Einträge mit dem Schlagwort ‘Liebe’

Die italienischen Schuhe

Kategorie: Gelesen, Kultur am Dienstag, 31. August 2010 von Christine ReichmannKommentieren Sie diesen Eintrag als Erster
"... Mankell hat eine neue Sprache gefunden ... Sie hallt wie ein Schlag auf Eis über die gefrorenen Meeresbuchten wider und tönt fort im Herzen der Menschen." Ystads Allehanda

Ein spannender Roman über die Liebe und die Einsamkeit.

“Die italienischen Schuhe” von Henning Mankell ist ein bittersüßer Roman über die Liebe und die Einsamkeit. Der ehemalige Chirurg Fredrik Welin – der Protagonist des Romans – lebt zurückgezogen auf einer kleinen Schäreninsel. Seine Gefährten sind ein Hund, eine Katze sowie ein wachsender Ameisenhaufen in seinem Wohnzimmer. Frederiks einzige zwischenmenschliche Begegnung ist die mit dem Postboten, der regelmäßig bei ihm an Land geht. Frederik glaubt, mit seinem Leben abgeschlossen zu haben. Nur, wenn er durch ein Loch, das er sich ins Eis hackt, in das bitterkalte Wasser steigt, spürt er, dass er noch lebt. Doch eines Tages entdeckt Fredrik seine einstige Jugendliebe Harriet mit ihrem Rollator auf dem Eis. Mittlerweile schwerkrank erinnert sie ihn nach 40 Jahren an ein altes Versprechen, das er nun einlösen soll. Fredrik soll mit ihr an einen kleinen Waldsee in Nordschweden fahren, an dem er als Kind oft mit seinem Vater war.

Eine Reise in die Vergangenheit und zurück zu den Menschen

Das Einlösen dieses Versprechens gestaltet sich als Reise in die Vergangenheit, voller unverhoffter Begegnungen. Fredrik lernt seine Tochter kennen, die im Wald in einem Wohnwagen haust. Er begegnet Sima, einer jungen Iranerin, die in einer Gruppe schwer erziehbarer Mädchen lebt und Gianconelli, einem alten italienischen Schuhmachermeister, der im Wald bei Härjedalen jedes Jahr genau zwei Paar Schuhe nach Maß fertigt. Und Frederik bekommt die Chance, eine alte Schuld abzutragen, einen Kunstfehler mit schwerwiegenden Folgen. Auf seiner Reise in die Vergangenheit findet Fredrik nicht nur Glück und Schmerz, sondern er findet auch zurück zu den Menschen. “Die italienischen Schuhe” ist ein Buch voll von unvergesslichen Begegnungen, voller Nachdenklichkeit und Leidenschaft. Und so wie der Winter in den Schären eiskalt und dunkel ist, so schön und herzerwärmend kann der dortige Sommer sein. Lassen Sie sich in eine außergewöhnliche Gegend und in eine spannende Geschichte voller scheinbar unvereinbarer Gegensätze entführen …

Henning Mankell: “Die italienischen Schuhe”, Paul Zsolnay Verlag, Wien 2007

Alle Jahre wieder

Kategorie: Genuss am Samstag, 7. August 2010 von Christine Reichmann2 Kommentare
Lauwarm und mit Zimtzucker bestreut – ein Traum!

Lauwarm und mit Zimtzucker bestreut – ein Traum!

Mein heiß geliebter Pflaumenkuchen

Endlich! Es gibt sie wieder: Kuchenzwetschgen für herrlichen Pflaumenkuchen. Schon seit meiner Kindheit träume ich jeden Sommer davon und bin ganz aufgeregt, wenn das erste frisch gebackene Blech mit duftendem, dampfendem Pflaumenkuchen aus dem Backofen kommt. Einige von Ihnen werden mein Lieblingsrezept noch aus dem letzten Jahr kennen. Es sei Ihnen an dieser Stelle noch einmal wärmstens ans Herz gelegt.

