Einträge mit dem Schlagwort ‘Liebe’

Einfach zauberhaft!

Kategorie: Gelesen, Kultur am Mittwoch, 20. Oktober 2010 von Christine ReichmannKommentieren Sie diesen Eintrag als Erster
Das perfekte Buch für den Herbst!

Das perfekte Buch für den Herbst

“Daß jemand mit siebzig anfängt, ein Tagebuch zu führen, mag ungewöhnlich sein, aber ich fange heute damit an. Der Sommer neigt sich seinem Ende zu, ähnlich wie mein Leben.”*

Erika Pluhar erzählt in ihrem Roman “Spätes Tagebuch” die berührende Geschichte von Paulina Neblo, die im Alter von 70 Jahren beschließt, zur Chronistin ihrer Gegenwart zu werden, Alltäglichkeiten zu notieren und sich der vermeintlichen Zukunftslosigkeit des Alters zu stellen.

Paulina blickt auf ein bewegtes Leben zurück: Als Choreografin gründete sie eine erfolgreiche Tanz-Company, hatte zahlreiche Affären, eine Tochter, die sie über alles liebte, und endlich, als bereits reife Frau, eine erfüllte Ehe. Doch nach einer Reihe von Schicksalsschlägen und Verlusten zieht Paulina sich aus dem aktiven Leben zurück. Aber ihr Umfeld lässt diese selbstgewählte Einsamkeit nicht zu. Zunächst ist es nur Paulinas liebenswerte portugiesische Haushaltshilfe Hortensia, die sich nicht nur um das Haus kümmert, sondern stets auch ein fürsorgliches Auge auf Paulina hat. Hinzu kommt später der deutlich jüngere Zahnarzt Vincent Keel, der es schafft, – obwohl sich Paulina mit Herz, Händen und Füßen dagegen wehrt – in Paulinas Leben einzutreten. Ihm gelingt es auch, Paulina ins Leben zurückzuholen.

Erika Pluhar schreibt auf ebenso sensible wie schonungslose Weise über das Alter, Sehnsüchte und Ängste. Poetisch, lebensnah und intensiv. Ihre zarte, subtile Sprache, die von ihr gewählten Bilder haben mich tief berührt. Sie haben mich in Paulinas Herz blicken und vieles verstehen lassen. Ein “kleines” Buch mit großer Wirkung. Mein Tipp: Sich mit dem “Späten Tagebuch” in die Herbstsonne setzen und lesen, lesen, lesen …

*Erika Pluhar: “Spätes Tagebuch”, Residenz Verlag, Salzburg 2010

Forras

Kategorie: Gesellschaft, Gesundheit, Mensch & Tier am Montag, 11. Oktober 2010 von GastKommentieren Sie diesen Eintrag als Erster

Forras & ich

Forras & ich

von Bernadette Busse

Ein Jahr ist es nun her, seit meine Hündin Forras – eine Kuvaszdame – gestorben ist. Und sicherlich ist es sehr ungewöhnlich, dass sie auf natürliche Weise sterben durfte …

Bis Forras Sterbeprozess begann, hatte ich noch nie einen sterbenden Menschen oder ein sterbendes Tier begleiten dürfen. Viele Fragen waren offen. In Würde sterben zu dürfen, wie es die alten Naturvölker praktizieren, wie es in buddhistischen Lehren beschrieben wird, schien mir damals zunächst nicht mit unserer Kultur vereinbar zu sein.

Als Forras mit 8 Jahren zu mir kam, waren wir sofort ein Herz und eine Seele. Auf einem wunderschönen Abendspaziergang teilte sie mir auf telepathischem Wege plötzlich mit, dass sie mir den Sterbeprozess zeigen würde. Jeder Tierbesitzer kann sicher nachfühlen, dass ich ziemlich schockiert war, denn verlieren wollte ich sie auf gar keinen Fall.

Ich liebe Forras über alles.

