untersuchung dauert nur eine halbe Stunde, aber mir kommt sie vor wie eine kleine Ewigkeit. Und die ganze Zeit wollen die Gedanken nicht stehen bleiben, sie drehen sich wie wild im Kopf herum, schneller und schneller, bis die MTA endlich die erlösenden Worte sagt, “We are done!”. Auch hier muss ich auf das Ergebnis per Post warten, was mir sehr unmenschlich vorkommt, aber so ist das eben. Auf meine Frage hin erklärt sie mir, dass ich spätestens am Ende der Woche das Ergebnis haben sollte, und heute ist Montag!  Fünf Tage Ungewissheit?

Vielleicht ist ja alles ganz harmlos …

Ich erzählte nur zwei Menschen von dem ersten Ergebnis, da ich niemanden unnötig beunruhigen mochte, und auch jetzt dachte ich “Warten wir erst einmal ab, was das Untersuchungsergebnis zeigen wird” . Ein Teil von mir weiß, dass ich diese Information unter Verschluss halte, weil ich mich schützen will, denn wenn ich die Worte zu häufig ausspreche, wird alles zu schnell zu plötzlich real, denke ich in meinem verwirrten Zustand. Vielleicht ist ja alles ganz harmlos? Trotzdem bin ich am Boden zerstört, und fühle mich plötzlich ganz krank, habe Schmerzen in der Brust, und male mir die schlimmsten Szenarien aus.

Was wäre, wenn …?

Meine Freundinnen Bettina und Martina sind genauso geschockt wie ich, leiden mit mir, und mir kommt der abgedroschene Satz in den Sinn “Geteiltes Leid ist halbes Leid”. Natürlich können sie mir die Angst nicht nehmen, aber es ist doch schön, Vertraute zu haben.

Tränen der Erleichterung

Nach einer schlaflosen Nacht gehe ich am nächsten Tag ins Büro, funktioniere mehr auf Auto-Pilot als alles andere, konfuse Gedanken finden immer ihren Weg in mein Bewusstsein. Und als ich emotional ermüdet von der Arbeit nach Hause komme, habe ich einen Brief vom Labor in meinem Briefkasten. Das ging schnell. Ist das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen? Ich wiege den Brief in meinen Händen, halte ihn gegen das Licht, ohne etwas zu erkennen und brauche doch gute zwei Stunden, bis ich den Mut aufbringe, ihn zu öffnen. So, wie man ein Pflaster von der empfindlichen Stelle in der Armbeuge abreisst, öffne ich den Brief und lese nur den ersten Satz: “We are pleased to inform you that your recent digital mammogram is normal” (“Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass die Werte Ihrer letzten Mammografie sich als normal herausgestellt haben). Danach verwischen die Buchstaben, da sich Tränen der Erleichterung aus meinen Augen stehlen.

Warum schildere ich dieses Erlebnis so ausführlich?

Zum einen, weil dies das erste Mal in meinem Leben war, dass ich – wenn auch nur kurz – wirklich Angst um mein Leben hatte, und ich jedem ans Herz legen möchte, sich in solch dunklen Stunden an gute Freunde oder Familie zu wenden und das Gespräch zu suchen. Zum anderen, weil ich denke, dass Brustkrebs kein Tabuthema sein darf, dass offen darüber geredet werden muss, über die Angst und die Folgen. Egal, was meine persönliche Untersuchung ergeben hätte, fühle ich den Drang, diese kleine Episode mitzuteilen.

Brustkrebs darf kein Tabuthema sein.

Viele Leserinnen haben vielleicht dieselben Erfahrungen mit ähnlichem oder ernsthafterem Ausgang gemacht und können gut nachfühlen, was ich empfunden habe, und andere, jüngere Leserinnen, die irgendwann auf diese Untersuchung zusteuern, sollten sich gewahr sein, dass sie nicht alleine sind. Es war sicherlich ein traumatisches Erlebnis, was schlussendlich ein gutes Ende genommen hat, aber für viele andere Frauen ist dies nicht der Fall.

In meiner langjährigen journalistischen Tätigkeit in den USA bin ich häufiger mit der Susan G. Komen Gesellschaft in Kontakt gekommen, die hervorragende Aufklärungsarbeit betreibt und Hilfestellungen gibt. Bei Interesse und Fragen rund um das Thema Brustkrebs kann man sich bei http://ww5.komen.org/ informieren.