Für den Teig:

400 g Dinkelvollkornmehl, 100 g Braunhirsemehl, 1 Päckchen Trockenhefe, 80 g Agavendicksaft, ¼ l lauwarme Sojamilch, 2 Eier, 1 Prise Salz, 100 g Pflanzenbutter

Für den Belag:

gut 2 kg Zwetschgen, Zimtzucker

So wird’s gemacht: Das Mehl in eine Schüssel und die Hefe hinzu geben und mit den verschlagenen Eiern sowie den übrigen Zutaten zu einem glatten Teig verkneten. Die Schüssel mit einem Küchentuch bedecken und den Teig an einem warmen Ort 45 Minuten gehen lassen. Inzwischen die Pflaumen entsteinen.

Den Backofen auf 220 Grad vorheizen. Backblech mit Backpapier belegen und den Teig darauf verteilen. Den Teig schuppenähnlich mit den Zwetschgen belegen. Noch einmal 15 Minuten gehen lassen. Danach ein wenig Zimtzucker über die Pflaumen geben und das Blech in den Ofen schieben. Nach 30 Minuten ist die Köstlichkeit fertig.

Ich mag den Kuchen am liebsten lauwarm und mit Zimtzucker bestreut. Das knuspert immer so schön! Und ein bisschen frisch geschlagene Sahne dazu ist natürlich auch sehr lecker …

Viel Freude beim Backen und Knuspern!

Marie des Brebis

Kategorie: Gelesen, Gesellschaft, Kultur, Mensch & Tier am Montag, 21. Juni 2010 von Christine Reichmann5 Kommentare

Die bewegenden Erinnerungen der Schafhirtin Marie des Brebis

Die bewegenden Erinnerungen der Schafhirtin Marie des Brebis

Oder der reiche Klang des einfachen Lebens

Was für ein wundervolles Buch! Ich bin ganz verzaubert von der Lebensgeschichte der Marie des Brebis, die uns in ihren Erinnerungen an ihrem Leben teilhaben lässt: Marie wird als Findelkind im Jahre 1901 von einem Hirten zu einer Bauernfamilie gebracht, von der sie wie eine Tochter aufgenommen und groß gezogen wird. Fast ihr gesamtes Leben verbringt sie als Schafhirtin in der urwüchsigen Natur des Quercy in Frankreich. Stets umgeben von warmherzigen Menschen, die ihr Grundvertrauen in das Leben stärken und ihren Blick auf das Gute in der Welt schärfen, welcher sie in jeder Lebenslage trägt. Marie erlebt zwei Weltkriege und meistert tapfer Schicksalsschläge wie den Verlust ihres Sohnes oder den frühen Tod ihres geliebten Mannes. Ihre positive Lebenseinstellung ermöglicht es ihr, am Ende ihres erfüllten Lebens fröhlich und dankbar zurückzuschauen.

“Ich weiß, dass ich großes Glück hatte … So bin ich eben: Ich blicke nur auf das Gute in meinem Leben zurück, den anderen Teil habe ich vergessen. Oder ich habe es zumindest versucht. Und Sie werden noch sehen, dass mich Sorgen und Leid keineswegs verschont haben …”

Man spürt die Wärme der Sonne und es duftet nach frisch gebackenem Brot.

Einfühlsam geschrieben, entführt uns dieses Buch auf die Hochebene, den Causses de Quercy. Man glaubt, die Wärme der Sonne und den leichten Wind auf der Haut zu spüren. Man hört die Glöckchen der Schafe. Und man riecht förmlich den Duft des frisch gebackenen Brotes, von dem Marie auch noch am Ende ihres Lebens genießerisch schwärmt. Während ich das Buch las, war ich dabei und durfte das Leben der Marie miterleben. Sie nahm mich mit an ihre Lieblingsplätze und erlaubte mir, am großen Esstisch inmitten ihrer Familie Platz zu nehmen.

Lassen auch Sie sich entführen in ein bewegtes Leben und in eine Zeit, in der die kleinen Dinge des Lebens eine große Bedeutung hatten. Die Geschichte Maries lässt uns innehalten und darüber nachdenken, was wir uns für unser Leben wirklich wünschen. Sie motiviert uns, unsere Ziele zu überdenken und uns darauf zu besinnen, was wirklich zählt: Familie, Freunde, Empathie, die Liebe zu Menschen, Tieren und zur Natur.

“Immer wusste ich, was Glück bedeutet: Dass man zufrieden ist mit dem, was man hat, und sich selbst so akzeptiert, wie man ist.”