Ein Jahr später sollte sie 13 Jahre alt werden, ein hohes Alter für einen großen Hund mit ihrer Vorgeschichte. Aber ich konnte beobachten, dass sie Gewicht verlor, der Appetit nachließ, sie nur noch kleine Spaziergänge machen wollte. Nur ihre Augen waren klar, liebevoll und wissend. Mein Herz war traurig bei dem bevorstehenden Abschied.

Ich begleitete sie mit Homöopathie und Farblicht und staunte, wie gelassen sie wirkte. Eine große Unterstützung erfuhr Forras durch ihren Kater Smilli, der sich immer in ihrer Nähe aufhielt. 4 Tage vor Forras Tod, legte Smilli sich auf ihre Seite und schnurrte, um sie zu beruhigen und ihr die Kraft zum Loslassen zu geben.

Die letzten Stunden lag Forras in meinen Armen. Ich redete ihr gut zu, dass sie den Weg ins Licht gehen sollte. Viele Tränen begleiteten mich, aber intuitiv wusste ich, dass sie es sich so gewünscht hatte.

Smilli stand plötzlich auf und ließ einen Schrei los – der mir durch Mark und Bein ging – und verließ das Zimmer. Dann atmete Forras ein letztes Mal. Unendliche Liebe erfüllte den Raum, tiefe Freude war in meinem Herzen: Sie hatt es geschafft, sie hatte es geschafft.

Ich zündete viele Kerzen an und nahm Abschied.

Viele Wochen lang fühlte ich Forras noch neben mir laufen, wie sie auf meinem Bett lag (was sie sonst nie getan hatte) und wie sie mich begleitetete. Ich habe mich seitdem oft gefragt, warum ich danach nicht um Forras geweint habe, aber ich glaube, dass es mir sehr geholfen hat, sie in Würde sterben zu lassen. Sie ist für mich ein wunderbarer Lehrer gewesen. Und dafür bin ich ihr sehr dankbar.

Inzwischen habe ich Menschen und Tiere in ihren letzten Tagen begleiten dürfen und weiß, wir sind alle individuell, jedes Sterben ist anders und hat zudem auch eine ganz große heilende Kraft. Ein Satz von Ken Wilber ist tief in mir verankert: Erst wenn du den Tod akzeptierst, kannst du das Leben akzeptieren.

Weltenseele

Alte Seele, weine nicht
Fürchte nicht dein Angesicht
Abschied von der Welt Gesang
Stehst du in deinem licht’ Gewand
Trübe Augen, klarer Blick
Schaust du ganz gern zurück
Flügel wachsen dir ganz sacht
Dein Herz nun lacht, es ist vollbracht
Ja, ich bin
Ich bin

Bernadette Busse, 15.08.2010

Bernadette Busse ist Heilpraktikerin und Tierheilpraktikerin mit eigener Praxis in Neuss. Das Thema Sterben und Tod beschäftigt sie schon lange. Bücher über dieses Thema sind ihre ständigen Begleiter. Hospizliche Mitarbeit füllt die Lücken. Telepathische Kommunikation mit Tieren rundet das Wissen über das unliebsame Tabuthema ab.

Die italienischen Schuhe

Kategorie: Gelesen, Kultur am Dienstag, 31. August 2010 von Christine ReichmannKommentieren Sie diesen Eintrag als Erster
"... Mankell hat eine neue Sprache gefunden ... Sie hallt wie ein Schlag auf Eis über die gefrorenen Meeresbuchten wider und tönt fort im Herzen der Menschen." Ystads Allehanda

Ein spannender Roman über die Liebe und die Einsamkeit.