Der Busen hat einen besonderen Stellenwert für uns Frauen. Er ist Zeichen der weiblichen Sexualitaet, aber viele Frauen (auch ich) hadern mit ihren Brüsten – zu groß, zu klein, zu ungleich, das Bindegewebe zu schwach etc. Trotzdem oder gerade deshalb fühle ich mich heute sehr weiblich, und bin stolz auf meine vermeintliche Oberweite. Brust raus, Bauch rein.

Gesundheit ist ein Gut, für das wir täglich dankbar sein sollten.

Ansonsten habe ich für mich wieder einmal festgestellt, dass sich der Fels ums Herz herum gelöst hat, die Brocken nach und nach gefallen sind und ich mich leichter fühle, und ich die Welt, und alles, was sie zu bieten hat, noch stärker erleben möchte. Und ich bin froh, dass ich den Schritt Richtung Mammografie gemacht habe. Ein Reality-Check, der nun fast surreal anmutet, der mich gelehrt hat, dass Gesundheit ein Gut ist, für das wir täglich dankbar sein sollten.

Ein toughes erstes Mal.

With Healthy Wishes aus New York,
Ihre Simone

Beyond – spiritual message by Tina Turner

Kategorie: Gehört, Kultur am Montag, 2. November 2009 von Christine ReichmannKommentieren Sie diesen Eintrag als Erster
Jenseits von richtig oder falsch lieg ein Garten. Da werde ich dir begegnen. Rumi

Jenseits von richtig oder falsch liegt ein Garten. Da werde ich dir begegnen. Rumi

Neulich habe ich von einer lieben Freundin eine wunderschöne CD geschenkt bekommen, die ich Ihnen heute gerne vorstellen möchte: “Beyond” – a spiritual message by Tina Turner. Ups, werden jetzt viele von Ihnen denken, was mag das wohl sein? Die scheinbar alterslose, kleine agile Rockröhre hat eine spirituelle Nachricht für uns? Und dann auch noch in musikalischer Form? Ich habe mich zunächst auch gewundert und es brauchte ein wenig Zeit, um um mich an diese ungewöhnliche CD zu gewöhnen. Sie präsentiert uns einen Mix aus buddhistischen und christlichen “Gebeten”. Sanft, beruhigend, meditativ. Perfekt, um zur Besinnung zu kommen und das meist in uns tobende Gedankenkarusell einmal zum Stillstand zu bringen.

Beginne jeden Tag wie die Vögel mit Gesang. Singen trägt dich über alles hinaus, weit, weiter, immer weiter.

Dabei gestalten sich die gesungenen “Gebete” als  Dialog zwischen buddhistischen und christlichen Tönen. Nimmt man die Unterschiede anfänglich noch wahr, findet zunehmend eine Vermischung statt und wir merken, wie ähnlich sich die in den vermeintlich unterschiedlichen Glaubensrichtungen formulierten Werte sind. Dies ist zugleich die Idee, von der sich die beiden Sängerinnen Regula Curti (Christin) und Dechen Shak-Dagsay (Buddhistin) haben inspirieren lassen. Regula und Dechen fassten den Mut, Tina Turner um ihre Mitwirkung zu bitten. Und so hat Tina eine eindringliche Botschaft formuliert, die in Form eines Mantras, die Zuhörer von “Beyond” für das Leben und die Liebe sensibilisiert. Auf der Webseite des Beyond-Projekts www.beyondsinging.com finden Sie weitere Informationen zum Album, Bilder, Videos und Kommentare und natürlich haben Sie hier auch die Möglichkeit, in diese CD hineinzuhören.

Stimmen zu “Beyond”

“Alle Religionen lehren die Tugenden Liebe, Barmherzigkeit und Geduld, indem sie uns zeigen, wie wir uns disziplinieren und verändern können, um inneren Frieden und Warmherzigkeit zu erlangen. Daher haben sie unsere Achtung verdient. Musik und Gesang sind kraftvolle Wege, um diese allgemein wirksamen Vorstellungen zum Ausdruck zu bringen und mit anderen zu kommunizieren. Indem wir vergleichbare Traditionen aus dem Christentum und dem tibetischen Buddhismus zusammenbringen, wie es hier getan wurde, geben wir den Zuhörern die Möglichkeit, an diesen Gebeten teilzunehmen und ihre Gedanken in Bezug auf Respekt und Frieden in ihrem Leben zu ordnen.” Seine Heiligkeit der Dalai Lama Dharamsala, Indien