Christian Signol: “Marie des Brebis”, Urachhaus-Verlag, Stuttgart 2010

Den Tagen mehr Leben geben

Kategorie: Gelesen, Genuss, Gesellschaft, Kultur am Dienstag, 18. Mai 2010 von Christine Reichmann2 Kommentare

Ein überraschendes Buch über das Sterben – und das Geheimnis eines erfüllten Lebens.

Ein überraschendes Buch über das Sterben – und das Geheimnis eines erfüllten Lebens.

Dörte Schippers Buch über den Koch Ruprecht Schmidt und seine Gäste

Was zählt im Leben wirklich? Kann ein Tag voller Genuss ein Jahr der Leere aufwiegen? Wie wollen wir sterben? Wie leben?*

Ruprecht Schmidt kennt diese entscheidenden Lebensfragen. Denn als Hospizkoch begegnet er ihnen täglich. Seine Gäste sind schwer krank. Sie sind ins Hamburger Hospiz Leuchtfeuer eingezogen, um hier ihren letzten Lebensabschnitt zu verbringen. Eine Zeit, die Schmidt ihnen mit seinen Kochkünsten versüßen möchte. Weil er weiß: „Essen heißt, ich lebe noch!“

Ruprecht Schmidt war früher Küchenchef in einem Nobelrestaurant. Doch dann kam eine Zeit, in der ihn diese Art der Arbeit nicht mehr erfüllte. Im fehlte etwas, ohne jedoch zunächst genau zu wissen, was dies sein könnte. Irgendwann las er die Stellenanzeige des Hamburger Leuchtfeuers. Und da wusste er, das ist sein Job. Und er bekam ihn.

Was soll ein Koch im Hospiz?

Seither liest er seinen Gästen jeden kulinarischen Wunsch von den Augen ab, schenkt ihnen damit nicht nur besondere Gaumenfreuden, sondern auch Erinnerungen an glücklichere Zeiten.

„Ich habe häufig zu hören bekommen: ‚Was soll ein Koch im Hospiz? Stellt doch lieber einen Pfarrer ein.’ Das stimmt einfach nicht, das muss man erlebt haben, sonst kann man das schwer begreifen. Essen gehört zu den schönsten Freuden des Lebens. Schon die Vorfreude durch die verschiedensten Gerüche, ob beim Backen oder Kochen, weckt Erinnerungen an das eigene Zuhause. Für die sterbenskranken Menschen bedeutet das ein Stück Normalität.“ {…} „Dass ein sterbenskranker Mensch sich wahrgenommen und respektiert fühlt, zumindest in diesem Moment Wohlbehagen ausstrahlt und sich über lebenswerte Kleinigkeiten freut – viel mehr braucht der Koch nicht, um seinen Job zu lieben.“*

Glück schenken

„Den Tagen mehr Leben geben“ ist ein überraschendes und berührendes Buch über das Leben. Es offenbart uns das Glück an einem Ort, an dem es die meisten von uns sicherlich nicht vermuten würden.

Mich haben die Lebensgeschichten der Bewohner des Hamburger Leuchtfeuers an die letzten drei Monate erinnert, die meine Schwester und ich mit unserer Mutter verbracht haben. Eine fröhliche und traurige, eine schwere und zugleich ganz leichte Zeit, die wir alle drei sehr genossen und als großes Glück empfunden haben.

Ich denke so oft daran, wie meine Mutter sichtlich aufgeblüht ist, wenn wir mit ihr in der Sonne gesessen haben, wenn meine Schwester ihr vorgelesen hat und vor allen Dingen, wenn wir gemeinsam gegessen haben. Das war jedes Mal ein richtiges Fest: ob Spaghetti, heiße Waffeln mit Erdbeeren und Schlagsahne, italienisches Eis, Himbeeren direkt vom Markt, ein liebevoll geschmiertes Butterbrot. Nicht zu vergessen der heimliche Zwieback unter der Bettdecke …

Ja, man kann dem Tag mehr Leben geben. Besonders mit den vermeintlich kleinen Dingen. Und das ist doch wirklich eine frohe Botschaft.