“Die italienischen Schuhe” von Henning Mankell ist ein bittersüßer Roman über die Liebe und die Einsamkeit. Der ehemalige Chirurg Fredrik Welin – der Protagonist des Romans – lebt zurückgezogen auf einer kleinen Schäreninsel. Seine Gefährten sind ein Hund, eine Katze sowie ein wachsender Ameisenhaufen in seinem Wohnzimmer. Frederiks einzige zwischenmenschliche Begegnung ist die mit dem Postboten, der regelmäßig bei ihm an Land geht. Frederik glaubt, mit seinem Leben abgeschlossen zu haben. Nur, wenn er durch ein Loch, das er sich ins Eis hackt, in das bitterkalte Wasser steigt, spürt er, dass er noch lebt. Doch eines Tages entdeckt Fredrik seine einstige Jugendliebe Harriet mit ihrem Rollator auf dem Eis. Mittlerweile schwerkrank erinnert sie ihn nach 40 Jahren an ein altes Versprechen, das er nun einlösen soll. Fredrik soll mit ihr an einen kleinen Waldsee in Nordschweden fahren, an dem er als Kind oft mit seinem Vater war.

Eine Reise in die Vergangenheit und zurück zu den Menschen

Das Einlösen dieses Versprechens gestaltet sich als Reise in die Vergangenheit, voller unverhoffter Begegnungen. Fredrik lernt seine Tochter kennen, die im Wald in einem Wohnwagen haust. Er begegnet Sima, einer jungen Iranerin, die in einer Gruppe schwer erziehbarer Mädchen lebt und Gianconelli, einem alten italienischen Schuhmachermeister, der im Wald bei Härjedalen jedes Jahr genau zwei Paar Schuhe nach Maß fertigt. Und Frederik bekommt die Chance, eine alte Schuld abzutragen, einen Kunstfehler mit schwerwiegenden Folgen. Auf seiner Reise in die Vergangenheit findet Fredrik nicht nur Glück und Schmerz, sondern er findet auch zurück zu den Menschen. “Die italienischen Schuhe” ist ein Buch voll von unvergesslichen Begegnungen, voller Nachdenklichkeit und Leidenschaft. Und so wie der Winter in den Schären eiskalt und dunkel ist, so schön und herzerwärmend kann der dortige Sommer sein. Lassen Sie sich in eine außergewöhnliche Gegend und in eine spannende Geschichte voller scheinbar unvereinbarer Gegensätze entführen …

Henning Mankell: “Die italienischen Schuhe”, Paul Zsolnay Verlag, Wien 2007

Alle Jahre wieder

Kategorie: Genuss am Samstag, 7. August 2010 von Christine Reichmann2 Kommentare
Lauwarm und mit Zimtzucker bestreut – ein Traum!

Lauwarm und mit Zimtzucker bestreut – ein Traum!

Mein heiß geliebter Pflaumenkuchen

Endlich! Es gibt sie wieder: Kuchenzwetschgen für herrlichen Pflaumenkuchen. Schon seit meiner Kindheit träume ich jeden Sommer davon und bin ganz aufgeregt, wenn das erste frisch gebackene Blech mit duftendem, dampfendem Pflaumenkuchen aus dem Backofen kommt. Einige von Ihnen werden mein Lieblingsrezept noch aus dem letzten Jahr kennen. Es sei Ihnen an dieser Stelle noch einmal wärmstens ans Herz gelegt.

Für den Teig:

400 g Dinkelvollkornmehl, 100 g Braunhirsemehl, 1 Päckchen Trockenhefe, 80 g Agavendicksaft, ¼ l lauwarme Sojamilch, 2 Eier, 1 Prise Salz, 100 g Pflanzenbutter

Für den Belag:

gut 2 kg Zwetschgen, Zimtzucker

So wird’s gemacht: Das Mehl in eine Schüssel und die Hefe hinzu geben und mit den verschlagenen Eiern sowie den übrigen Zutaten zu einem glatten Teig verkneten. Die Schüssel mit einem Küchentuch bedecken und den Teig an einem warmen Ort 45 Minuten gehen lassen. Inzwischen die Pflaumen entsteinen.