“Jede Religion hat ihre spirituellen Reichtümer, die sie auch in Musik und Gesang zum Ausdruck bringt. Die Begegnung mit anderen Religionen hilft, die Reichtümer der eigenen Glaubensgemeinschaft zu entdecken. Hochachtung vor den je verschiedenen Glaubenstraditionen und spirituellen Reichtümern ist nicht nur möglich sondern notwendig. Wir können das Gemeinsame wahrnehmen, ohne die Unterschiede zu verwischen. Dabei verlieren wir nichts, sondern werden gegenseitig beschenkt.Abt Martin Werlen OSB, Kloster Einsiedeln/Schweiz


Ein “neues Haus” für die kleine Mitra

Kategorie: Gesellschaft, Gute Nachrichten am Montag, 26. Oktober 2009 von Christina Maria GraweKommentieren Sie diesen Eintrag als Erster
Die kleine Mitra

Die kleine Mitra

Mittagszeit im indonesischen Dorf Sikabu Bukit. Die Sonne brennt erbarmungslos, nur die großen Palmen und Bananenstauden bieten etwas Schatten. Die kleine Mitra wartet schon ungeduldig mit ihren Freundinnen. Heute kommt ein neues Zuhause, hatte ihre Mutter ihr am Morgen gesagt. Und nun sitzt die Neunjährige auf dem Dorfplatz und wartet. Etwas anderes kann sie sowieso nicht tun. Das Erdbeben vom 30. September hat ihrer Familie das wenige, was sie besaßen, genommen. Die Schule ist auch zerstört, genauso wie alle Wohnhäuser in Sukabu Bukit. Spielsachen haben die Mädchen keine, hatten sie auch vor dem Erdbeben nicht. Und so sitzen Mitra und ihre Freundinnen nun seit Stunden schon gelangweilt auf dem staubigen Platz.

Deutsche Spendengelder am Ziel ihrer Reise

Hektik kommt auf, als endlich zwei große Trucks mitten auf der Dorfstraße halten. Caritas-Zelte aus Deutschland sind in der Ladung. Deutsche Spendengelder am Ziel ihrer Reise.

In Windeseile wird ein klappriger Tisch organisiert, Zettel mit Nummern sind bereits vorbereitet. Die Menschen drängeln sich um den Tisch, aber der Bürgermeister versucht, alle zur Ruhe zu bewegen.

Nach 10 Tagen im Freien erscheint so ein Zelt den Menschen hier wie eine Luxusvilla.

Nach 10 Tagen im Freien erscheint so ein Zelt den Menschen hier wie eine Luxusvilla.

Nur drei Menschen sind in Sikabu Bukit ums Leben gekommen. Aber ein Zuhause hat keiner der Überlebenden mehr. „Wir schlafen alle draußen.“ erzählt die kleine Mitra, die sich voller Interesse an den fremden weißen Menschen in die erste Reihe gedrängelt hat. Aber nachts kühlt es ab hier im Regenwald. „Wir frieren alle, weil man keine Tür zum zumachen hat.“ sagt sie in kindlicher Sprache. Auch ihre Familie bekommt ein Zelt. Ein wasserfestes 16-qm-Zelt, ein Schutz vor dem Wetter und vor allem auch ein Stück Privatsphäre für die Familie. Mitras Familie besteht aus fünf Menschen: Ihre Eltern, ein älterer Bruder und die Oma.

Ein neues Zuhause

Mitras Vater wird von der Liste aufgerufen. Er muss seinen Ausweis zeigen, den Empfang des Zeltes unterschreiben. Ein Stempelkissen steht bereit für die, die nicht schreiben können. Mitras Vater setzt seinen Daumenabdruck auf die Liste. Das Zelt lädt er auf ein klappriges Fahrrad. Mühsam schiebt er es über den Waldweg dorthin, wo sein Haus stand. Vor dem Haus hat die Familie gestapelt, was sie unter den Trümmern retten konnte.

Blonde Haare sind hier wirklich etwas Besonderes.

Blonde Haare sind hier wirklich etwas Besonderes.

Mitra bleibt erst einmal auf dem Dorfplatz. Zu spannend findet sie, was dort passiert. Weiße Ausländer hat sie noch nie von nahem gesehen. Sie nimmt all ihren Mut zusammen und fragt mich, ob sie meine blonde Haare einmal berühren darf. Sie darf. Ihre kleinen Freundinnen kichern. Aber Mitra ist das egal. Sie weicht mir die nächsten Stunden nicht von der Seite.

