Wenn rote Nasen reisen …
Kategorie: Gelesen, Gesellschaft, Gesundheit, Kultur am Montag, 28. Dezember 2009 von Gast – Kommentieren Sie diesen Eintrag als ErsterDas Buchprojekt von Carina Mathes
Damals muss ich ungefähr dreizehn Jahre alt gewesen sein, als meine Mutter meinen Bruder und mich zu einer Familie in unserem Ort schickte, um dort etwas abzuholen. Mein zwei Jahre jüngerer Bruder und ich machten uns also auf den Weg und standen schon bald vor besagter Haustür. Eine Frau öffnete und bat uns mit einem freundlichen Lächeln in die Diele hinein. Die Frau war sehr nett. Sie fragte uns nach unseren Namen und auf welche Schulen wir denn gehen würden. Wir waren gerade mitten ins Gespräch vertieft, als plötzlich ein Mädchen auf einem Dreirad um die Ecke geschossen kam. Das Mädchen lachte uns mit großen, weißen Zähnen an, düste eine Runde um uns herum und war genauso schnell wieder verschwunden, wie sie gekommen war. Geschockt schauten wir ihr hinterher. Das Mädchen hatte keine Haare! Die Mutter des Kindes, die unsere Blicke sicherlich bemerkt hatte, erklärte uns daraufhin, dass Marylin sehr krank sei und immer starke Medikamente nehmen müsse, von denen ihr dann die Haare ausfallen würden. Bestürzt und völlig hilflos nickten wir damals nur stumm. Marylin war es dann, die die Stille zum Glück wieder unterbrach. Auf ihrem Dreirad kam sie wieder an gesaust und hielt uns freudestrahlend etwas entgegen: „Schaut mal her, wollt ihr vielleicht mal meinen Clown sehen?“ Neugierig gingen wir in die Hocke, um zu sehen, was sie uns zeigen wollte. Und tatsächlich, auf dem Foto sah man sie in einem großen Krankenhausbett sitzen. Neben ihr ein fröhlich dreinschauender Clown mit freundlichen Augen und einer dicken, roten Nase.
Clowns bringen Licht und Freude in den Klinikaufenthalt der Kinder
„Das ist meine Erna, die kommt mich jeden Tag besuchen, wenn ich im Krankenhaus bin. Erna macht immer ganz lustige Sachen, dass ich immer soviel lachen muss, dass mir mein Bauch schon weh tut“, strahlte sie uns mit leuchtenden Kinderaugen an. Während Marylin das Foto in ihrer Hand zärtlich betrachtete, wurde mein Kloß im Hals immer größer. Ich konnte und wollte mir einfach nicht vorstellen, dass dieses Mädchen, das soviel Freude und Lebendigkeit auf mich ausstrahlte, in Wirklichkeit sterbenskrank war. Sie hatte es geschafft, mich aus meiner Traurigkeit von vorhin herauszureißen und mich mit ihrem fröhlichen Lachen anzustecken. Und auch bei Marylins Mutter legte sich ein zaghaftes Lächeln auf die Lippen: „Ja – die Clowns machen eine wunderbare Arbeit. Sie bringen etwas Licht und Freude in den Klinikaufenthalt der schwer kranken Kinder.“ Aber auch sie und ihr Mann würden die Clowns als eine große Bereicherung empfinden: „Dank der Clowns können auch wir manchmal, wenigstens für ein paar Minuten, vergessen, dass wir unsere Tochter vielleicht verlieren werden. Diese Momente sind die kostbarsten und die schönsten, die wir noch mit ihr gemeinsam erleben können.“ Später zum Abschied winkte uns Marylin mit ihrem Foto, von Erna und ihr, hinterher.
Glücksgeschichten unterstützen die Stiftung HUMOR HILFT HEILEN
Das Bild von Marylin, wie sie mit einem strahlenden Lachen auf ihrem Dreirad sitzt und mir stolz und überglücklich das Foto von ihrem Clown zeigt, hat sich tief ein mein Gedächtnis eingebrannt. Im April 2009 kam mir dann die Idee, ein Projektbuch zu schreiben und mit dem Verkauf einen sinnvollen Gedanken zu unterstützen. So habe ich über sechs Monate Glücksgeschichten aus der Bevölkerung zusammentragen und in diesem Buch die besten veröffentlicht. In Gedenken an Marylin und weil ich die Arbeit der Klinikclowns für unverzichtbar wertvoll halte, entschied ich mich für die Stiftung HUMOR HILFT HEILEN von Dr. med. Eckart von Hirschhausen. Das daraus entstandene Buch „Wenn rote Nasen reisen …“ ist ab sofort für 15,90 Euro im Buchhandel erhältlich (ISBN: 978-3-8391-1747-7).
Lieber Leser, weinend kommen wir auf diese Welt Helfen sie mit, dass wir sie fröhlich verlassen können, wenn der Zeitpunkt gekommen ist.
Carina Mathes