Den Backofen auf 220 Grad vorheizen. Backblech mit Backpapier belegen und den Teig darauf verteilen. Den Teig schuppenähnlich mit den Zwetschgen belegen. Noch einmal 15 Minuten gehen lassen. Danach ein wenig Zimtzucker über die Pflaumen geben und das Blech in den Ofen schieben. Nach 30 Minuten ist die Köstlichkeit fertig.

Ich mag den Kuchen am liebsten lauwarm und mit Zimtzucker bestreut. Das knuspert immer so schön! Und ein bisschen frisch geschlagene Sahne dazu ist natürlich auch sehr lecker …

Viel Freude beim Backen und Knuspern!

Marie des Brebis

Kategorie: Gelesen, Gesellschaft, Kultur, Mensch & Tier am Montag, 21. Juni 2010 von Christine Reichmann5 Kommentare

Die bewegenden Erinnerungen der Schafhirtin Marie des Brebis

Die bewegenden Erinnerungen der Schafhirtin Marie des Brebis

Oder der reiche Klang des einfachen Lebens

Was für ein wundervolles Buch! Ich bin ganz verzaubert von der Lebensgeschichte der Marie des Brebis, die uns in ihren Erinnerungen an ihrem Leben teilhaben lässt: Marie wird als Findelkind im Jahre 1901 von einem Hirten zu einer Bauernfamilie gebracht, von der sie wie eine Tochter aufgenommen und groß gezogen wird. Fast ihr gesamtes Leben verbringt sie als Schafhirtin in der urwüchsigen Natur des Quercy in Frankreich. Stets umgeben von warmherzigen Menschen, die ihr Grundvertrauen in das Leben stärken und ihren Blick auf das Gute in der Welt schärfen, welcher sie in jeder Lebenslage trägt. Marie erlebt zwei Weltkriege und meistert tapfer Schicksalsschläge wie den Verlust ihres Sohnes oder den frühen Tod ihres geliebten Mannes. Ihre positive Lebenseinstellung ermöglicht es ihr, am Ende ihres erfüllten Lebens fröhlich und dankbar zurückzuschauen.

“Ich weiß, dass ich großes Glück hatte … So bin ich eben: Ich blicke nur auf das Gute in meinem Leben zurück, den anderen Teil habe ich vergessen. Oder ich habe es zumindest versucht. Und Sie werden noch sehen, dass mich Sorgen und Leid keineswegs verschont haben …”

Man spürt die Wärme der Sonne und es duftet nach frisch gebackenem Brot.

Einfühlsam geschrieben, entführt uns dieses Buch auf die Hochebene, den Causses de Quercy. Man glaubt, die Wärme der Sonne und den leichten Wind auf der Haut zu spüren. Man hört die Glöckchen der Schafe. Und man riecht förmlich den Duft des frisch gebackenen Brotes, von dem Marie auch noch am Ende ihres Lebens genießerisch schwärmt. Während ich das Buch las, war ich dabei und durfte das Leben der Marie miterleben. Sie nahm mich mit an ihre Lieblingsplätze und erlaubte mir, am großen Esstisch inmitten ihrer Familie Platz zu nehmen.

Lassen auch Sie sich entführen in ein bewegtes Leben und in eine Zeit, in der die kleinen Dinge des Lebens eine große Bedeutung hatten. Die Geschichte Maries lässt uns innehalten und darüber nachdenken, was wir uns für unser Leben wirklich wünschen. Sie motiviert uns, unsere Ziele zu überdenken und uns darauf zu besinnen, was wirklich zählt: Familie, Freunde, Empathie, die Liebe zu Menschen, Tieren und zur Natur.

“Immer wusste ich, was Glück bedeutet: Dass man zufrieden ist mit dem, was man hat, und sich selbst so akzeptiert, wie man ist.”

Christian Signol: “Marie des Brebis”, Urachhaus-Verlag, Stuttgart 2010


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