Die Verteilung dauert lange. Eine Frau wird laut, sie glaubt, man habe sie vergessen. Man beruhigt sie. Alle der Reihe nach. Nach und nach tragen die einzelnen Familien die Zeltrolle zu ihren Grundstücken. Hämmern ist aus dem Wald zu hören. Die Aufbau-Anleitung ist bebildert, einfach zu verstehen.

Die Mühe hat sich gelohnt.

Kurz darauf stehen tatsächlich schon erste Zelte. Direkt neben den Trümmern. Eine Übergangslösung, bis die richtigen Häuser wieder aufgebaut sind. Nach 10 Tagen im Freien erscheint so ein Zelt den Menschen hier wie eine Luxusvilla. Zwei Frauen sitzen lächelnd unter der neuen Plane und essen Reis. „Der Boden ist sogar wasserdicht““ rufen sie.

Mitra mit ihren Freundinnen

Mitra mit ihren Freundinnen

Mitra ist plötzlich verschwunden. Als wir am Abend, nachdem alle Zelte verteilt sind, noch einmal am Grundstück ihrer Familie vorbeikommen, ertönt das Gequietsche der kleinen Mädchen aus dem bereits aufgebauten Zelt. „Jippieh, wiiiir haaaben ein neues Hauuus! Yeah!“. Mitra springt mit ihren Freundinnen im Kreis und klatscht in die Hände. „Eeeeiiin neues Haus haben wir, juchhee!“ singen die Kinder. Und das ist dann einer dieser kleinen Momente, wo man als Helfer vor Ort weiß, dass alle Mühe sich gelohnt hat – dass jeder gespendete Cent sinnvoll angekommen ist.

Über Bushaltestellen, an denen garantiert kein Bus hält …

Kategorie: Gesellschaft, Gesundheit, Gute Nachrichten am Freitag, 2. Oktober 2009 von Christine Reichmann1 Kommentar
Ein Ort, an dem Erinnerungen geweckt werden ...

Ein Ort, an dem Erinnerungen wach werden.

Nach Hamburg, München, Remscheid, Wuppertal und anderen Städten hat jetzt auch Köln eine Bushaltestelle, an der ganz bestimmt kein Bus hält. Für Wartende ist sie dennoch eine Anlaufstelle von großer Bedeutung. Denn die „Scheinhaltestelle“ mit ihrem Wartehäuschen, den gelb-grünen H-Schildern und dem Fahrplan wurde auf dem Gelände des städtischen Seniorenzentrums Köln-Riehl für demenzkranke Bewohner aufgestellt.

Viele Demenzkranke suchen eine Bushaltestelle.

Menschen, die an Demenz erkrankt sind verlieren nicht nur nach und nach die Orientierung in Raum und Zeit, sie sind auch oft von starkem Bewegungsdrang getrieben. Hinzu kommt, dass sie ihre Erinnerungen verlieren und schließlich davon überzeugt sind, wieder in früheren Zeiten zu leben. Zeiten, in denen sie zur Arbeit fahren müssen und Freunde besuchen möchten, die längst nicht mehr leben. Deshalb suchen viele dieser Menschen nach einer Bushaltestelle.

Verlorene Schäfchen lassen sich schnell finden.

Die „Scheinhaltestelle“ steht nun auch in Riehl genau vor der Haustür der Heimbewohner und ist nun ein Ort, an dem das Pflegepersonal seine verlorenen Schäfchen schnell wieder findet. Hier haben die Pfleger die Möglichkeit, sich zu den jeweiligen Bewohnern an die Haltestelle zu setzen, mit ihnen zu reden und die Erinnerungen mit ihnen zu teilen. Durch das so geschaffene Vertrauen können Sie die Bewohner leicht und ohne Ängste auszulösen davon überzeugen, wieder mit ihnen ins Pflegeheim zurückzukehren.

Vertrauen schaffen und Ängste nehmen.

Dabei zeigen die bisherigen Erfahrungen, dass mit solch einer Haltestelle deutlich weniger Bewohner nach einer „richtigen“ Haltestelle suchen. Denn haben sie die „Scheinhaltestelle“ einmal entdeckt, ist sie tatsächlich der Ort, an dem sich die meisten hinsetzen, um auf den Bus zu warten. Eine unkonventionelle und wirkungsvolle Idee, die für Bewohner und Pfleger ein großes Stück Sicherheit bringt. Und eine Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen, Vertrauen zu schaffen und Ängste zu nehmen.

(Inspiriert von „An dieser Haltestelle hält garantiert kein Bus“ aus dem Kölner Stadt-Anzeiger Nr. 196, S. 23)


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