Einfühlsam und liebevoll

Ich bedanke mich bei der Autorin Dörte Schipper, dass Sie sich auf so einfühlsame Art und Weise dieses lebenswichtigen Tabu-Themas annimmt, bei Ruprecht Schmidt, der mit seiner liebevollen Kochkunst, die Tage sterbenskranker Menschen versüßt und mein ganz besonderer Dank gilt dem Ehepaar Reckling, Thomas Weber und seiner Tochter Anna, Gudrun und Karl Fischer, Ulrike und Renate Sammer sowie Rolf Führing und seinen Kindern, die uns mit ihrer Offenheit an einer ganz besonderen, intimen Lebensphase teilhaben und lernen lassen.

*aus „Den Tagen mehr Leben geben“ von Dörte Schipper, Lübbe Verlag 2010

Die Eleganz der Madame Michel

Kategorie: Gesehen, Kultur am Sonntag, 9. Mai 2010 von Christine ReichmannKommentieren Sie diesen Eintrag als Erster

Ein Film, der uns hinter die Fassade blicken lässt:

Madame Michel ist Concierge in einem eleganten Pariser Wohnhaus. Und auf den ersten Blick scheint sie alle für eine Concierge typischen Wesensmerkmale in sich zu vereinen: Sie ist mürrisch, ungepflegt und unscheinbar. Sie hat sich zurückgezogen in ihre eigene Welt, die sie nur mit ihrem Kater teilt. Eine Tür in ihrer kleinen Wohnung ist nicht nur die Tür in ihre Welt der Bücher, sondern sie ist auch die Tür zu Madame Michels wahrem Wesen, das zunächst jedoch unentdeckt bleiben will. Sie liest in jeder freien Minute anspruchsvolle Literatur und entflieht auf diese Weise vor sich selbst, den Menschen, der Welt.

“Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich; jede unglückliche Familie jedoch ist auf ihre besondere Weise unglücklich.”*

Im selben Haus wohnt die hochbegabte 11jährige Paloma. Auch sie lebt in ihrer eigenen Welt. Sie hat mit ihren elf Jahren längst durchschaut, wie ärmlich ein Leben im Luxus sein kann. Sie sucht sich immer wieder neue Verstecke und selbst wenn sie sich nicht versteckt, wird sie von ihren Eltern und ihrer älteren Schwester nicht gesehen. Palomas beste Freundin ist ihre Videokamera. Ihr Medium, mit dem sie die äußere Welt beobachtet, kommentiert, entlarvt. Für sie ist jetzt schon klar, dass sie nicht das Leben ihrer Eltern führen möchte und beschließt, sich am Tag ihres 12ten Geburtstages das Leben zu nehmen, sollte sie nicht etwas entdecken, was das Leben lebenswert macht.

Paloma lüftet das wohl gehütete Geheimnis.

Paloma fühlt sich von dem Mysterium der Madame Michele angezogen. Mit ihrer Kamera lüftet sie das wohl gehütete Geheimnis der Concierge und es gelingt Paloma, die Tür zu Madame Micheles Herz wenigstens um einen Spalt breit zu öffnen. Hier in der “kleinen” Welt der Concierge fühlt sich Paloma das erste Mal geborgen.

Ozu weckt Madame Michele aus ihrem Winterschlaf.

Sowohl das Schicksal von Madame Michel als auch das von Paloma wandelt sich mit dem Einzug des geheimnisvollen Japaners Kakuro Ozu. Und schon bald bahnt sich zwischen ihm und der Concierge eine zarte Liebesgeschichte an. Denn auch Monsieur Ozu ahnt, dass sich hinter Madame Michels mürrischer Fassade ein liebenswertes Geheimnis verbirgt und lockt, so sanft wie beharrlich, die barsche Concierge aus ihrem Winterschlaf.

Ein Zitat aus dem großen Buch des Lebens …

Den Protagonisten scheinen die Rollen auf den Leib geschrieben. Mit unglaublichem Fingerspitzengefühl erzählt die Kamera die Geschichte um Madame Michel. Liebevolle Details wie zum Leben erweckte Tuschezeichnungen machen diesen Film zu einem besonderen Kleinod. Er ist in seiner Gesamtheit ein tragisches und zugleich bezauberndes Zitat aus dem großen Buch des Lebens. Mein Tipp: Unbedingt anschauen!

*aus “Anna Karenina” von Leo Tolstoi


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